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Betriebsversammlung Mitarbeiter des Klinikums Osnabrück ziehen mit

Von Wilfried Hinrichs | 19.02.2014, 22:29 Uhr

Wenn das Klima in einer Betriebsversammlung Rückschlüsse zulässt auf die Lage eines Unternehmens, dann gilt seit gestern Abend für das Klinikum: Die Mitarbeiter sind bereit, an der Sanierung mitzuarbeiten. Ob sie dafür auch auf Geld verzichten würden, steht auf einem anderen Blatt.

Weit über 500 Mitarbeiter nahmen an der Betriebsversammlung in der Osnabrückhalle teil. Wohl doppelt so viel wie in den Vorjahren, wie die Betriebsratsvorsitzende Angelika Simon anschleißend sagte. Als der Termin festgelegt wurde, konnte keiner ahnen, dass es in dieser Versammlung um das Minus von 23 Millionen in 2013, die Trennung von zwei Geschäftsführern und einen harten Sanierungsweg gehen würde. Die Medien waren zur Versammlung nicht zugelassen.

„Ruhig und sehr informativ“ sei die Veranstaltung gewesen, sagte ein Teilnehmer im Rausgehen. Fast wortgleich das Fazit der Betriebsratsvorsitzenden: „Mein Eindruck ist, dass die Mitarbeiter sich gut informiert und mitgenommen fühlen.“ Die Atmosphäre sei ruhig und auf die Sache konzentriert gewesen. „Ich habe in den Augen der Mitarbeiter gesehen, dass es eine hohe Bereitschaft gibt, sich in den Sanierungsprozess einzubringen und den Weg mitzugehen.“

Werden sich die Mitarbeiter auch mit Geld einbringen müssen? Aufsichtsratsvorsitzender Michael Hagedorn wiederholte im Pressegespräch seine Aussagen aus der Versammlung: „Man kann es nicht ausschließen.“ Im Mai werde das Gesamtkonzept vorliegen, dann wisse man mehr. Dieter Hölscher, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, sagte, es sei in der Versammlung noch einmal dargelegt worden, welchen finanziellen Beitrag die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren geleistet hätten. Ob die Bereitschaft damit aufgebraucht ist, ließ er offen.

Die zentrale Figur im Sanierungskonzept ist der neue Allein-Geschäftsführer Fans Blok. Er hat das Projekt „Kos-Work“ aufgelegt, mit dessen Hilfe das Klinikum ab 2016 im operativen Geschäft wieder schwarze Zahlen schreiben soll. In Workshops soll gemeinsam mit den Mitarbeitern nach Möglichkeiten gesucht werden, die Arbeit effektiver zu gestalten. „Frans Blok genießt das Vertrauen der Belegschaft, das ist heute Abend deutlich geworden“, sagte Betriebsratsvorsitzende Simon. Die Botschaft, dass Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Betriebsrat die größtmögliche Transparenz und Offenheit wollten, sei angekommen.

Einen wesentlichen Beitrag zur sachlich-informativen Grundstimmung leistete auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Er sicherte den Mitarbeitern zu, dass die Stadt zum Klinikum stehe und ein Verkauf nicht in Betracht komme. Auch betriebsbedingte Kündigungen schloss er aus.

Unabhängig von der Betriebsversammlung haben sich die Grünen zu Wort gemeldet und mit Blick auf Äußerungen von CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde „mehr Redlichkeit“ in der Debatte um die Finanz-Probleme des Klinikums gefordert. „Fakt ist, dass im Februar des Jahres 2011 der Rat den Beschluss zum Kauf der Diakoniekrankenhäuser in Dissen und Georgsmarienhütte mit Zustimmung aller Fraktionen, auch der CDU, nahezu einstimmig gefasst hat“, heißt es in einer Erklärung.

Weder von der damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Irene Thiel (CDU), ihrem Fraktionsvorsitzenden Brickwedde und auch nicht von der FDP seien kritische Hinweise oder gar Warnungen erfolgt. In Kenntnis der tatsächlichen Entwicklung bei der Krankenhausunterfinanzierung und der Nichtentscheidung des Landes Niedersachsen über die Zukunft der Klinikum-Tochter in Dissen würde sicher niemand diese Entscheidung heute wieder so treffen, so die Grünen. Damals seien aber alle Fraktionen und Aufsichtsratsmitglieder ebenso wie der damalige Oberbürgermeister Pistorius und der Stadtkämmerer Baier von der Richtigkeit des Kaufs überzeugt gewesen.