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Bewegendes Programm im Dom Osnabrück: Tanzen ist Beten

Von Carolin Hlawatsch | 10.11.2011, 17:44 Uhr

„Beten nebenan“ heißt das Programm, das die Gebetsschule der Osnabrücker Domgemeinde während des Novembers veranstaltet. Am Mittwochabend ging es im Dom um den Zusammenhang von Beten und Tanzen.

„Tanzen ist eine Sprache, die besser zu verstehen ist als manche Worte, eine Sprache, die unsere Kirche wieder sucht“, richtete sich Dompfarrer Ulrich Beckwermert an die zahlreichen Besucher, die dem Glockenläuten folgten und die Platzreihen im Dom St. Petrus füllten.

Gespannt reckten sie die Köpfe, als nach der Orgelmusik plötzlich Tangorhythmen durch das Kirchenschiff hallen. Ballettschulleiterin und Tanzpädagogin Bettina Escaño Papoli-Barawati sowie die Tanzschulleiter Michael Hull und Charles Watkins stellten die Dreifaltigkeit in einem Tango Argentino dar, bewegten sich anmutig durch den Mittelgang auf den Altar zu.

Im folgenden Psalm 23 übertrugen die drei Künstler den biblischen Text, gelesen vom Dompfarrer, auf den Sinn von Tanz und Musik. Im Wechsel von Tanzeinlagen und Gebet erfuhr das Publikum von der jüdisch-christlichen Tradition des Tanzes, bei der es um den Tanz Davids während der Überführung der Bundeslade in den Tempel geht. So wie sein Tanz auf die Größe Gottes verwies, so tanzten laut Beckwermerts Worten „die Künstler für Gott, stellvertretend für uns alle“.

13 Tänzerinnen der Ballettschule Bettina Escaño Papoli-Barawati traten vor den Altar. In hellblauen Tüllkleidern, durch die die im Hintergrund erleuchteten Kerzen schimmerten, tanzten sie neo-klassisches Ballett zum Psalm 30 und zur Serenade von Tschaikowsky. Das Reiben der Ballettschuhe auf dem Steinboden war in leisen Musikpassagen durch die Stille des andächtigen Publikums zu hören. Spätestens als das Bonner Tanzensemble seine Choreografie zu poppigen Klängen präsentierte und danach der Segen für Musiker und Tänzer ausgesprochen wurde, war das Bild vom starren Beten durchbrochen.

Es wurde klar, dass auch Tanz eine Form des Gebets sein kann. Unter Beifall zogen alle Tänzer hinter Pfarrer Beckwermert durch den Mittelgang vorbei an den Zuschauern, ernteten anerkennende Blicke und resümierten anschließend im Domforum über die außergewöhnliche Veranstaltung.

Weitere Ausdrucksformen des Betens werden im „Beten nebenan“-Programm am 17. November um 19.30 Uhr im Domforum („Küssen ist Beten“) und am 24. November im Saal der Pernickelmühle („Malen ist Beten“) thematisiert.