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Bewährungsstrafe verhängt Gericht in Osnabrück bewahrt 28-jährigen Lingener vor Haft

Von Horst Troiza | 29.07.2012, 12:04 Uhr

Mit einer großen Portion Glück hat ein 28-Jähriger aus Lingen eine Haftstrafe abwenden können. Das Landgericht Osnabrück ließ eine Anklage wegen Handels mit Betäubungsmitteln fallen und verurteilte ihn wegen unerlaubten Besitzes von Marihuana zu sechs Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Im Februar des vergangenen Jahres war ein Bekannter des Angeklagten aus den Niederlanden kommend bei Nordhorn von der Bundespolizei gestoppt worden. In seinem Fahrzeug wurde Marihuana gefunden und bei der folgenden Vernehmung hatte der junge Mann zugegeben, auch in seiner Wohnung in Lingen über eine geringe Menge der Weichdroge zu verfügen. Bei der daraufhin angeordneten Durchsuchung waren dort 14 Gramm Cannabis und zwei Gramm Haschisch gefunden worden.

Auf die Frage nach deren Herkunft hatte der Verdächtige den Namen des Angeklagten genannt. In dessen Wohnung in der Hanfstraße wurden dann 39 Gramm Marihuana sichergestellt. Ein Teil davon befand sich in einer Plastikbox mit der Aufschrift „Eigenbedarf“, ein weiterer in mehreren kleinen Klemmtütchen. Die Ermittlungsbehörden gingen deshalb von gewerbsmäßigem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln.

„Drogenkarriere“

Das Amtsgericht Lingen verhängte im Dezember 2011 eine Haftstrafe von sechs Monaten gegen den Angeklagten, die wegen seiner kriminellen Vorgeschichte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurden. Ursache dafür war seine „Drogenkarriere“, die im Alter von 14 Jahren mit Weichdrogen begonnen und ab dem 18. Lebensjahr mit Heroin weiter geführt worden war. Was darauf folgte, war ein gutes Dutzend von Fällen der Beschaffungskriminalität wie Diebstähle und die Einfuhr und der Verkauf von Drogen. Fast drei Jahre hatte der Lingener deshalb im Gefängnis zubringen müssen. Noch heute steht er wegen einer anderen Verurteilung unter Bewährungsauflagen.

Ab 2010 schwor er der Droge ab und wird seitdem substituiert. Er heiratete, wurde Vater und fand Arbeit in einem Verbrauchermarkt.

Die Befragung des ehemaligen Bekannten des Angeklagten, der ihn bei der Polizei als Verkäufer des bei ihm aufgefunden Marihuanas angegeben hatte, erwies sich als ergebnislos. Als die Kammervorsitzende und der Staatsanwalt ihn mit seiner früheren Aussage konfrontierten, war er sich seiner Sache nicht mehr so sicher. „Es kann sein, dass ich nur einen Teil der Menge von ihm habe“. Auf Anregung des Staatsanwalts ließ daraufhin das Gericht den Vorwurf des Handeltreibens mit Drogen fallen.

Übrig blieb der Straftatbestand des Besitzes von Marihuana. Die Kammer blieb in ihrem Urteil bei der in Lingen verhängten Höhe von sechs Monaten Haft, setzte sie aber zu einer fünf Jahre dauernden Bewährung aus.