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Das Ende einer Ära Fraunhofer Institut lässt MP3-Lizenzen auslaufen

Von Annalena Klein, Annalena Klein | 18.05.2017, 08:30 Uhr

Das Audioformat mp3 ist Geschichte – zumindest aus lizenzrechtlicher Sicht: Der Lizenzgeber, das Fraunhofer Institut, hat das Lizenzprogramm nach Auslaufen einiger Patente beendet. Ist damit das Ende des einst revolutionären Audiocodes besiegelt? Was bedeutet das für den Verbraucher?

Osnabrück. Seine Lieblingsmusik hören, immer und überall – beim Joggen, beim Zelten, bei der Bahnfahrt. Das machte das Audioformat MP3 möglich. Ab 1987 entwickelte das Fraunhofer Institut mit Sitz in Erlangen zusammen mit der Universität Erlangen-Nürnburg den Codec, der es erlaubte, Musik zu komprimieren und neu zu speichern.

Still und leise hat das Institut nun mit dem Ablauf einiger MP3-Patente Ende April das Lizenzprogramm zusammen mit Technicolor beendet. Seit mehr als 20 Jahren lizenzierte das Institut seine Technologie für MP3-Player und erlaubte ihnen so, Musikdateien in diesem Format abzuspielen.

Doch seit Ende April ist damit Schluss. Drittanbieter können den Codec zwar weiterhin verwenden, doch das Fraunhofer Institut selbst gibt zu, dass es mittlerweile qualitativ weitaus bessere Formate gibt.

Die Revolution in der Musikgeschichte

Die anfangs von der Musikindustrie belächelte Vision der Fraunhofer-Entwickler, mobile Endgeräte zum Abspielen der MP3-Songs zu vermarkten, entwickelte sich spätestens mit dem iPod von Apple zum Welterfolg.

Die Erfindung des MP3-Audioformats war nicht nur technisch revolutionär, es war ein kulturelles Phänomen. Die Art, Musik zu konsumieren, veränderte sich. Man musste nicht mehr in den Musikladen seines Vertrauens gehen, um eine CD zu kaufen. Ein ganzes Album bezahlen, obwohl man nur einen Song wirklich gut findet? Ab sofort unnötig. Anbieter wie Napster oder iTunes machten es möglich, einzelne Lieder zu erstehen.

Illegales Tauschen florierte

Ganz nebenbei wurden MP3-Player, besonders der iPod, zum Statussymbol. Und MP3 begünstigte noch ein weiteres Phänomen: den zumeist illegalen Tauschhandel mit Musik im Internet. Die auf wenige Megabytes geschrumpften MP3-Dateien ließen sich ohne großen Aufwand kopieren und tauschen.

Lange war MP3 der effizienteste verlustbehaftete Audiostandard und bis heute quasi Standard im Internet. Mittlerweile gibt es aber weitaus effizientere Alternativen, wie etwa Advanced Audio Coding (AAC) oder MPEG-H Audio.

Auslaufmodell MP3

„Diese bieten erweiterte Einstellungsmöglichkeiten und eine bessere Audioqualität bei viel geringeren Bitraten im Vergleich zum MP3-Format“, sagt auch das Fraunhofer Institut dazu. Im Jahr 2012 bezifferte das Institut Lizenzerträge durch MP3, die sich nach eigenen Angaben auf einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ belaufen.

Auch wenn MP3 beim Endverbraucher sehr beliebt sei, würden heutige Medien wie Streaming, Fernsehen oder Radio doch die Alternativen nutzen. MP3 wird also zum Auslaufmodell. Das Ende der Lizenzen hindert natürlich niemanden daran, das MP3-Format weiterhin zu nutzen. Vorhandene Dateien verschwinden ja nicht und können weiterhin abgespielt werden. Der MP3-Standard wird kostenlos. Abgesehen davon haben das Smartphone und Streamingdienste den MP3-Player so gut wie ersetzt.

Wie funktioniert MP3 überhaupt?

MP3 komprimiert und speichert Musik. Eine MP3-Datei benötigt im Vergleich zur Originaldatei nur rund 10 Prozent des Speicherplatzes. Das ist möglich, weil Musik aus sehr vielen Komponenten besteht, die aber nicht gleich gut hörbar und damit für das menschliche Ohr wahrnehmbar sind. So werden beispielsweise leise Geigenklänge verborgen, wenn gleichzeitig kräftig ins Horn geblasen wird. Zwar sind die Geigen immer noch vorhanden, für das menschliche Ohr aber nicht wahrnehmbar. Bei der MP3-Formatierung werden nun die Geigen akustisch ungenauer dargestellt, das Horn dafür genau. Das spart Datenvolumen. Gleichzeitig wird die Qualität des Musikstücks heruntergebrochen, denn durch die veränderte Darstellung des Musikstücks entsteht ein Codiergeräusch. Je geringer die Qualitätsstufe der Datei, also je stärker das Stück komprimiert wird, desto stärker das Codiergeräusch.