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Burkhard Holst zieht Konsequenzen Vereinsvorsitzender von osradio 104,8 tritt zurück

Von Sebastian Stricker | 27.08.2014, 19:18 Uhr

Der Vorsitzende des vereinsgeführten Osnabrücker Bürgerfunksenders osradio 104,8, Burkhard Holst, ist am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das teilte sein Rechtsanwalt unserer Zeitung am Nachmittag mit.

Holst zieht damit die Konsequenzen aus einer persönlichen Betrugsaffäre, die zuletzt auch den Fortbestand der Lokalfunkstation gefährdet hatte.

Gegen den langjährigen Chef des privaten Radioveranstalters laufen seit über einem Monat strafrechtliche Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück. Holst wird des Betrugs und der Veruntreuung von Vereinsgeldern verdächtigt. Er soll sich eigenmächtig und unrechtmäßig für eine neunmonatige und inzwischen fast drei Jahre zurückliegende Interimstätigkeit als Geschäftsführer von osradio 104,8 entlohnt haben. Im Raum steht ein Schaden von 80.000 Euro. Hinters Licht geführt fühlen sich vor allem die Landesmedienanstalt und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt als wichtigste Geldgeber des Senders, außerdem der übrige Vorstand des Trägervereins. Alle drei erstatteten inzwischen Strafanzeige. Die Landesmedienanstalt leitete mangels Vertrauen in die Rechtstreue des Veranstalters zudem ein Verfahren ein, das auf den Widerruf der Zulassung zielt.

Schaden vom Sender abwenden

In einem an den Vorstand gerichteten Schreiben, das der NOZ vorliegt, teilte Burkhard Holst mit: „Da die Niedersächsische Landesmedienanstalt von meiner Person das weitere Vorgehen gegen osradio 104,8 e.V. abhängig macht und mit Lizenzentzug droht, habe ich mich entschlossen, mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als 1. Vorstandsvorsitzender von osradio 104,8 e.V. zurückzutreten.“ Unabhängig von den Vorwürfen, die „ zu Unrecht “ gegen ihn erhoben würden, müsse die Schließung des Senders verhindert werden und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter erhalten bleiben. osradio 104,8 zählt neun festangestellte und zahlreiche freie Mitarbeiter.

Holst kündigte abschließend eine „umfassende Stellungnahme“ an für den Zeitpunkt, da ihm „die erforderlichen Unterlagen“ zur Verfügung stehen. Diese seien „sämtlich beschlagnahmt worden“, wie es in dem Rücktrittsbrief heißt. Nähere Auskünfte zu kursierenden Aussagen über Durchsuchungen und Beschlagnahmungen konnte die Staatsanwaltschaft Osnabrück allerdings auch am Mittwoch nicht geben. Ein Sprecher teilte auf Anfrage lediglich mit, dass die betroffenen Parteien „sehr kooperativ“ seien, was die Herausgabe von Unterlagen an die Ermittler angehe. Das zeuge von einem „hohen Interesse an Aufklärung“, so der Sprecher.