Ein Artikel der Redaktion

Auftritt in Osnabrück Patricia Kelly über ihre Songs und Kreativseminare

04.06.2015, 20:34 Uhr

Seit 2008 ist Patricia Kelly als Solokünstlerin aktiv. Als drittältestes Mitglied einer der erfolgreichsten Bands der vergangenen 30 Jahre, der „Kelly Family“, bringt die 45-jährige Künstlerin eine große Bandbreite an Erfahrungen auf die Bühne. Im vergangenen Jahr erschien ihre Biografie „Der Klang meines Lebens“. Am Donnerstag, dem 11. Juni, ist Patricia Kelly in Osnabrück zu Gast. „Schreib deinen Song“ lautet der Titel ihres besuchbaren Kreativseminars, mit dem sie derzeit auf Tour ist.

  Frau Kelly, wann haben Sie selbst mit dem Schreiben von Songs begonnen? 

Ich habe das meinem Vater zu verdanken. Bei uns zu Hause gab es eine unglaubliche Offenheit, was neue Ideen und Wagnisse im Leben angeht, und eine davon war das Songwriting. Mein Vater hat irgendwann mal behauptet „Kinder, ihr könnt das“, und dann hat er uns aufgefordert, es einfach auszuprobieren. Wir haben gesagt: „Okay, kein Problem.“ Für uns Kinder oder Jugendliche war das ein riesiger Spaß, und es hat geklappt.

 Als Sängerin und Songwriterin haben Sie ja einen überaus reichen Erfahrungsschatz. Wie entstand die Idee zu den Kreativseminaren? 

Ich habe gemerkt, dass immer mehr junge Menschen auf mich zukamen und fragten, ob sie von meinen Erfahrungen lernen dürften. Das hat mich zu der Überlegung angeregt, ob vielleicht der Zeitpunkt da ist weiterzugeben, was mich persönlich bewegt. Hauptsächlich gebe ich ja Konzerte , rund 60 im Jahr, in ganz Europa.

 Gibt es für Sie beim Songschreiben eine besondere Essenz oder Botschaft, die Ihnen wichtig ist? 

Mein Hauptwunsch ist schon, dass ich den Teilnehmern bewusst machen will, das oft viel mehr in uns steckt, als wir ahnen. Da einen anregenden Impuls geben zu können ist schon ein Wunsch von mir. Dabei geht es nicht darum, ob man ein perfektes Lied schreibt oder dieses Lied ein Superhit wird. Die meisten Hits wurden geschrieben, weil sie wirklich aus Freude komponiert worden sind. Das beobachte ich auch bei mir. Die Songs, die wirklich beim Publikum ankommen, wo Menschen Gänsehaut bekommen oder gerührt sind, sind die Songs, die ich eigentlich in einem Moment komponiert habe, wo ich völlig frei von einengenden Denkweisen war.

 Eine Kreativität, die frei aus sich selbst heraus entsteht, verträgt sich ja selten mit den vielen Anforderungen, die oft von außen gestellt werden. 

Ja, und diese Versagensangst erlebe ich heute überall in der Gesellschaft. Dieser Leistungsdruck, der ja heute schon an die Kinder herangetragen wird, jeder muss leisten, groß sein, perfekt, das ist völliger Quatsch. Heute bestimmt der geschäftliche Teil oft über die Kreativität und Kunst. Es geht dann nur noch ums Verkaufen, und das kann es nicht sein. Ich hätte in meiner musikalischen Laufbahn auch viel Blödsinn machen können, viel Geld damit verdienen können, das habe ich aber nicht gemacht. Wenn Künstler in der Gesellschaft nicht frei sind, wer soll es dann sein?

 Sie sagten, dass Sie in Ihren Seminaren auf große Offenheit bei den Jugendlichen stoßen. Bei einigen Castingshows erscheint Leistungsdruck ja Teil des Konzeptes zu sein, das hebt sich von Ihrem Vorgehen ja sehr stark ab. 

Ja, auf jeden Fall. Eigentlich würde ich sagen, die meisten Castingshows sind der Gegenpol zu meiner Botschaft. Da geht es doch primär um Leistung, um Ellenbogen, schaffe ich das in dem Business und so weiter. Das ist nicht meine Botschaft und darauf bin ich auch stolz. Ich hatte ein Angebot, in einer großen Castingshow mitzuwirken, und ich habe das abgelehnt.

 Welchen Stellenwert hat die Arbeit mit jungen, musikinteressierten Menschen mittlerweile für sie bekommen? 

Ich kann ganz ehrlich sagen, dass es die reinste Freude für mich geworden ist. Ich habe viele tolle Feedbacks erhalten. Teilweise haben einige sofort angefangen zu komponieren, das ist natürlich wunderbar. Ich selbst lerne bei den Seminaren ja auch viel und nehme jede Menge Inspiration mit. Wenn ich die jungen Leute dann sehe, ihre Begeisterung und Neugier, dann ist das für mich ein echtes Geschenk.

 Patricia Kelly tritt am Donnerstag, 11. Juni, um 20 Uhr in der „Ecole de Batterie“, Neulandstr. 12, auf. Weitere Informationen und Kartenreservierungen: www.klangart-akademie.de oder workshop@patricia-kelly.com.