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Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg „Mulmig war uns schon“: Jungs aus Osnabrück finden Granate

Von Sven Kienscherf | 23.07.2015, 15:35 Uhr

Eigentlich wollten die vier Jungs am Mittwochabend nur mit Wasserbomben spielen. Gefunden haben sie dabei eine englische Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Etwas mulmig sei ihnen dabei schon geworden, berichten sie.

Die Sommerferien haben kaum begonnen, da haben die vier Jungs aus Osnabrück schon ihr erstes Abenteuer erlebt. Es wird schwierig werden, das im Laufe der nächsten sechs Wochen zu toppen. Die Freunde gehen auf das Ratsgymnasium und die Integrierte Gesamtschule Osnabrück.

Auf dem Gelände der Baustelle an der Ecke Sedanstraße/Barbarastraße, vor der neuen Bibliothek, haben sie eine englische Granate aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Das Ding lag unten an einem Schuttberg, auf dem die vier Pause gemacht haben, nachdem sie sich mit Wasserbomben beworfen hatten.

Rillen wie auf einem Schildkrötenpanzer

Benno Bals (12) hatte die Granate als erster in der Hand. Zunächst dachte er, es sei ein Stein. Nach eingehender Prüfung kam den Jungs das Ding komisch vor, wie Vincent Roloff (13) berichtet: „Auf einer Seite hat man die Rillen gesehen, wie auf einem Schildkrötenpanzer.“ Da war klar: Es ist eine Handgranate.

Die vier waren sich nicht so ganz sicher, wohin mit dem Teil. Sie nahmen es zunächst mit. Benno rief seine Mutter an. „Die hat sofort gesagt, legt das Ding hin“, erzählt Benno. Da hatten die vier schon die Sedanstraße überquert. Sie legten die Granate vorsichtig auf den Bürgersteig. „Da war zu der Zeit niemand unterwegs“, sagt Benno. (Weiterlesen: Junge findet Panzerpatrone im Fluss und nimmt sie mit) 

Gelände weiträumig abgesperrt

Wenig später traf seine Mutter ein, die sofort die Polizei verständigte. Erst kam ein Streifenwagen, dann die Feuerwehr, dann der Kampfmittelräumdienst aus Hannover. Am Ende war das Gelände in einem Radius von 300 Metern abgesperrt.

„Bis um 22 Uhr waren wir noch da“, berichtet Benno. „Da war klar, dass die Granate abtransportiert wird.“ Die Waffe wurde am Donnerstagvormittag vom Kampfmittelräumdienst kontrolliert gesprengt.

Rückblickend wird den Jungs doch etwas anders, wenn sie daran denken, dass die Granate hätte losgehen können. „Mulmig war uns schon. Man weiß ja aus dem Fernsehen, wie gefährlich die sind“, sagt Vincent. Darüber was alles hätte passieren können, hätten sie sich aber erst im Nachhinein richtig Gedanken gemacht.

Großes Glück gehabt

Nach Ansicht von Experten hatten die Jungs großes Glück, dass nichts Schlimmes passiert ist. Für Donnerstagabend haben die Freunde sich jedenfalls etwas weniger Aufregendes für ihr Ferienprogramm überlegt. „Wahrscheinlich gehen wir ins Kino“, sagt Joscha Albert.

Nach Angaben der Stadt ist es sehr selten, dass Infanteriekampfmittel wie Handgranaten in Osnabrück gefunden werden. Ein Mitarbeiter erinnere sich an einen einzigen Fall, der aber schon Jahre zurückliege, so Pressesprecher Sven Jürgensen. Beim Einmarsch der Alliierten hätten nur wenig Kampfhandlungen der Fußtruppen stattgefunden. Die Stadt prüft, ob das Baustellengelände erneut auf Blindgänger abgesucht werden muss.