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Ausgezeichnetes Kabarett Comedy, garantiert nicht jugendfrei: Carolin Kebekus verbreitet „Pussy Terror“ in der Lagerhalle

Von Tom Bullmann | 27.04.2011, 16:56 Uhr

Carolin wäre lieber ein Junge. Dann könnte sie genauso „auf dicke Hose machen“ wie ihre Kollegen aus dem Getto. Da sie nun aber mal ein Mädel ist, bleibt ihr nur die Rolle der „Bitch“, die auf der Straße „Pussy Terror“ verbreitet. Und mit einem Rap die Diva gibt, „die im Stehen pinkeln kann“.

So viel zur – natürlich fiktiven – Rahmenhandlung. Denn das Publikum in der ausverkauften Lagerhalle ist nicht zum Hip-Hop-Konzert gekommen, sondern zu Carolin Kebekus und deren ganz besonderer Comedy.

Die Hauptzutat zu diesem Unterhaltungsgericht: das kölsche Mädel Kebekus, dessen Klappe eindeutig zu groß geraten ist. Angeblich kommt sie aus den Kölner Vierteln, in denen das multikulturelle Leben zu einer brisanten Mixtur hochköchelt. Angeblich ist ihr Vater Banker mit Hang zu übertriebenem Geiz. Und ihre Oma, die aus Oberschlesien stammt und zu deren Lieblingsbeschäftigungen „Kirchengossip“ gehört, versuchte angeblich, sie zu einem braven Katholikenmädchen zu erziehen, damit Jesus nicht weinen muss.

Diese schillernde Figur steht nun im Scheinwerferlicht, und man fragt sich, ob das Programm mit dem Titel „Pussy Terror“ eine Art modernistische Emanzen-Comedy ist. Oder handelt es sich um eine schwarzhumorige Persiflage auf jene Zeitgenossen, die als „Homie“ und „Bitch“ in der „Hood“ leben? Oder ist Kebekus nur eine junge Frau, die gern Kraftausdrücke aus dem Umgangssprachbereich benutzt und diese zwecks Effektivitätssteigerung in ein nicht jugendfreies Bühnenprogramm integriert?

Womöglich würden Philologen älteren Semesters angesichts der rüden Fäkal- und Schimpfwortkanonaden mit wehenden Fahnen den Saal verlassen. Solche Zuschauer sind in der Lagerhalle allerdings nicht da. Stattdessen freut sich der Saal zunehmend über Hasstiraden und wüste Beschimpfungen gegen die unterschiedlichsten Menschen und deren Verhaltensweisen, die sie mit variationsreicher Körpersprache und lebendigem Mienenspiel zu illustrieren versteht.

Sie beginnt mit den Kölnern inklusive Klüngel und Karneval, dann nimmt sie Menschen mit reduziertem Wortschatz auf Korn, schießt Fernsehstars à la Bohlen und Klum ab, nimmt Verkäuferinnen in Bekleidungsgeschäften sowie den lieben Gott und die Kirche in die Mangel, macht einen Ausflug zu einem Frauenphänomen, das sie als „Erdbeerwochen“ bezeichnet, um bei ihrer persönlichen Hassgattung „Supermodels“ und „Spielerfrauen“ zu landen.

Schließlich bekommt man das Gefühl, dass hinter all den Allüren, Kraftsprüchen und Masken, die Carolin Kebekus aufsetzt, im Grunde eine ausgezeichnete Kabarettistin steckt. Denn auch wenn viele Verbalattacken platt und wenig subversiv daherkommen, stimmen Richtung und Ziel.