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Brasilien - Deutschland Public Viewing in Lagerhalle, Planeta Sol und Neumarkt

09.07.2014, 02:49 Uhr

War das ein Fest. Beim Public Viewing am Dienstagabend in Osnabrück war alles ganz anders. Dass die Deutschen gleich in der ersten Halbzeit mit einer solchen Trefferserie in Führung gehen würden, hatte vor dem Anpfiff des Halbfinalspiels gegen das Gastgeberland niemand erwartet.

Umso lauter wurde dann etwa in der Lagerhalle von Tor zu Tor der Jubel, als die Deutschen in dem Spiel gegen den fünffachen Fußball-Weltmeister Brasilien ihre „unglaubliche“ Trefferserie versenkten. Bereits in der Halbzeitpause waren überall in der Altstadt „Deutschland, Deutschland“- und „Finale“-Gesänge zu hören. Dass in der Pause bei einer Veranstaltung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) im Hotel Remarque ein Feuerwerk abgebrannt wurde, bildete die passende Untermalung. Das Feuerwerk war bewusst in der Halbzeitpause angesetzt. Dass es einen solchen Torestand untermalen würde, wusste natürlich vorher niemand.

B ilder vom Public Viewing im Anyway

B ilder vom Public Viewing im Alando

Am Dienstagabend standen sich rund um das Heger Tor die Fanblöcke gegenüber. Anders als im Stadion von Belo Horizonte waren dabei allerdings nicht die Fans in den gelben Trikots, sondern die in den deutschen Nationalfarben eindeutig in der Überzahl. So wurde das Spiel in dem brasilianischen Lokal Planeta Sol im Gebäude des Volkshochschule von zahlreiche Brasilianern und Anhängern des brasilianischen Teams verfolgt. Zwei Leinwände im Inneren und ein Fernsehschirm im Außenbereich waren dort aufgebaut, auf denen alle Spiele der deutschen und der brasilianischen Nationalmannschaft übertragen wurden. Die Lagerhalle und andere Lokale wie die Joe Enochs Sportsbar oder die Zwiebel in der Altstadt hatten dagegen die deutschen Fans fest im Griff.

Während die Fans in Schwarz-Rot-Gold in der Halbzeitpause bereits siegessicher waren, herrschte im Planeta Sol gedrückte Stimmung. Einige Brasilien-Fans hatten nach Angaben einer Zuschauerin bereits ihre gelb-grünen Trikots gegen schwarz-rot-goldene getauscht. Eine junge Frau, die von Kopf bis Fuß in die Nationalfarben ihres Landes gehüllte war, zeigte sich dann auch ziemlich enttäuscht. Die Frage, ob es das brasilianische Nationalteam noch schaffen würde, in dem Spiel das Ruder herumzureißen, beantwortete sie ziemlich hoffnungslos. „Vielleicht in vier Jahren“, meinte sie. Ein Mitarbeiter der Bar, der vor dem Anpfiff noch auf 2:1 für Brasilien getippt hatte, winkte nur noch ab und wollte den Spielverlauf nicht weiter kommentieren.

In der Lagerhalle mussten die Ergebnisprognosen dagegen immer weiter nach oben korrigiert werden. Peter Hanfeld, der das Spiel dort mit einigen Freunden verfolgte, hatte vor dem Anpfiff nur vorsichtig auf einen Sieg für Deutschland getippt. „Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder 1:0 oder etwas mit einem ganz deutlichen Torevorsprung. Dass es aber solch eine Trefferserie geben würde, damit hätte ich niemals gerechnet“, meinte er. Als das 1:0 fiel, herrschte großer Jubel in dem Kulturzentrum am Rande der Altstadt. Bei den weiteren Treffern beseelte die Fans zunächst ungläubiges Staunen, schließlich gerieten sie komplett aus dem Häuschen und stimmten bereits nach dem 3:0 die ersten „Finale“-Chöre an – wenn auch noch zaghaft.

Die deutschen Spiele werden in der Lagerhalle im Saal, in der Kneipe und im Hof auf insgesamt sechs Leinwänden und Fernsehschirmen gezeigt: Es gibt Fußball in allen Blickrichtungen, es herrscht immer eine heiße Stimmung. Auch Katja Hilgner und ihr Sohn Mats (11), die das Spiel mit Hilgners Partner und dessen Sohn in der Lagerhalle verfolgten, hatten vor dem Spiel nicht mit einem solchen Endstand gerechnet. „Wir hoffen, dass es 2:1 für Deutschland ausgeht“, meinten Mutter und Sohn, die bisher die meisten Spiele der Fußball-WM irgendwo beim Public Viewing verfolgt haben. „Wir waren auch schon zweimal am Büdchen, aber heute sind wir wegen des schlechten Wetters hier“, sagte Katja Hilgner. Für Mats war es die erste Fußball-WM, bei der er so richtig dabei war. Keine Frage, dass ihm das Public Viewing gefallen hat. „Es ist super, wenn ein Tor fällt und alle jubeln“, meinte er.

Als schließlich nach dem Abpfiff das 7:1 für Deutschland feststand, brachen in der Innenstadt der wohl bisher größte Fan-Jubel und das bisher wohl lauteste und anhaltendste Hupkonzert aus. Viele mit Fans besetzte Autos, aus denen Fahnen geschwenkt wurden, umkreisten den Wallring und gaben lautstark ihrer Freude Ausdruck. Auch der Neumarkt war wieder in der Hand der Fans. Von mehreren umliegenden Public-Viewing-Veranstaltungen strömten Fußball-Anhänger herbei und führten Freudentänze auf. Auch in der Altstadt wurde nach dem Abpfiff noch lautstark gefeiert, dass sich die Deutschen bei der Fußball-WM den Fahrschein ins Endspiel gesichert haben.