Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

CDU-Vorstoß im Kreis Osnabrück Freifahrten für Oberstufenschüler in der Kritik

Von Jean-Charles Fays | 29.06.2016, 14:33 Uhr

Der Vorstoß des CDU-Fraktionschefs Martin Bäumer für kostenlose Busfahrten der Oberstufenschüler im Landkreis Osnabrück steht in der Kritik. Der Bersenbrücker Samtgemeindebürgermeister Horst Baier schlägt vor, den Nahverkehr in den ländlichen Räumen strukturell zu verbessern anstatt die Finanzmittel breit zu verteilen. Der Bissendorfer Bürgermeister Guido Halfter bedankt sich für das Wahlgeschenk an die Schüler.

„Wenn der Landkreis sich das dann auch dauerhaft leisten kann, sollte er kostenlose Busfahrten für Oberstufenschüler und kostenlose Schülerfreizeittickets im Landkreis gerne sofort anbieten“, erklärt Halfter nicht ohne Ironie. „Wenn Herr Bäumer daneben noch weitere finanzielle Spielräume im Kreishaushalt entdecken sollte, wäre ich zudem auch für eine spürbare und dauerhafte Senkung der Kreisumlage dankbar.“

( Weiterlesen: Bald Freifahrten für Oberstufenschüler im Landkreis Osnabrück? )

Bissendorfer Bürgermeister schlägt kostenfreie Kita-Plätze vor

Denn in den Gemeinden gebe es noch viele kostenträchtige soziale Aufgaben zu erledigen. „Geldgeschenke an die Kommunen würden da immer helfen“, erklärt der Bissendorfer Bürgermeister und schlägt kostenfreie Kita-Plätze vor.

Nahverkehrsanbindung für Niedersachsenpark mit 2000 Arbeitsplätzen

( Weiterlesen: Der Preis der kostenlosen Schülerbeförderung )

Für die Samtgemeinde Bersenbrück schlägt Baier in einer Mitteilung an unsere Redaktion drei mögliche Maßnahmen vor. Der Niedersachsenpark mit über 2000 Arbeitsplätzen habe noch keine öffentliche Verkehrsanbindung für die Arbeitnehmer aus der ganzen Region einschließlich der Stadt Osnabrück. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, betont Baier.

Landkreis will Gesamtkonzept

Die Samtgemeinde ist laut Baier bereit, auch eigene Mittel einzusetzen. Im Moment liege der Ball aber beim Landkreis, der ein Gesamtkonzept entwickeln will. Bislang habe es beim Landkreis und der Stadt Osnabrück keine Bereitschaft zur Kofinanzierung gegeben. Dies könne mit den zusätzlichen Mitteln geändert werden.

Anbindung von Alfhausen an Bahnhof Bramsche

Ein weiterer Vorschlag von Baier ist die Anbindung von Alfhausen an den Bahnhof in Bramsche. „Der Durchbruch für einen Bahnhalt in Alfhausen ist mit der rot-grünen Landesregierung zwar gelungen“, sagt Baier und stellt heraus: „Bis zur Umsetzung wird es aber noch dauern.“ Daher wäre eine Interimslösung im Stundentakt für Alfhausen nach Ansicht von Baier sehr wichtig.

Anbindung an Bahnhof Bersenbrück

Als dritten Vorschlag nennt er die Anbindung von Eggermühlen, Kettenkamp, Ankum und Gehrde im Stundentakt an den Bahnhof in Bersenbrück, besonders in Zeiten außerhalb des Schülerverkehrs. Derzeit ist nur Ankum bis 18 Uhr angebunden.

„Bäumer will nicht eigenes Geld verteilen“

Baier weist darauf hin, dass die Landesregierung die Regionalisierungsmittel aufgestockt hat und daher zusätzliche Finanzmittel an den Landkreis fließen. „Es wäre redlich gewesen, wenn Herr Bäumer darauf hingewiesen hätte, dass er nicht eigenes Geld verteilen will“, kritisiert Baier.

Alle Kommunen befragen, wo Bedarf im Nahverkehr ist

Er regt an, alle kreisangehörigen Kommunen zu befragen, wo sie Bedarf an einer Verbesserung des Nahverkehrs sehen. Die besten Vorschläge sollten dann nach Baiers Vorstellung mit dem Geld aus Hannover und vielleicht noch zusätzlichen Mitteln des Landkreises gefördert werden. Die Gemeinden könnten so eigenes Geld beisteuern, damit aus einer Million dann vielleicht zwei Millionen werden. Weiterhin hält Baier die These für nicht bewiesen, dass kostenlose Fahrkarten die Schüler davon abhalten, mit dem Fahrrad oder Auto zu fahren.

Bad Laerer Bürgermeister will besseres Nahverkehrsangebot

Franz Vollmer schließt sich als Bürgermeister aus Bad Laer den Worten von Baier an. „So interessant wie der Vorstoß von Herrn Bäumer im ersten Augenblick klingt, würde auch ich mir eine strukturelle Verbesserung des Nahverkehrsangebots wünschen, die der Gesamtheit der Bevölkerung zugutekommt“, bekräftigt Vollmer. Finanzielle Mittel sollten seiner Meinung nach dazu eingesetzt werden, den öffentlichen Nahverkehr in der Region als attraktive, umweltschonende Alternative zum Auto kontinuierlich auszuweiten und zu etablieren. „Dies stellt sicherlich kein leichtes Unterfangen dar, sodass hierfür noch einiges geleistet werden muss.“ Eine optimierte und höhere Taktung der Fahrzeiten sowie die Ausweitung des Streckennetzes könnten Vollmer zufolge wichtige Ansatzpunkte sein.

Wallenhorster Bürgermeister will Diskussion losgelöst vom Kommunalwahlkampf

Der Wallenhorster Bürgermeister Otto Steinkamp begrüßt grundsätzlich eine Verbesserung der Schülerbeförderung, betont aber: „Diese Diskussion sollte losgelöst vom Kommunalwahlkampf eng abgestimmt zwischen dem Landkreis Osnabrück und den Städten und Gemeinden geführt werden.“

Magdalene Heuvelmann, Bürgermeisterin der Gemeinde Glandorf, versteht Bäumers Vorschlag als Recherche-Auftrag an die Landkreis-Verwaltung. Dass der ÖPNV im ländlichen Raum optimierungsfähig ist, sei kein Geheimnis. Unter anderem sei dies im Besonderen in Glandorf, im südlichsten Zipfel des Landkreises an der Grenze zu NRW, der Fall.