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Blues für die Gute Stube Sydney Ellis bei der Blue Monday Jam in Concert 2015

Von Ralf Döring | 29.12.2015, 14:33 Uhr

Einen charismatischen Stargast hat Kai Strauss in diesem Jahr für die Spezialausgabe der Blue Monday Jam verpflichtet: Die Sängerin Sydney Ellis. Zusammen mit ihrem Mann, dem Bassisten Doc Ellis, ihrem Gitarristen Andreas Diehlmann und der Blue Jam Hausband hat sie an die 450 Zuhörerinnen und Zuhörer begeistert.

Es ist offenbar mehr als ein Mythos. Wenn die Blues Company drei Abende lang das Blue Note füllt und tags darauf bei der Feiertags-Spezialausgabe der Blue Monday Jam die Lagerhalle rappelvoll ist, spricht doch einiges dafür, dass der Blues in Osnabrück in fruchtbarem Boden wurzelt. Das Publikum bekommt allerdings auch einiges geboten: Zwei Handvoll Musiker machen vier Stunden Programm; im Zentrum steht aber eine Frau: Sydney Ellis betritt exakt um 22 Uhr die Bühne. Da ist die Stimmung schon ziemlich ausgelassen. Weiterlesen: Der Vorbericht zur Blue Monday Jam in Concert. 

Jimmy Reiter lässt die guten Zeiten rollen

Daran hat Jimmy Reiter als ihr unmittelbarer Vorgänger einen gewissen Anteil. Er lässt die guten Zeiten einfach rollen, zeigt dabei gleichzeitig, wie gut es der Blues verträgt, wenn das Drei-Akkorde-Schema mal um ein paar harmonische Wendungen erweitert wird. Die gute alte Power-Variante schließt sich an Ellis‘ Auftritt an: Da werfen The Özdemirs, zunächst als Trio, und dann als Begleitband von Memo Gonzales, die Turbinen an und erzeugen Starkstrom. Weiterlesen: Die neue CD von Jimmy Reiter. 

Dazwischen führt Sydney Ellis den Blues in die gute Stube. Sie singt mit fülliger Stimme, ist aber nicht die Shouterin, die sich Schmerzen von der Seele singen muss. Nein, in ihrer Musik stecken viel positive Lebensenergie und viel Abwechslung – deshalb animiert sie auch ihre Musiker zu einem dynamischen Spiel. Das lässt sich mit einer Sessionband allerdings nur schwer realisieren, weshalb sie zwei Musiker aus ihrer eigenen Band mit in die Lagerhalle gebracht hat. Ehemann und Bassist Doc Ellis legt dabei die verlässliche Basis, Gitarrist Andreas Diehlmann setzt rockige Akzente. Aber auch die Hausband zieht engagiert mit: Gitarrist Rainer Achterhold ist der lyrische Gegenentwurf zu Diehlmann, später dreht Kai Strauss ordentlich auf. An den Tasten erspielt sich Moritz Fuhrhop das Wohlwollen der Blues-Dame mit bezaubernd süßen Terzen zum langsamen Zwölf-Achtel-Blues und mit rauen Riffs beim Boogie. Andre Werkmeister schließlich sorgt am Schlagzeug fürs metrische Rückgrat.

Die altbekannten Geschichten

Die Fäden zieht aber Sydney Ellis. Sie teilt die Soli zu, lobt mit einem „That‘s sweet“, zeigt mit einer kreisenden Handbewegung an, dass der Song in die Zielgerade einbiegt, gibt den nächsten Song mit knappen Worten an: „Rollin and Tumblin in G“, sagt sie, und weil Werkmeister den Blues-Klassiker etwas zu gemächlich angeht, treibt sie, bis er die gewünschte Drehzahl erreicht hat. Dabei wiegt sie mit der perfekten Mischung aus Pep und Eleganz die Hüften, und ihre dunkle Altstimme verleiht den altbekannten Geschichten um Liebe und Leben Seele und Authentizität. Extrem agil hört sich das an; man mag es kaum fassen, dass diese energiegeladene Bühnenfigur schon 68 Jahre alt sein soll. Ein würdiger Höhepunkt für die letzte Blue Monday Jam des Jahres 2015.