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Vom Berghain ins Ballhaus Chor und Choreografie „The Tyger“ in Osnabrück

Von Thomas Wübker | 26.08.2019, 12:51 Uhr

Vor zwei Jahren fand die Uraufführung von „Choreos The Tyger“ im Berliner Feier-Tempel Berghain statt. Am Freitag, 30. August, und Samstag, 31. August, wird es zum ersten Mal in Osnabrück gespielt. Das Ballhaus hat der Osnabrücker Kirchenmusiker und Chorleiter Stephan Lutermann bewusst ausgewählt.

Inspiriert wurde „Choreos The Tyger“ von den Gedichten „The Tyger“ und „The Lamb“ des englischen Dichters William Blake. Darin beschreibt er die gegensätzliche Schöpfung Gottes: Der bestialische Tiger und das unschuldige Lamm. Die Inszenierung von Lutermann und dem Berliner Choreografen Lars Scheibner will den Kontrast dieser Gegensätzlichkeiten nutzen. „Stärke und Schwäche, Aggressivität und Verletzlichkeit“ stehen sich gegenüber, sind aber im Menschen vereint, sagt Lutermann.

16 Sängerinnen und Sänger aus neun Nationen wirken bei der Produktion mit. Sie singen, aber sie bewegen sich auch wie Tänzer. Lutermann und Scheibner benutzen lieber das Wort Bewegung als Tanz. Dennoch folgt die Art der Bewegung einer Choreografie. Dass die Protagonisten auch im Chor dazu singen, macht die Einzigartigkeit von „Choreos“ aus.

Neu ist die Art der Inszenierung jedoch nicht. Lutermann bezieht sich auf die Antike. Gesang und Bewegung gehörten schon zu Zeiten von Aristophanes, Euripides oder Sophokles zusammen, sagt Lutermann. Die Musik der Produktion stammt von den skandinavischen Komponisten Sven-David Sandström, Tommy B. Andersson und Emil Råberg.

Als Ort für die Premiere haben sich die Macher den Berliner Techno-Club Berghain ausgewählt. Es ist ein Ort, der an Exklusivität kaum zu überbieten ist. Wer dort Einlass erhält, darf sich zu den Auserwählten zählen. Die Aufführung vor zwei Jahren wurde begeistert aufgenommen. „Das Experiment ist in jedem Fall geglückt: Gesang und Tanz, Klang und Bewegung, vereint in einem Ensemble – das ist nicht nur möglich, sondern es öffnet Augen und Ohren für ein ganz neues, ungewöhnliches Empfinden“, schrieb der Kritiker dieser Zeitung damals.

Das Ballhaus kann zwar nicht mit der gleichen Exklusivität und dem Promi-Glanz aufwarten, aber die Sängerinnen und Sänger werden in den Konzertsaal neben dem Alando Palais eine Performance zeigen, die in vielen Belangen außergewöhnlich ist. Lutermann sagte im Interview mit der Redaktion, der Ort sei gewählt worden, um Erwartungshaltungen aufzubrechen.