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Bündnisse in vielen Konstellationen denkbar Interview mit Lübbersmann: Schwarz-Grün nicht ausgeschlossen

13.09.2011, 04:00 Uhr

Der berühmte Tag danach. Ein beruflicher Traum hat sich für ihn erfüllt – und dementsprechend strahlt er auch: Michael Lübbersmann (CDU), frisch gewählter Landrat des Landkreises Osnabrück, hat trotz einer anstrengenden Wahlparty sein Versprechen eingehalten, zum Interview in unser Haus zu kommen. Der künftige Chef im Kreishaus am Schölerberg gibt Auskunft über die nächsten Arbeitswochen, das Geheimnis seines deutlichen Wahlsiegs und mögliche Bündnispartner der CDU-Fraktion im Kreistag.

Herr Lübbersmann, wie lange hat denn die Wahlparty am Sonntagabend oder sogar Montagmorgen gedauert?

Das war ziemlich lange. Wir haben ausgiebig gefeiert, und auf die Uhrzeit habe ich nicht geachtet. Es war eine ganz, ganz kurze Nacht.

Aber Sie konnten noch pünktlich an Ihrem Schreibtisch im Bersenbrücker Rathaus Platz nehmen?

Ich bin natürlich ins Büro gefahren, nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass mein Sohn in die Schule gekommen ist.

Gab es in Bersenbrück einen besonderen Empfang?

Es gab viele Glückwünsche. Bis ich in meinem Büro war, ist schon einige Zeit vergangen.

Ihr Wahlergebnis von 41,3 Prozent der Stimmen muss Sie doch selbst überrascht haben. Beim Politik-Talk mit den Landratskandidaten in unserem Hause vor gut zwei Wochen haben Sie Ihr Ergebnis selbst nur auf 36 Prozent getippt…

Das Ergebnis hat mich auch sehr überrascht. Ich glaube auch, dass es alle überrascht hat. Worauf das zurückzuführen ist, ist in der Kürze der Zeit schwerlich zu analysieren. Ein Anteil dürfte aber die große Präsenz haben, die ich in der Fläche gezeigt habe. Ich habe einen sehr engagierten Wahlkampf geführt. Ich bin sehr viel bei den Menschen gewesen. Und ich glaube schließlich aber auch, dass ich inhaltlich überzeugen konnte.

Im Kreishaus wurde am Sonntagabend oft ein Vergleich aus dem Fußball herangezogen. „Am Ende gewinnen immer die Deutschen“, hatte mal der Engländer Gary Lineker gesagt. In Anlehnung dazu: „Die CDU kann machen was sie will, am Ende gewinnt sie trotzdem.“ Ist an diesem Spruch etwas dran?

Ich glaube schon, dass wir gewonnen haben, weil wir einen engagierten Wahlkampf geführt haben. Ich glaube auch, dass wir die Menschen davon überzeugt haben, dass die CDU in den vergangenen Jahrzehnten eine wirklich erfolgreiche Arbeit geleistet hat. Wir haben zum Beispiel im Energie- oder Bildungsbereich sehr frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt.

Die CDU-Querelen in den vergangenen Monaten haben keine Rolle gespielt?

Wir haben zur Geschlossenheit zurückgefunden und sind mit einem neuen Team angetreten.

Wir wollen dennoch etwas den Finger in die Wunde legen – Beispiele Ankum und Bad Laer. Zwei Gemeinden, die bislang in den Gemeinderäten klar CDU-dominiert waren. Dort haben wir jetzt klare Mehrheiten für unabhängige Wählergemeinschaften. Wie erklären Sie sich das?

In beiden Fällen handelt es sich um hausgemachte Probleme, um wirkliche klassische örtliche Probleme. Möglicherweise hat man in dem einen oder anderen Fall zu wenig auf die Stimmungen vor Ort gehört.

In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, wer den Vorsitz in der neuen CDU-Kreistagsfraktion übernehmen soll. Wer kommt nach Ihrer Meinung dafür am ehesten infrage?

