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Autonomes Fahren im ÖPNV Busse in Osnabrück künftig fahrerlos unterwegs

Von Sebastian Stricker | 06.11.2016, 14:59 Uhr

Busfahrer ade: Die Zukunft im öffentlichen Nahverkehr gehört dem Autopiloten. Davon sind die Stadtwerke Osnabrück überzeugt. Es sei nur eine Frage von Jahren, bis auch hier erste selbstfahrende Busse eingesetzt würden.

„Autonomes Fahren wird Mobilität in den kommenden zehn Jahren disruptiv verändern“, sagt Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot. Das heißt: Kollege Computer ersetzt den Mann am Steuer wie einst der Fahrstuhl den Paternoster. Für den Busverkehr in und um Osnabrück biete der technologische Wandel eine Reihe von Chancen, meint der Stadtwerke-Chef.

Der ÖPNV werde durch autonomes Fahren flexibler, sicherer, klimaverträglicher – und kostengünstiger. Fahrzeuge ließen sich bedarfsgerecht einsetzen, könnten vom Kunden an allen Tagen rund um die Uhr angefordert werden, die Auslastung nehme zu. „Fahrpläne werden überflüssig“, erklärt Linnenbrink. „Irgendwann sage ich nur noch, wann ich wo hin will – den Rest erledigt das System.“

Erste und letzte Meile erschließen

Kollektive autonome Mobilität gebe dem Osnabrücker Verkehrsbetrieb die Möglichkeit, das Bedienungsgebiet zu erweitern und zu verdichten. Denn eins steht für den Stadtwerke-Vordenker fest: „Die Evolution beginnt in der Fläche.“

Dabei geht es vor allem um die Erschließung der ersten und letzten Meile. Denkbar seien mithin fahrerlose Shuttles, die rund um Haltestellen der (künftig rein elektrischen) Linienbusse ausschwärmen, um Fahrgäste bis in die entlegensten Winkel zu transportieren. Oder sie umgekehrt quasi an der Haustür abholen und zum nächsten Mobilpunkt kutschieren, wo die Kunden dann umsteigen können auf Busse, Stadtteilautos oder Leihräder. „Intelligente Zu- und Abbringersysteme mit Anschlussgarantie“ nennt Linnenbrink das.

Experimente mit Minibussen

In der holländischen Universitätsstadt Wageningen wird bereits mit autonomen E-Kleinbussen experimentiert. Dort pendeln seit einigen Monaten zwei knubbelige Sechssitzer die 6,5 Kilometer zwischen Bahnhof und Campus – langsam zwar, aber dafür bislang ohne Zwischenfälle. Anders in Sitten (Schweiz): Dort stieß kürzlich eines von zwei selbstfahrenden Postautos mit einem Lieferwagen zusammen. Der im Juni begonnene Probebetrieb wurde daraufhin vorläufig eingestellt.

Hierzulande will nun der Karlsruher Verkehrsverbund eine Vorreiterrolle einnehmen. Ab Herbst 2017 soll auf einem „Testfeld zum vernetzten und automatisierten Fahren“ untersucht werden, wie Roboterwagen insbesondere im quirligen Stadtverkehr funktionieren. Das Land Baden-Württemberg fördert diesen Versuch mit 2,5 Millionen Euro. (Weiterlesen: Niedersachsen will autonomes Fahren auf Autobahnen testen)

Vom Zuschauer zum Mitspieler

Wann das autonome Fahren Osnabrück erreicht, steht derweil in den Sternen. Die Stadtwerke wollen der Entwicklung jedoch nicht zuschauen, sondern mitspielen. „Wir müssen wissen, was dieser Trend für den ÖPNV bedeutet“, sagt Linnenbrink. Denn computergesteuerte Vehikel seien nicht nur Segen, sondern auch Fluch – wenn sie nämlich eines Tages im ungeordneten Individualverkehr überhandnehmen „und die Städte verstopfen“. (Weiterlesen: Tesla baut Technik für autonomes Fahren in alle Autos ein)

Deshalb gelte es für sein Unternehmen, sich frühzeitig an Projekten des (kollektiven) autonomen Fahrens zu beteiligen, Kooperationen anzustreben, Mobilitätsprodukte auszubauen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Auf kommunaler Ebene müsse gleichsam strategisch geplant werden – etwa in Bezug auf Parkhäuser, Verkehrsführung und Verkehrssteuerung.

Busfahrer werden überflüssig

Und was ist eigentlich mit den Busfahrern? Linnenbrink ahnt: „Der Beruf wird sich verändern.“ Es werde in Zukunft nicht mehr so viele Leute brauchen, die Busse lenken. Dafür gewinne das Thema Service an Bedeutung, auch der Bereich Disposition und Logistik werde immer wichtiger. Deshalb sei schon heute die von den Stadtwerken Osnabrück angebotene Ausbildung zur Fachkraft im Fahrdienst breit angelegt. „Und wenn das autonome Fahren kommt, wird sie noch umfassender.“