Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

BBK-Kunstquartier Osnabrück Ahmed Al-Kenani entdeckt Schwarz als Farbe

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 24.06.2016, 19:33 Uhr

Der syrische Künstler Ahmed Al-Kenani zeigt im BBK-Kunstquartier in Osnabrück großformatige, farbenprächtige Bilder, mit denen er sich selbst herausfordert.

Seit 18 Jahren lebt und arbeitet Ahmed Al-Kenani in Osnabrück. Früher malte er in hellen Farben: Gelb, Braun, Weiß, ein transparentes Blau, das waren die Töne, die er von zuhause kannte. Dort, in Syrien, dominierten diese lichten Farben in der Natur. Jetzt ist Al-Kenani an der Hase sesshaft geworden: „Osnabrück ist meine Stadt“, sagt er. Und da diese Stadt nicht von gleißendem Sonnenlicht geprägt und nicht von Wüste umgeben ist, gibt es hier auch dunkle Ecken, für die ein Künstler schwarze Farbe einsetzen muss.

Eine Herausforderung

Das war die Herausforderung: die Nutzung von Schwarz in seinen Bildern. Der Syrer, der in seiner Heimat Kunst studierte, dessen Abschluss in Deutschland aber nicht anerkannt wurde, fing an der Universität Osnabrück noch einmal von vorn an. Jetzt, mit seinem Magister Artium als Abschluss, legte er den Pinsel aus der Hand und griff zum schmalen Spachtel. Pferde und Frauen wurden zu seinem Sujet.

Fantasievolle Wesen

Schicht um Schicht trägt er dicke Farbschichten auf, bis dynamische Bilder entstehen, voller Bewegung und Tiefe, die vor Farbigkeit nur so strotzen. Leuchtendes Rot, Blau in allen Schattierungen und Schwarz mischen sich mit wenigen Grüntönen zu beeindruckenden Impressionen, in denen Frauen verschleiert sind oder nur andeutungsweise ein Antlitz haben. Und in denen Pferde zu fantasievollen Wesen mutieren – irgendwo zwischen Nutztier, Gefährte im Kampf und bestem Freund.

Vier, maximal sechs Stunden braucht Ahmed Al-Kenani für ein Bild. Danach muss es fertig sein, denn wenn die Farbe zu trocknen beginnt, lassen sich die pastosen Schichten nicht mehr mischen. „Entweder ist das Bild dann gut, oder ich muss alles, was mir nicht gefällt, abwischen und von Neuem beginnen.“