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Beamte wollten Ehefrau schützen — Betroffener in ernstem Zustand — Staatsanwaltschaft ermittelt Mann wurde bei Rangelei mit Polizei bewusstlos

Von Christoph Franken | 05.09.2011, 15:25 Uhr

Auch gestern war noch völlig unklar, warum ein 37-jähriger Mann aus Melle schwere gesundheitliche Schäden erlitt, als er sich in seiner Wohnung gegen den Einsatz zweier Polizeibeamter vehement gewehrt hat.

Der tragische Vorfall hatte sich bereits am Montag vergangener Woche ereignet, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern gemeinsam mitteilten.

Die Besatzung eines Streifenwagens des Polizeikommissariates Melle war am Montagabend zu einem Einsatz „häusliche Gewalt – Mann schlägt Frau“ ausgerückt. Die Hilfe suchende Frau hatte ihre Kinder gebeten, die Polizei zu rufen. Die Beamten waren schnell vor Ort und trennten den stark alkoholisierten und sehr kräftigen Mann von seiner Frau.

Nachdem der Sachverhalt eigentlich schon abgeklärt war und dem Ehemann noch lediglich ein Platzverweis erteilt werden sollte, ging der 37-Jährige nach Polizeiangaben in der Wohnung plötzlich auf die beiden Polizisten los. Bei dem anschließenden Gerangel stürzten die Beamten mit dem Angreifer zu Boden. Im Laufe der weiteren Auseinandersetzung lief der Mann plötzlich blau an und verlor offensichtlich das Bewusstsein. Er wurde deshalb unverzüglich mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand ist unvermindert ernst: Er ist zurzeit noch bewusstlos.

Vom Polizeikommissariat Melle wurde der Vorgang umgehend an den Zentralen Kriminaldienst in Osnabrück abgegeben. Dessen Ermittler wiederum schalteten sofort die Staatsanwaltschaft ein, die das Verhalten der Beamten überprüft. „Die Angaben der beiden eingesetzten Polizeibeamten decken sich mit der Aussage der betroffenen Ehefrau“, erklärte Staatsanwalt Alexander Retemeyer.

Auch die ärztlichen Untersuchungen im Krankenhaus und eine von der Staatsanwaltschaft zusätzlich angeordnete Untersuchung durch einen Gerichtsmediziner des Institutes für Rechtsmedizin in Oldenburg ergaben bislang keine Erklärung für die plötzliche Bewusstlosigkeit des Betroffenen. „Der Mann hat ein blaues Auge, ansonsten sind keine äußeren Verletzungen feststellbar“, erläuterte Retemeyer gestern auf Nachfrage das Ergebnis der Untersuchung des Gerichtsmediziners. Insofern lägen keine Hinweise auf Misshandlungen oder Gewalttätigkeiten der Beamten gegenüber dem Betroffenen vor.