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Beiratsvorsitzender warnt Osnabrück schrammt am Klimaziel vorbei

Von Rainer Lahmann-Lammert | 20.12.2017, 19:41 Uhr

Wenn Osnabrück nicht nachlegt, lässt sich das Klimaschutzziel für 2050 erst nach 2070 erreichen. Markus Große Ophoff, der Vorsitzende des Klimabeirats, fordert mehr Entschlossenheit von den lokalen Entscheidungsträgern. „Man kann sich auch mal ein großes Ziel setzen“, sagt der Professor.

Die Erderwärmung macht sich schon jetzt bemerkbar: „2100 werden die Gletscher in den Alpen weitgehend weg sein, auch wenn das Zwei-Grad-Ziel eingehalten wird“, bedauert Große Ophoff. 90 Prozent der Korallen würden absterben, Afrika stehe eine extreme Dürre bevor und durch das Abschmelzen des Polareises drohe der Meeresspiegel um zweieinhalb Meter zu steigen. Das alles habe auch mit Osnabrück zu tun, und mit den Menschen, die hier leben, vermerkt der Vorsitzende des Klimabeirats.

20 Jahre zu spät

Die Stadt hat sich verpflichtet, bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 95 Prozent gegenüber 1990 zu erreichen. Markus Große Ophoff, der hauptberuflich das Zentrum für Umweltkommunikation der Deutsche Bundesstiftung Umwelt leitet, wacht gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Fachleuten über diesen Prozess. Der 55-jährige Chemiker konstatiert, dass die Stadt Osnabrück am selbst gesteckten Ziel vorbeischrammen wird, wenn sie die Anstrengungen nicht verstärkt.

In seinen Vorträgen legt er eine Grafik auf, die zwei auseinanderstrebende Geraden darstellt. Die grüne Linie steht für den konsequenten Weg nach Plan, die rote zeigt, wo es tatsächlich lang geht. Weitermachen wie bisher bedeutet demnach, dass Osnabrück im Jahr 2050 lediglich auf 68 Prozent CO2-Ersparnis komme. Die angestrebte Marke von 95 Prozent würde erst 20 oder 30 Jahre später erreicht.

Hebel ansetzen bei Altbauten

Beim Blick auf die Emissionsdaten in Osnabrück fällt auf, dass die Raumwärme mit 30 Prozent den größten Anteil stellt, gefolgt vom Verkehrssektor (28 Prozent) und dem Strom für die Unternehmen (24 Prozent). Der Strom für die Privathaushalte beträgt dagegen nur sieben Prozent. Große Ophoff hält es deshalb für notwendig, bei der Gebäudesanierung den Hebel anzusetzen, vor allem bei den Altbauten: „Wer Dach und Außenwände dämmt, Fenster austauscht und die Heizungsanlage erneuert, kann ca. 80 Prozent Energie sparen“, rechnet der Klimaspezialist vor.

Die Stadt sei deshalb gut beraten, die energetische Quartierssanierung voranzubringen. Um das Ziel zu erreichen, müssten jedes Jahr drei Prozent aller Wohnungen auf den neuesten Stand gebracht werden (derzeit ein Prozent). Bei der Sanierung müsse die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen, bei Neubauten auch – am besten mit klimaneutralen Gebäuden.

Osnabrücker zu zaghaft?

Für unerlässlich hält der Vorsitzende des Klimabeirats eine Verkehrswende mit dem Ziel, die Emissionen bis 2050 um 37 Prozent zu senken. Eine Schlüsselrolle komme dabei dem öffentlichen Nahverkehr zu, der sich mit Busbeschleunigung, Elektrifizierung, Park+Ride und einer besseren Koppelung von Stadt- und Umlandverkehr mehr Marktanteile sichern soll.

Auch eine gezielte Förderung des Radverkehrs ist nach Ansicht von Große Ophoff notwendig, um beim Klimaschutz voranzukommen. In diesem Zusammenhang erinnert der Professor an die Stadt Kopenhagen, die sich zum Ziel gesetzt habe, dass 50 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt werden sollten. Angesichts solcher Ambitionen müsse man sich in Osnabrück die Frage stellen: „Sind wir nicht etwas zu zaghaft?“