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Bitte nicht rauchen, Herr Major! Annelies Vanlaere entwirft das Bühnenbild zu Lessings „Minna“

Von Daniel Benedict | 15.09.2011, 14:41 Uhr

Morgen irrt Lessings Major von Tellheim im Theater am Domhof durch einen Wald aus Vorhängen. Das Bühnenbild für Frank Abts Inszenierung der „Minna von Barnhelm“ stammt von der Flämin Annelies Vanlaere.

Ob Minna ein Pfeifchen schmecken würde? Klingt nach einer Nebensache. Klären mussten die Bühnenbildnerin und der Regisseur es trotzdem, und das früh. Heute, am Tag vor der Premiere, ließen sich jedenfalls keine Pfeifen-Minna und kein Zigarren-Major mehr in den Lessing-Abend inszenieren. „Der Teppich wurde imprägniert, aber zwischen den Vorhängen kann man nicht mit Feuer arbeiten“, sagt Vanlaere. Und aus Vorhängen besteht ihr Bühnenbild fast ausschließlich.

Wer am Theater die Ausstattung macht, muss beides im Kopf behalten: den künstlerischen Entwurf und die praktischen Notwendigkeiten. Das Haus nicht in Schutt und Asche zu legen ist die wichtigste darunter. Gleich danach kommen die Kosten. Vanlaeres Konzept klingt erst mal nicht teuer: Auf Requisiten verzichtet sie. Beim Kostüm genügen ihr Jeans und behutsame historische Andeutungen: ein Reifrock, glänzende Galonstreifen an der Hosennaht. Und dann gibt es eben die Stoffbahnen: zusammengeflickte, fadenscheinige, düstere Vorhänge. „Man merkt es nicht, aber die sind schwer zu bekommen. Kein normaler Mensch braucht schwarze Gardinen“, sagt die 35-Jährige. „Man kann weiße kaufen und einfärben. Die billigsten sind aber aus Polyester, und das nimmt die Farbe nicht an.“

Abgesehen von solchen Erwägungen muss die Bühnenbildnerin natürlich noch Kunst machen. Gemeinsam mit dem Regisseur erarbeitet sie einen Zugang zum Stück und schafft die Bilder dazu. Was war ihr Ansatz fürs Lustspiel? „Wir wollten weg vom Thema Krieg und in die Figur des Majors“, sagt sie. Den verarmten Soldaten, der seiner eigenen Braut nicht würdig zu sein glaubt, sehen Vanlaere und Abt als Weltverweigerer, der sich in sein Innenleben zurückzieht. „Das kann man mit den Stoffbahnen gut machen: Wir ziehen sie einfach immer enger um Oliver Meskendahl, den Major. Am Ende ist es ein Käfig aus Gardinen. Und je kleiner sein Raum wird, desto mehr versuchen die anderen Figuren, ihn da raus und wieder ins Spiel zu holen.“

Die Arbeit zwischen Bühnenbild und Regie ist so eng, dass beide oft feste Gespanne bilden. Auch Abt und Vanlaere haben mehrere gemeinsame Stücke hinter sich, zum Beispiel die Spieltriebe-Produktion „Wenn die Sonne immer noch so schön scheint“. Eine weitere Osnabrücker Arbeit hat Vanlaere schon in Angriff genommen: „Pension Schöller“ im Emma-Theater. Zum Bühnenbild gekommen ist die Belgierin als Seiteneinsteigerin. Studiert hat sie Kostüm in Antwerpen; als „Costumedesigner“ firmiert sie auf ihrer Homepage, wo sie Arbeiten für die Komische Oper Berlin vorstellt, für das Schauspielhaus Graz, das Thalia, für Bremen und München. Als bei einer dieser Stationen die Bühnenbildnerin schwanger wurde, hat Vanlaere die Aufgabe übernommen – und sich mehr und mehr eingearbeitet.

Schlussfrage vor der Premiere: Auf welchen Einfall sollen die Zuschauer besonders achten? Vanlaere: „Vor dem dritten Akt lösen sich die Räume auf, und die Stoffbahnen werden zum Wald-Labyrinth. Das, zusammen mit der Musik, ist ein wirklich schöner Moment.“