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Ausweg aus der BAföG-Falle Osnabrücker Caritas hilft geflüchteter Studentin

Von Ulrike Schmidt, Ulrike Schmidt | 23.08.2016, 08:13 Uhr

Die junge Hanan aus dem Irak ist knapp der BAföG-Falle entkommen. Mithilfe des neuen Caritas-BAföG-Fonds kann die 22-Jährige ihr Studium Aircraft and Flight Engeneering an der Hochschule Osnabrück fortsetzen.

Hanan hat ein klares Ziel vor Augen: Sie will Astronautin werden. Erster Schritt auf diesem Weg ist der Studiengang Aircraft and Flight Engeneering, nach Angaben der Osnabrücker Hochschule ein europaweit einzigartiger Studiengang. Doch die komplizierten Aufenthaltsregeln in Deutschland hätten ihr beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ohne gültigen Pass kein Geld

2010 kam Hanan mit ihrer Familie nach Deutschland, wo alle Familienmitglieder eine Aufenthaltserlaubnis erhielten. Die damals 16-Jährige lernte Deutsch, machte ihr Abitur und bewarb sich erfolgreich um einen Platz für das anspruchsvolle Studium in Osnabrück, das sie mit BAföG finanzierte.

Im März lief allerdings ihr irakischer Pass aus. Zeitgleich erlosch der Anspruch auf BAföG, denn ohne gültigen Pass kann die Aufenthaltserlaubnis widerrufen werden. Hanan stellt einen neuen Asylantrag und aus ihrer Aufenthaltserlaubnis in Deutschland wurde bis zum Entscheid über den Antrag eine Aufenthaltsgestattung. Mit diesem Status hat Hanan nach den Bestimmungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes keinen Anspruch auf BAföG.

„Eine unsinnige Regelung“

Eine anderweitige Finanzierung ist nicht möglich, da studierende Geflüchtete keinen Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben, wenn sie sich schon länger als 15 Monate in Deutschland aufhalten. „Eine unsinnige Regelung“, sagt Caritas-Flüchtlingsberater Philipp Vorwergk. Schließlich sei es sehr unwahrscheinlich, dass Geflüchtete in den ersten 15 Monaten ihres Aufenthaltes in Deutschland ein Studium aufnehmen könnten. Und dann schnappt die BAföG-Falle zu.

Monatlich 500 Euro

Hanan, die ins dritte Semester kommt, hätte ihr Studium aufgeben müssen, wenn sie nicht vom BAföG-Fonds der Caritas erfahren hätte. Als sie einen Bekannten als Dolmetscherin in die Sprechstunde der Caritas begleitete, wurde sie auf diese Hilfe aufmerksam. Seit Mai erhält sie aus dem BAföG-Fonds der Caritas monatlich 500 Euro. Sie lebe in einer Wohngemeinschaft, dann reiche das schon, berichtet Hanan.

Sparen für den Flugschein

Für ihren großen Berufswunsch sind das die geringsten Hindernisse. In einem der nächsten Semester muss sie 15000 Euro für den Flugschein aufbringen. Weil das derzeit unmöglich ist, muss sie diesen Teil des Studiums vorerst zurückstellen. Sie ist zunächst glücklich und dankbar, dass sie überhaupt weiter studieren darf. Sobald ihr Asylantrag genehmigt ist, hat sie wieder Anspruch auf BAföG, und die Hilfe aus dem Fonds wird beendet.

Der Caritas-BAföG-Fonds war erst im vergangenen Jahr aufgelegt worden. Das Startkapital kam von der ehemaligen Bundestagespräsidentin Rita Süssmuth , die von dem Preisgeld des an sie verliehenen Reinhard-Mohn-Preises 20000 Euro für den Fonds spendete: „Mein Preisgeld soll für die Ausbildung junger Menschen eingesetzt werden.“ Im Mai hatte Süssmuth sich in Osnabrück über die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit der Caritas informiert.

Gesetzeslücke schließen

Der Caritasverband verfolge mit dem Fonds zwei Ziele, sagte der stellvertretenden Direktor Günter Sandfort im Gespräch mit unserer Redaktion: Zum einen solle unbürokratisch schnelle Hilfe geleistet werden. Zum anderen wolle der Wohlfahrtsverband auf die Gesetzeslücke aufmerksam machen. Nach Ansicht des Flüchtlingsberaters Vorwergk hätte der Gesetzgeber schon längst handeln müssen.

Die Hochschule Osnabrück vergebe Deutschlandsstipendien, an denen sich Betriebe und auch die Caritas finanziell beteiligten. Sandfort hat jetzt nach eigenen Angaben der Hochschule vorgeschlagen, ein Deutschlandstipendium speziell für geflüchtete Studierende in der BAföG-Falle einzurichten.