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Baustelle ab Donnerstag Radweg am Osnabrücker Johannistorwall wird umgebaut

Von Stefanie Witte | 11.12.2014, 08:03 Uhr

Im Oktober starb erneut ein Radfahrer an der Kreuzung Johannistorwall und Kommenderiestraße. Alle bisherigen Veränderungen an diesem Unfallschwerpunkt konnten das nicht verhindern. Nun will die Stadt den Verlauf des Radweges ändern – bis Ende nächster Woche.

Stadtbaurat Frank Otte lud am Mittwochnachmittag zum Ortstermin. Das Wichtigste zusammengefasst: Der Radweg am Johannistorwall soll an den Parkplätzen vor dem Abzweig zur Kommenderiestraße zukünftig direkt an der Straße verlaufen. Die Bauarbeiten beginnen am heutigen Donnerstag und sollen schon Ende nächster Woche abgeschlossen sein.

Unfallschwerpunkt in Osnabrück

Bei der Kreuzung handelt es sich um einen der schwersten Unfallschwerpunkte in Osnabrück. Zuletzt war dort Ende Oktober ein 47-jähriger Fahrradfahrer von einem LKW erfasst und lebensgefährlich verletzt worden. Bei einer ersten Vernehmung hatte der LKW-Fahrer angegeben, den Radfahrer nicht gesehen zu haben.

Zuvor war im März an der Kreuzung ein Radfahrer tödlich verunglückt. Auch damals hatte ein LKW-Fahrer das Fahrrad übersehen. Diese beiden tödlichen Unfälle, an die weiß angemalte Ghostbikes an der Kreuzung erinnern, sind nicht die ersten. Im Januar 2009 starb dort ein 59-jähriger Radfahrer , als er unter einen abbiegenden LKW geriet. Im Februar dieses Jahres stürzte ein Radfahrer, nachdem ihm ein Autofahrer beim Abbiegen die Vorfahrt genommen hatte.

Die Stadt hatte daher vor einem Jahr einen gewölbten Spiegel für LKW angebracht. Außerdem steht seit November ein Schild vor der Ampel, das Radfahrer vor dem toten Winkel eines LKWs warnt. Gelöst haben diese Änderungen das Problem nicht. Die Stadt will daher umbauen.

„Wir wollen den Radweg aus dem Hintergrund holen“, so Otte. Ein großes Problem sei, dass Radfahrer lange vor der Ampel von LKW-Fahrern überhaupt nicht wahrgenommen würden. Zukünftig soll er an der Straße verlaufen, dort, wo derzeit noch Parkplätze den Johannistorwall säumen. 2,25 Meter wird er breit sein, eingeplant ist ein Sicherheitsstreifen zur Fahrbahn mit 50 Zentimetern Breite. Zwischen Rad- und Fußweg soll es weiterhin Parkplätze geben, allerdings parallel zur Fahrbahn. Das wird dazu führen, dass etwa die Hälfte der Stellplätze wegfällt – von 40 blieben 18 bis 20 über, schätzt Heike Stumberg vom Fachbereich Städtebau.

„Wir haben lange überlegt, ob das eine neue Gefahrenquelle ist“, sagt Stadtbaurat Otte mit Blick darauf, dass Autofahrer zukünftig den Radweg kreuzen müssen, um die verbliebenen Parkplätze zu nutzen. „Uns erschien es als das geringere Risiko“, so Otte. Auch an zahlreichen anderen Stellen würden Radwege von Autos überquert. Für die Bauarbeiten wird die äußerste Spur auf dem Johannistorwall auf Höhe der Parkplätze jeweils vom frühen Morgen bis etwa 16 Uhr gesperrt. Der Umbau kostet rund 35000 Euro. Finanziert wird er aus Städtebaufördermitteln. Der Osnabrücker Haushalt wird nicht belastet.

Anwohner kritisiert

Nicht alle sind begeistert vom schnellen Umbau. Christian Klann wohnt am Johannistorwall und fragt: „Wo wollen die die Autos lassen?“ Schon jetzt sei es dort schwer, das Auto abzustellen: „Ab 19 Uhr können Sie hier vergessen einen Parkplatz zu finden.“ Wenn er Spätschicht habe, warte er häufig an der Straße, bis ein Kneipenbesucher mit seinem Auto wegfahre. Klann befürchtet, dass er zukünftig überhaupt keinen Parkplatz mehr findet.

Heike Stumberg vom Fachbereich Städtebau entgegnet auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Anwohner haben keinen Anspruch darauf.“ Im Wohngebiet hinter dem Wall gebe es weitere Parkplätze. Und: „Verkehrsplanung ist immer ein Abwägungsprozess.“

Rechtsabbiegerspur an der Kommenderiestraße?

Das Thema soll damit allerdings nicht abgeschlossen sein. Die Stadt will prüfen, ob es sinnvoll ist, aus der rechten Spur an der Kommenderiestraße eine reine Rechtsabbiegerspur zu machen. Eine entsprechende Ampelschaltung könnte dazu führen, dass Radfahrer, die geradeausfahren, Rot haben, während Autofahrer rechts abbiegen können und umgekehrt. Da eine solche Veränderung aber gravierende Auswirkungen auf den gesamten Stadtverkehr haben könnte, will die Stadt sie in einer Simulation durchspielen. Das Rechtsabbiegen an dieser Stelle komplett zu verbieten, sei nicht sinnvoll, so Otte. Die nächste Kreuzung an der es dann möglich wäre, sei noch problematischer.

Ghostbikes kommen an neuen Ort

Im neuen Jahr soll zusätzlich das Beet vor dem Modellbaugeschäft entfernt werden. Stattdessen soll diese Ecke Radfahrern dazu dienen, im Notfall auszuweichen. Zudem soll der Fußgängerüberweg weiter in Richtung Kreuzung verlagert werden, damit Autofahrer früher halten und warten müssen. Die beiden Ghostbikes an der Kommenderiestraße sollen in Absprache mit dem ADFC und den Angehörigen einen neuen Platz in der Nähe finden, so Otte.

Im Stadtgebiet sollen weitere Spiegel angebracht werden, die den toten Winkel verringern. Außerdem sei die Stadt im Gespräch mit dem Logistikgewerbe, so Otte. Es gebe Überlegungen, weitere Schilder anzubringen, die vor dem toten Winkel warnen.

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