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„Auf Navis verzichten“ Banden stehlen gezielt BMW-Navis in der Region Osnabrück

Von Sven Kienscherf, Sven Kienscherf | 16.02.2017, 09:30 Uhr

Autos der Marke BMW sind in den vergangenen Tagen das Ziel von Autoaufbrechern in der Region Osnabrück geworden. Sie haben es vor allem auf die eingebauten Navigationsgeräte abgesehen. Ein Journalist gibt BMW eine Mitschuld und rät, auf eingebaute Navis ganz zu verzichten.

In der vergangenen Woche hatten Unbekannte beispielsweise sieben Autos am Westerberg aufgebrochen, alle Fahrzeuge waren BMW. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf rund 100.000 Euro. Weitere BMW wurden in den vergangenen Tagen in Lotte, Dissen und Wallenhorst aufgebrochen. In Wallenhorst und Lotte wurden neben den Navis auch die Lenkräder gestohlen.

Bei den Tätern handele es sich nach Erkenntnissen der Polizei zumeist um organisierte Banden aus Litauen. Sie kommen meistens in der Nacht, wie Polizeisprecherin Anke Hamker auf Nachfrage unserer Redaktion sagte. Das Aufbrechen und Ausbauen der Navigationsgeräte dauere oft nur wenige Augenblicke. Häufig schlagen die Täter eine Seitenscheibe ein, um so in das Fahrzeug zu gelangen.

Laut Hamker haben die Navis einen Wert zwischen 2.000 und 2.500 Euro. „Der größere Schaden entsteht den Besitzern aber oft bei den Reparaturen.“ Die Anlagen würden rabiat aus den Fahrzeugen entfernt, der Kabelbaum werde zerstört. Hamker empfiehlt, die Fahrzeuge nach Möglichkeit in eine Garage zu stellen.

Zudem könne eine Alarmanlage helfen. Alle aufgebrochenen BMW seien trotz der hochwertigen Ausstattung nicht mit einer Alarmanlage gesichert gewesen.

Absatzmarkt in China

Der Journalist Claudius Maintz hatte 2016 für Auto-Bild recherchiert, dass ein BMW-Navi den Weg von Pinneberg über Riga, Helsinki, Paris, Hongkong und Vietnam nach China genommen hatte. China sei ein riesiger Absatzmarkt für geklaute Autoteile, sagte Maintz im Gespräch mit unserer Redaktion.

Aber nicht alle Navis landen in Fernost. Auf Umwegen würden die gestohlenen Navis auch in Deutschland wieder verkauft. Im Zweifelsfall könne es also sein, dass ein bereits bestohlener BMW-Fahrer, der kein Geld mehr für ein neues Gerät ausgeben möchte, sein altes Navi noch einmal erwirbt. „Das ist ein Teufelskreis“, sagte Maintz.

Hersteller tun zu wenig

Seiner Ansicht nach tun BMW und andere Hersteller viel zu wenig, um ihre Kunden vor Diebstahl zu schützen. Im Selbsttest sei es ihm gelungen, ein BMW-Navi in knapp 20 Sekunden mit einem einfachen Akkuschrauber auszubauen: „Und ich bin kein Schrauber.“

Die Geräte seien in der Regel nur unzureichend befestigt. Zudem habe man bis vor einiger Zeit gebrauchte BMW-Navis unkompliziert freischalten können, ohne sie online neu zu registrieren. Zwar habe BMW angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen, der endgültige Beweis stehe aber noch aus.

Möglicherweise ignorierten Hersteller wie BMW die Probleme bewusst. „Mit dem Verkauf neuer Navis verdient BMW ja auch ganz gut.“ Der Journalist rät, beim Kauf von Neuwagen ganz auf ein festeingebautes Navi zu verzichten. „Stattdessen kann man sein Handy mit einem guten Navigationsprogramm ausstatten.“