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Cannabis gegen Rückenschmerzen? Drogen-Anbau auf dem Dachboden – Landgericht verurteilt 39-jährigen Osnabrücker

Von Heiko Kluge | 30.09.2011, 10:12 Uhr

Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung hat das Landgericht einen 39-jährigen Osnabrücker verurteilt, der auf seinem Dachboden eine Cannabisplantage angelegt hatte. Der Mann gab an, er habe mit der Droge seine Rückenschmerzen therapiert.

Im Oktober des vergangenen Jahres hatte die Polizei 66 Hanfpflanzen auf dem Dachboden des Mannes im Osnabrücker Stadtteil Widukindland sichergestellt. Vor dem Schöffengericht zeigte sich der 39-Jährige geständig. Er gab zu, die Plantage bis zu ihrer Entdeckung zwei Jahre lang betrieben zu haben. „Ich leide seit vier Jahren an heftigen Rückenschmerzen“, begründete der Angeklagte den Drogen-Anbau. Die vom Arzt verschriebenen Schmerzmittel habe er nicht vertragen, weswegen er auf die Idee gekommen sei, die Schmerzen mit Marihuana zu behandeln. Offenbar mit Erfolg: „Sehr entspannend“ habe das Marihuana gewirkt.

Da Rauschgift auf der Straße immer teurer geworden sei und er zudem nicht habe riskieren wollen, mit Zucker oder Salz gestreckte Ware zu kaufen, habe er sich entschlossen, die Weichdroge für den Eigenbedarf selber anzubauen, berichtete der 39-Jährige.

Ob die Rückenschmerzen tatsächlich das einzige Motiv für die Plantage waren? Daran könne man sicherlich zweifeln, meinte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. „Aber wir haben keinerlei Anhaltspunkte, dass er Handel getrieben hat.“ Im Falle des 39-Jährigen mache das für die strafrechtliche Bewertung aber gar keinen großen Unterschied, da sowohl für den Besitz als auch das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge das gleiche Strafmaß von mindestens einem Jahr gelte. Auch wenn der Mann die Drogen tatsächlich nur hergestellt habe, um seine Rückenschmerzen zu lindern – „es ist trotzdem verboten“.

Dem Antrag des Staatsanwaltes folgend, verurteilte das Gericht den Mann schließlich zu der Bewährungsstrafe und erlegte ihm zusätzlich noch eine Geldauflage von 1800 Euro auf. In monatlichen Raten von 50 Euro soll der Betrag den „Ärzten ohne Grenzen“ zugute- kommen. Bei der Urteilsfindung hatte das Gericht eine frühere Verurteilung zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels berücksichtigt. Zwar sei diese Verurteilung schon zehn Jahre her, sie stehe dennoch „imponierend im Register“, so der Richter. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Schmerzen anders in den Griff kriegen“, gab er dem 39-Jährigen noch mit auf den Weg, „so geht’s jedenfalls nicht.“