Ein Artikel der Redaktion

Beratung im Umweltausschuss Kann Petition die Osnabrücker Neumarkt-Bäume retten?

Von Sebastian Stricker | 26.05.2016, 08:31 Uhr

2225 Menschen haben im Winter eine Petition zur Rettung der Bäume am Neumarkt unterschrieben, davon 1554 Bürger aus Ob die Stadt sich davon beeindrucken und die Kettensäge bei der Platzgestaltung stecken lässt, zeigt sich am 2. Juni im Umweltausschuss.

Dass ihre Petition es überhaupt in die politische Beratung gebracht hat, erfüllt Initiatorin Saskia Hunte mit Stolz. „Ich fühle mich mit meinem Anliegen ernstgenommen“, sagt die 39-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Die große Anzahl der von Mitte Dezember bis Mitte Februar gesammelten Unterschriften sei ein deutlicher Beleg dafür, wie viel den Menschen am Stadtgrün liege. Erst recht an einer so zentralen Stelle wie dem Neumarkt.

Genervt von grauer Betonwüste

„Jeder in Osnabrück ist vom Neumarkt genervt, keiner hält sich dort gerne auf. Die Stadt würde sich einen Gefallen tun mit einem möglichst grünen Platz. Bäume und Schatten ziehen mehr als eine graue Betonwüste“, ist Hunte überzeugt.

Es sei schade, wenn jahrzehntealte, gesunde Bäume gefällt würden, nur weil sie geschäftlichen Interessen oder den Ideen von Architekten im Weg stehen. Damit spielt die Petentin auf den geplanten Neubau eines Eckhauses (Baulos 2) vor dem Neumarkt-Carrée an, außerdem auf die preisgekrönten Pläne zur Neugestaltung des Platzes insbesondere im Bereich der Bussteige zwischen Große Straße und VGH-Gebäude.

Vier Bäume sollen weg

Die von der Stadtverwaltung in den Umweltausschuss eingebrachte Beschlussvorlage dürfte allen Baumschützern jedoch wenig Hoffnung machen. Mehr als die offizielle Kenntnisnahme der Petition scheint für sie nicht drin zu sein. Im Gegenteil: Vier Bäumen – drei Platanen und einem Ahorn – soll es definitiv an den Kragen gehen.

„Dem Wunsch einer Erhaltung aller Bäume am Neumarkt wird nicht zugestimmt. Eine Neugestaltung des Neumarktes soll auf der Grundlage des Wettbewerbsergebnisses erfolgen“, lautet die Beschlussempfehlung des Fachbereichs Geodaten und Verkehrsanlagen. Weiter heißt es, im Gestaltungsplan sei der Baumbestand „überwiegend berücksichtigt“. Die nördliche Platanenreihe bleibe größtenteils erhalten und werde sogar um sieben Bäume ergänzt, sodass ein Pflanzkarree entsteht.

Drei Platanen, ein Ahorn

Für den dazugehörigen freien Blick in die Straßen Kamp und Große Hamkenstraße sei es jedoch „erforderlich, aus der nördlichen Baumreihe zwei Bäume zu fällen“. Auch die Platane auf der Mittelinsel des Busbahnhofs vor dem VGH-Gebäude könne „aufgrund der geplanten und notwendigen Straßengeometrie bzw. der zukünftigen Höhenlage“ nicht erhalten werden. Hier sei schon jetzt zu erkennen, dass die Wurzeln „erhebliche Verdrückungen im Pflaster und den Bordsteinanlagen hervorgerufen“ haben.

 Im Bereich von Baulos 2 (Ecke H&M) wiederum scheinen die Tage des haushohen Ahorns gezählt. Den Angaben der Verwaltung zufolge ragt seine Krone in die Baufläche hinein, und das Hochbeet, in dem er steht, befindet sich direkt vor der Fassade. Somit müsse auch dieser Baum fallen. Als Ersatz würden Bäume zwischen Große Straße und Sportarena gepflanzt.

Öffentliche Beratung am 2. Juni

Was die öffentliche Beratung ihrer Petition am 2. Juni im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt angeht, ist Saskia Hunte realistisch. „Ich habe mich damit abgefunden, dass wir nicht alle Bäume am Neumarkt retten können. Aber wir haben immerhin gezeigt, dass das Thema vielen Menschen am Herzen liegt.“ Eine Entscheidung über die Zukunft der Bäume am Neumarkt fällt am 14. Juni im Verwaltungsausschuss.