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Ausstellung: Jahresprogramme 2016 Einbußen für die Osnabrücker Kunstszene

Von Dr. Stefan Lüddemann | 21.12.2015, 18:36 Uhr

Wie wird das Kunstjahr 2016 in Osnabrück? Auf jeden Fall schwierig. Die Ausstellungshäuser müssen Einbußen in ihren Budgets verkraften.

Das Aus für den Ausstellungsort Stadtgalerie, eine Stelle weniger bei Felix-Nussbaum-Haus und Kulturgeschichtlichem Museum: So lautet die Bilanz der Haushaltskürzungen des Stadtrates am 8. Dezember im Telegrammstil für die Häuser der bildenden Kunst. Mit der Einsparung von 20000 Euro im Budget der Stadtgalerie ist der Abschied vom Stadtgaleriecafé zum Jahresende 2016 wohl besiegelt. Es bleibt das Ausstellungsbudget von 14800 Euro, das 2016 nach den Worten von Kunsthallen-Direktorin Julia Draganovic, die auch für das Programm der Stadtgalerie zuständig ist, erstmals für Künstler ausgeschrieben werden soll. Der Raum für die Kunstprojekte muss allerdings jeweils neu beschafft werden. (Hier weiterlesen: Die Paßstation der Künstlergruppe IRWIN in der Kunsthalle Osnabrück).

„Damit sind wir flexibler als in der Vergangenheit“, kommentierte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), in Personalunion derzeit auch Kulturdezernent, den neuen Kurs. Gegen diese Lesart regt sich allerdings Widerstand in der Stadt. Eine Entscheidung an Kulturausschuss und regionaler Künstlerszene vorbei beklagen die „Freunde der Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück e.V.“ in einem offenen Brief. Als „nicht hinnehmbar“ kritisiert eine regionale Künstlerinitiative in einem weiteren offenen Brief diese Kürzung. In beiden an die Ratsfraktionen gerichteten Briefen wird die Rücknahme der Budgetminderung gefordert. (Hier weiterlesen: Protest der Künstler gegen Etatkürzungen in Osnabrück) .

Zudem werden die beiden Museen die Stelle von Eva Berger verlieren. Die Leiterin des Kulturgeschichtlichen Museums geht im August 2016 in den Ruhestand. Inge Jaehner, bislang Direktorin des Felix-Nussbaum-Hauses, ist wegen einer schweren Erkrankung vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Die Leitung beider Häuser soll künftig zusammengefasst werden, die Mittel einer der beiden Stellen stehen nicht mehr zur Verfügung. „Wie erreiche ich höhere Aufmerksamkeit, wo muss ich loslassen?“, fasste Wolfgang Griesert zusammen. Nach seinen Worten wird derzeit eine Person für die Leitung beider Häuser gesucht. (Hier weiterlesen: Die ehemalige Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski zur Spardiskussion um die Osnabrücker Kultur) .

Das Jahresprogramm der Kunsthalle Osnabrück steht 2016 unter der Überschrift „Schule der Empathie“. „Wir werden künftig noch mehr konfrontiert sein mit Menschen aus anderen Kulturkreisen“, sagte Julia Draganovic zu ihrem Jahresprogramm. Sie hat die Künstlerin Maria José Arjona zu einem Performanceprogramm unter dem Titel „You are splendid“ (31. Januar bis 27. März) eingeladen. Auch Ernesto Pujol wird unter dem Titel „Systems of Weight“ (4. Juni bis 19. Juni) Performances mit Publikum durchführen, die Erinnerungen bewusst machen sollen. (Hier weiterlesen: Ausstellung „Konkret mehr Raum“ in der Bilanz).

Eine begehbare Installation werden David Rauer und Joshua Sassmannshausen vom 17. Juli bis zum 30. Oktober in der gesamten Kunsthalle aufbauen. Schließlich folgt mit Jan Tichys „Installation 29“ eine Lichtinstallation in dem Ausstellungshaus, das vom 20. April bis zum 23. Mai auch die Ausstellung des European Media Art Festival zeigen wird. (Hier weiterlesen: Inge Jaehner gibt die Leitung des Felix-Nussbaum-Hauses ab) .

Mit nur einer Wechselausstellung geht das Felix-Nussbaum-Haus 2016 an den Start. Bis zum Herbst werden sich die Besucher auf die Bilder Felix Nussbaums konzentrieren können. Erst am 25. September beginnt „Leben ist Glühen“, eine Ausstellung mit 80 Bildern des Künstlers Fritz Ascher (1893–1970). Eva Berger stellte Ascher als vergessenen, lange nicht präsentierten Künstler vor, dessen expressive Malerei eine Wiederentdeckung lohne. Die Präsentation steht in der Reihe mit Positionen zur „verfemten Kunst“, die im Felix-Nussbaum-Haus in größeren Abständen fortgeführt wird. (Hier weiterlesen: Die ehemalige Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski über das Felix-Nussbaum-Haus) .

Das Kulturgeschichtliche Museum zeigt in der Villa Schlikker die „Faces of Migration“ (6. März bis 25. September), ein Projekt, das Gesichter von in Osnabrück lebenden Migranten zeigen soll. „Leinen – ein Stoff zum Träumen?“ heißt es verheißungsvoll, wenn vom 22. Mai bis zum 28. August eine Ausstellung über das Osnabrücker Leinengewerbe präsentiert wird. Nach den Worten von Eva Berger sollen 2017 und 2018 in den Häusern Schwerpunkte zu den Themen „Totentanz“ und „Architektur“ folgen. (Hier weiterlesen: Was bedeutet die Etateinsparung für die Kunstszene? Hier der Kommentar).