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Aufwändige Quartiersuche VW holt 310 Portugiesen ins Osnabrücker Werk

Von Wilfried Hinrichs | 25.03.2016, 11:30 Uhr

Ab Mai holt VW 310 Mitarbeiter des portugiesischen Werks Palmela zur Tiguan-Produktion nach In der Stadt hat die Quartiersuche begonnen.

Wenn im Mai die Produktion des Golf Cabriolets im Fledder ausläuft, will VW dort die Montage des Erfolgsmodells Tiguan I mit Hochdruck ausbauen. Im Stammwerk Wolfsburg läuft bereits das Nachfolgemodell, der Tiguan II, vom Band.

Das Ur-Modell ist international aber immer noch sehr gefragt und soll über 2016 hinaus in Osnabrück produziert werden. Anfangs plante VW mit einer monatlichen Stückzahl von 2500 Tiguan I. „Die ursprünglich geplanten Produktionsvolumen werden nochmals deutlich erhöht“, teilte der Sprecher des Osnabrücker Werkes, Alexander Ott, mit. Die Tiguan-Karosserien werden vom VW-Stammwerk Wolfsburg nach Osnabrück gebracht, wo sie lackiert und montiert werden. 20 Millionen Euro investiert VW in Osnabrück in Betriebsmittel, Infrastruktur und eine Halle fürs Entladen der Karosserien. 

Ein Stück Qualifizierung

Die Osnabrücker Belegschaft ist für die geplante Produktionserweiterung zu klein. „Im Sinne des flexiblen Produktionsverbundes innerhalb der Volkswagen Standorte werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem portugiesischen Volkswagen Werk Palmela die Osnabrücker Mannschaft übergangsweise bei der Fertigung des Erfolgsmodells Tiguan unterstützen“, so der VW-Sprecher weiter. Dieser Austausch sei gleichzeitig eine „standortübergreifende Qualifizierungsmaßnahme“.

Pensionen und Vier-Sterne-Hotel

310 Portugiesen werden nach Informationen unserer Redaktion im Mai nach Osnabrück geholt und für zunächst 13 Monate in der Lackierung und Montage arbeiten. Für sie sucht VW zurzeit Quartiere in der Stadt. Die Osnabrücker Wirtschaftsförderung hat für den Autobauer eine Liste von Pensionen, Boardinghäusern, Hotels, Ferienwohnungen und Wohnungsgesellschaften in Osnabrück zusammengestellt. „Das ist mir noch nie untergekommen, das ist kein Alltagsgeschäft“, sagte Wirtschaftsförderer Ralf Kreye.

Zurzeit klappern VW-Mitarbeiter die Hoteliers und potenziellen Vermieter ab. Über den Stand der Quartiersuche und Gesamtkosten der Unterbringung will sich VW nicht äußern. Gebraucht werden Einzelzimmer in allen Qualitätsstufen – von der einfachen Pension bis zum Vier-Sterne-Hotel. Auch dem Remarque liegt eine VW-Anfrage vor.

Gutes Geschäft

Dieter Westerkamp, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, spricht von einem „tollen Geschäft“ für Betriebe, die noch Kapazitäten frei haben. Vor allem der lange Zeitraum über 13 Monate sei für den einen oder anderen sehr attraktiv. Die VW-Nachfrage sei natürlich positiv für die Branche, doch bei insgesamt 350000 Übernachtungen in Osnabrück pro Jahr falle sie nicht besonders ins Gewicht.

Das VW-Werk in Palmela (Volkswagen Autoeuropa) 30 Kilometer südlich von Lissabon ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und Devisenbringer für das Land. Nach VW-Angaben handelt es sich um das größte ausländische Industrieinvestment in Portugal und eines der fünf modernsten Automobilwerke Europas. 3500 Mitarbeiter produzieren die Modelle Sharan, Eos, Scirocco sowie Seat Alhambra. Knapp 1000 Zulieferfirmen sind vom Autobauer abhängig. Das Werk hat eine hohe Fertigungstiefe vom Presswerk bis zur Endmontage. 2014 produzierte Volkswagen Autoeuropa 102250 Fahrzeuge.

Doch Krisenzeichen sind unübersehbar. Die Modelle Sharan und Eos laufen aus, welche nachfolgen steht nach einem Bericht der Deutschen Welle noch nicht fest. Das Werk ist nicht ausgelastet.