Ein Artikel der Redaktion

Beinahe-Unfall in Eversburg Zugunglück in Osnabrück in letzter Sekunde verhindert?

Von Frank Klausmeyer | 19.11.2015, 16:16 Uhr

Auf dem Bahnübergang an der Atterstraße im Osnabrücker Stadtteil Eversburg ist es nach Schilderung eines Fahrgastes am Mittwoch beinahe zu einem schweren Unglück gekommen. Ein Linienbus stand den Angaben zufolge auf dem Übergang, als ein Zug herannahte. Die zuständige Regionalverkehrsgesellschaft Münsterland und die Bundespolizei bestätigen den Vorfall, stufen ihn aber bislang nicht als sonderlich schwerwiegend ein.

Es ist alles noch mal gut gegangen. Angelique Burrey aus Westerkappeln kann aber nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Noch Stunden nach dem Erlebnis steckt der Studentin aus Westerkappeln der Schreck in den Gliedern. Die Busfahrt von Osnabrück nach Hause wäre am Mittwoch anscheinend fast mit einem Unglück geendet.

Die 19-Jährige war am Nachmittag – wie täglich – mit der Linie R 11 vom Osnabrücker Neumarkt nach Westerkappeln unterwegs. Der Bus sei schon mit kleiner Verspätung losgefahren, erzählt sie. Auf der Atterstraße in Eversburg kam es dann ihren Schilderungen zufolge zu einem fast fatalen Halt. Wegen einer Baustelle staute sich der Verkehr. Der Fahrer des Gelenkbusses habe dies offensichtlich zu spät erkannt und deswegen mitten auf dem kreuzenden Bahnübergang der Strecke Osnabrück – Rheine halten müssen.

„In dem Moment wurden die Lichter rot“, beschreibt Angelique Burrey die aus ihrer Sicht dramatische Situation. Ein kleines Stück habe der Fahrer den Bus noch nach vorne bewegen können, der hintere Teil des Ziehharmonikfahrzeugs sei aber auf den Gleisen stehen geblieben.

„Der Busfahrer hat nur gehupt“, erzählt die Studentin weiter. Dann habe sich die Halbschranke auf das Fahrzeug gesenkt. „Tür auf !“, habe eine Frau gerufen. Die meisten Fahrgäste – etwa 20 Personen hätten im Bus gesessen – seien in den vorderen Teil gegangen, einige – offenbar Flüchtlinge, die die Situation nicht erfasst hatten – seien sitzen geblieben. Der Aufforderung, doch die Tür zu öffnen, sei der Fahrer nicht gefolgt. „Der war nur damit beschäftigt zu hupen“, kritisiert Angelique Burrey.

Offensichtlich erkannten durch das Hupen die vor dem Bus stehenden Autofahrer, dass es ein Problem gibt. Denn einige Wagen seien auf den Bürgersteig ausgewichen, sodass der Fahrer seinen Bus etwa zwei Autolängen nach vorne setzen und damit aus dem Gefahrenbereich bringen konnte. „Keine fünf Sekunden später kam der Zug“, berichtet die 19-Jährige.

Die Fahrt Richtung Westerkappeln sei danach ganz normal weitergegangen, wobei sie den Eindruck gehabt habe, der Bus sei schneller gefahren als sonst. An der Haltestelle „Sloopsteinweg“ habe der Fahrer dann noch fast eine Vollbremsung hingelegt. Vielleicht, so mutmaßt Angelique Burrey, habe der Mann selbst noch unter dem Eindruck des Geschehens gestanden.

Beim zuständigen Busunternehmen und bei der Bundespolizei wusste man bis Donnerstagmorgen zunächst nichts von dem Zwischenfall. Die für die Linie R 11 verantwortliche Regionalverkehrsgesellschaft Münsterland (RVM) bestätigte nach ihren eigenen Recherchen aber, dass es ein Vorkommnis gegeben hat, wenngleich dieses nicht ganz so dramatisch gewesen sei, wie Angelique Burrey es schildert.

Die RVM ist Anbieterin der Linie, in diesem Fall waren laut Betriebsleiter Klaus Matthies die Stadtwerke Osnabrück mit der Fahrt beauftragt. Diese wiederum haben nach Angaben von Pressesprecherin Katja Diehl den Auftrag an den Omnibusbetrieb OWR in Wallenhorst weitergereicht, eine im Öffentlichen Personennahverkehr durchaus gängige Praxis. Von OWR war am Donnerstag zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Ja, der Bus habe verkehrsbedingt auf dem Bahnübergang gehalten, bestätigt der RVM-Betriebsleiter. Nein, mit der Schranke habe es keine Berührung gegeben. „Dann wäre auch eine Störungsmeldung bei der Leitstelle der Bahn aufgelaufen“, erklärt Matthies. Die Bundespolizei habe bei einer Überprüfung der Schranke auch keine Beeinträchtigung der Funktionalität oder irgendwelche Schäden feststellen können. Und der Busfahrer sei zudem selbst auf den Bürgersteig ausgewichen und habe nicht warten müssen, dass Autofahrer vor ihm Platz machen. Für Matthies steht deshalb fest, „dass es kein Verfahren gegen den Fahrer oder die Stadtwerke geben wird“.

Die Bundespolizei sieht das nach derzeitigem Stand genauso. Natürlich müsse jeder Verkehrssteilnehmer darauf achten, dass ein Bahnübergang frei ist, sagt Ralf Löning, Sprecher der zuständigen Inspektion Bad Bentheim. Es gebe in diesem Fall aber keinen Verdacht auf einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr. Anders wäre der Fall, wenn der Zug eine Schnellbremsung hätte einleiten müssen. „Vielleicht war es ja nicht so knapp, wie die Fahrgäste es empfunden haben“, meint Löning.