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Club muss Güterbahnhof räumen „Kleine Freiheit“ in Osnabrück sucht neuen Standort

Von Wolfgang Elbers | 10.02.2017, 19:32 Uhr

Das Datum steht: Ende des Jahres ist für den Club „Kleine Freiheit“ nach rund zwölf Jahren am Güterbahnhof Schluss. Das Gebäude soll mittelfristig abgerissen werden. Die Betreiber sind seit Längerem auf Standortsuche. Die Hoffnung auf eine nochmalige Verlängerung ist gleich null.

Die Signale der Stadt sind eindeutig. Mitte Januar hat Stadtbaurat Frank Otte den „Kleine Freiheit“-Gesellschaftern Guido Remmert, Falk Schlukat und Chris Vorberg, die auch zum „Zukunftsmusik“-Team zählen, sowie deren Partner Bernie Mersch noch einmal unmissverständlich zu verstehen gegeben: Die Szene-Location hat an jetziger Stelle über das Jahresende hinaus keine Zukunft. 

Die Stadt will bei den Rechtsstreitigkeiten mit „Zion AG“-Nachfolger „3g Group“, dem aktuellen Flächeneigentümer, nicht das Risiko eingehen, die eigene Position durch eine weitere Duldung des Betriebs möglicherweise zu schwächen. Dabei wird der vorgesehene Abriss des „Kleine Freiheit“-Gebäudes, der ehemaligen Kantine des Güterbahnhofs, wahrscheinlich erst 2019 oder 2020 erfolgen, wenn die Eisenbahnbrücke an der Hamburger Straße erneuert wird und auch der Eingangsbereich zum insgesamt rund 26000 Quadratmeter großen Areal eine Neuordung erfährt.

Club-Betreiber: Verlierer wäre Osnabrück

Für die „Kleine Freiheit“-Betreiber ist die städtische Position zwar nicht neu, da dies vom Stadtbaurat immer kommuniziert wurde, aber letztlich nicht nachvollziehbar: „Wir werden hier leider das Opfer eines Konflikts, in dem wir gar keine Rolle spielen. Verlierer wäre am Ende Osnabrück“

Mehr als 500 Bands, darunter neben angesagten Newcomern auch Top-Namen wie Clueso, Kraftklub oder Casper, haben den vergangenen elf Jahren in der „Kleinen Freiheit“ einen Tour-Stop eingelegt und den Club sowie Osnabrück in der Szene überregional bekannt gemacht. Die Location ist zum Beispiel einer der Hauptveranstaltungsorte des jährlichen „Popsalon“-Festivals . Doch wie es weitergeht, dahinter steht derzeit ein Fragezeichen. Bisher ist es noch nicht gelungen, einen geeigneten neuen Standort für die kultige Location mit dem kleinen Leuchtturm am Eingangsbereich zu finden. Guido Remmert: „Wir sehen uns schon seit Längerem nach Alternativen um. Aber ein geeignetes Gebäude in zentraler Lage, das sich für Konzerte sowie zwei bis drei Partys die Woche eignet und über ausreichende Parkmöglichkeiten verfügt, ist schwierig.“

City-nahe Lage gesucht

Zu den verworfenen Gedankenspielen zählt zum Beispiel ein ehemaliges Möbellager an der Karlstraße, das inzwischen L+T erworben hat, um hier eventuell weitere Parkmöglichkeiten zu schaffen. „Das wäre wegen der Nähe zum neuen Glanz & Gloria gut geeignet gewesen, aber so gibt es keine Perspektive“, lautet hier die Einschätzung.

Die Stadt will bei der Standortsuche behilflich sein. Der Fokus liegt hier zum Beispiel auf dem Hafenbereich. Doch bei den Objekten, die hier bisher ins Gespräch gekommen sind, stehen noch viele Fragezeichen zur Klärung an. Eins steht für die „Kleine Freiheit“-Macher fest: Der neue Standort muss einen ähnlichen Charme haben, wie der jetzige Club – und ebenfalls eine City-nahe Lage. Dass die Zeit drängt, hat diese Woche die Ankündigung von Veranstalter und DJ James McKenzie Cowie noch einmal verdeutlicht, demnächst mit dem „Brücks“ einen eigenen Laden zwischen „Nize Club“ und „Substanz“ im Bereich Dammstraße/Frankenstraße zu eröffnen, um dort seine Veranstaltungen zu machen. Start könnte hier im April oder Mai sein – wenn Genehmigungen und Umbauarbeiten wie geplant klappen.

Bei der „Kleinen Freiheit“ sind diese Pläne seit Monaten bekannt. Wo der Szene-Leuchtturm künftig stahlen wird, muss sich in jedem Fall bald entscheiden. Die Betreiber brauchen Planungssicherheit.