Sie werden verstehen, wenn ich hier keine Namen handele. Ich bin auch ganz sicher, dass das sehr demokratisch in der Fraktion entschieden wird.

Dann handeln wir mal mit Namen: Schon vor der Kommunalwahl sind immer wieder zwei Namen genannt worden, Bernward Abing aus Neuenkirchen und Frank Hünefeld aus Bad Essen. Gehören die beiden zum Kreis der möglichen Vorsitzenden?

Das sind auf jeden Fall zwei Kandidaten für den Vorsitz. Aber der Kreis kann auch noch weiter werden.

Angesichts möglicher knapper Mehrheiten werden Sie selbst doch sicher Interesse an einer starken Führungspersönlichkeit haben. Wenn Sie keine Namen nennen wollen, verraten Sie uns dann wenigstens, wie viele Kandidaten für den Vorsitz infrage kommen?

Ich glaube, dass man die Entscheidung über den Fraktionsvorsitzenden nach inhaltlichen Gesichtspunkten treffen muss. Die Rolle eines Fraktionsvorsitzenden muss hinterfragt werden. Er ist der erste Diener der Fraktion.

Wann wird feststehen, wer der Chef im Ring der CDU-Fraktion wird?

Da gebe ich keine Prognose ab.

Wie sieht es denn in Sachen Mehrheitsgruppe im Kreistag aus? Hat die CDU-Fraktion neben einer möglichen Zusammenarbeit mit der FDP und UWG noch weitere Optionen, um wieder die absolute Mehrheit im Kreistag sicherzustellen?

Bei der Entscheidung darüber, wie die Politik in den nächsten Jahren aussehen soll, müssen wir auf kommunaler Ebene deutlich stärker inhaltlich orientiert sein. Das muss den Ausschlag darüber geben, mit wem man am Ende zusammenarbeitet. Wir müssen mit allen reden.

Aus Ihrer persönlichen Sicht müsste ja eigentlich ein schwarz-grünes Bündnis wünschenswert sein. Sie sind ja bekannt dafür, dass Sie kein glühender Anhänger des A-33-Lückenschlusses sind. Da stehen Sie den Grünen näher. Ist ein schwarz-grünes Bündnis im Kreistag denkbar?

Bündnisse sind für mich in vielen Konstellationen denkbar. Wir werden am Ende über die inhaltliche Seite entscheiden.

Und da gehört der Lückenschluss zur Verhandlungsmasse?

Die Grünen haben von sich aus ja festgelegt, dass der Lückenschluss ein ganz zentraler Aspekt für sie ist.

Darüber wird dann gesprochen?

Das ist denkbar.

In einem Gespräch mit Ihnen war Anfang August die Rede davon, dass unter einem Landrat Lübbersmann im Kreishaus endlich auch wieder die inhaltliche Arbeit im Vordergrund stehen wird. Können Sie das konkretisieren?

Ich habe eine Reihe inhaltlicher Schwerpunkte. Eines der zentralen Themen ist für mich die Bildungsarbeit. Aus der Arbeit, die ich in Bersenbrück gemacht habe, können wir vieles auf den Kreis übertragen.

Wie sehen nun eigentlich Ihre Arbeitswochen als Samtgemeindebürgermeister bis zum Amtsantritt als Landrat am 1. November aus?

Wir haben in der Samtgemeinde Bersenbrück noch einige Dinge zu heben. Wir haben noch zwei Ratssitzungen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Ich werde bis zum 31. Oktober mein volles Engagement in der Samtgemeinde Bersenbrück einbringen. Aber ich habe meiner Frau versprochen, dass wir auf jeden Fall noch eine Woche in den Herbstferien Urlaub machen.

Ihre Amtszeit endet ja 2019, wenn Sie 58 Jahre alt sind. Können Sie sich heute schon vorstellen, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren? Ihr Vorgänger Manfred Hugo hat ja selbst bewiesen, dass man auch mit 69 noch das Amt des Landrats ausüben kann, und die Bundesregierung überlegt, das Rentenalter auf 69 anzuheben…

Es ist doch viel zu früh, an eine zweite Amtszeit zu denken.