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Bescherung aus der Garage Großer Andrang am Heiligen Abend in der Wärmestube Osnabrück

24.12.2014, 22:06 Uhr

Großer Andrang herrschte auch dieses Jahr wieder am Heiligen Abend in der Osnabrücker Wärmestube: Bei der Weihnachtsfeier für Wohnungslose und andere Bedürftige, die jedes Jahr abends am 24. Dezember in der Hilfsstelle an der Bramscher Straße ausgerichtet wird, waren diesmal etwa 300 Gäste dabei.

Weitere 150 Menschen hatten sich bloß die kleinen Geschenke abgeholt, die dabei jeweils an die Teilnehmer ausgegeben werden.

Die Weihnachtsfeier begann wieder mit einem Gottesdienst draußen auf dem Vorhof der Hilfsstelle. Anschließend gab es die Bescherung, bei der Plastiktüten mit kleinen Aufmerksamkeiten (Süßigkeiten, Obst, Hygieneartikel, Socken oder Schals, für Kinder mit Spielzeug) aus einer Garage verteilt wurden. Danach fand die eigentliche Weihnachtsfeier im Speisesaal des früher als Kloster genutzten Gebäudes und in einem eigens wegen des großen Menschenandrangs angebauten Festzelt statt.

Bei der Feier wurden „Stille Nacht“, Oh, Tannenbaum “ und andere Weihnachtslieder gesungen, Schwester Mirja vom Team der Wärmestube las eine Geschichte vor und Claudia Pohl, die zu den Gästen der Hilfsstelle gehört, trug ein Gedicht vor. Zu den Teilnehmern gehörten erneut Bischof Franz-Josef Bode und Generalvikar Theo Paul. Nachdem Paul zunächst den Gottesdienst zum Auftakt geleitet hatte, kam Bode dazu, der vor dem Essen ein Grußwort an die Gäste richtete. „Wir sind hier in schöner Runde zusammengekommen, um Weihnachten zu feiern. Darüber freue ich mich“, meinte er.

Der Bischof sprach den über 40 ehrenamtlichen Helfern, die diesmal seit dem Vormittag zum Gelingen der Weihnachtsfeier beigetragen hatten, seinen Dank aus. „Diesmal ist wirklich eine ganze Phalanx von Ehrenamtlichen hier vertreten. Ich glaube, dass sich der Papst sehr freuen würde, wenn er hier wäre und sofort mithelfen würde“, meinte Bode. Diakon Jochen Meyer, der Leiter der Hilfsstelle für Wohnungslose, hatte zuvor daran erinnert, dass gerade am Petersdom in Rom eine Essensausgabestelle für Bedürftige eingerichtet wird.

Der Bischof war zum 19. Mal bei der Feier dabei. Bode und Paul verbringen den Heiligen Abend traditionell gemeinsam zunächst in der Wärmestube. Auch dieses Jahr beteiligten sie sich danach noch am Weihnachtsabend im Laurentiushaus, einem Wohnheim für frühere Wohnungslose an der Berghoffstraße.

Zu den ehrenamtlichen Helfern, die sich am Heiligen Abend in der Wärmestube engagiert haben, gehörte Mechthild Herkenhoff. Sie bringt sich bereits seit 15 Jahren am Heiligen Abend in der Hilfsstelle ein. Diesmal war sie seit dem späten nachmittag dabei, hat Tische im Festzelt eingedeckt, neuen Helfern ihre Aufgaben erklärt, das Essen serviert, hinterher abgeräumt und abgewaschen. „Für mich steht dabei der Gedanke der Nächstenliebe im Vordergrund, der mich mehr erfüllt, als irgendwo unter einem Baum mit Geschenken zu sitzen. Hier ist für mich das eigentliche Weihnachten, weil hier alle willkommen sind, egal welcher Weltanschauung, wie sie aussehen oder woher sie kommen“, meinte sie.

Zu den Gästen der Feier gehörte Tatjana Wiegand (48), die regelmäßig die Wärmestube besucht. „Ich komme am Heiligen Abend schon seit vielen Jahren gerne hierher. Ich freue mich drauf, an diesem Abend die anderen Gäste zu treffen und mich schön mit ihnen unterhalten zu können. Dass wir Lieder singen und richtig feiern, ist mir wichtig“, meinte die Frau.

Für Wolfgang H. Butschkau war es ein ganz besonderer Tag: Er hat am 24. Dezember Geburtstag – diesmal war es sein 70 Ehrentag. „Ich komme seit 1995 jedes Jahr am Heiligen Abend hierher, weil ich alleinstehend bin. Ich finde, dass es den Schwestern und den Diakon immer sehr gut gelingt, den Abend zu gestalten – für mich ist es eine ganz einzigartige Feier“, sagte der Mann, der nach eigenen Angaben als Ingenieur arbeitet.