Ein Artikel der Redaktion

Auf dem Weg zum Erfolg Montag: Aris Quartett erhält den Osnabrücker Musikpreis

Von Ralf Döring | 09.02.2017, 19:25 Uhr

Das Aris Quartett verbringt viel Zeit auf der Autobahn. Kein Wunder, die vier Musiker wollen sich auf dem Klassikmarkt etablieren. Deshalb spielen sie in dieser Saison 110 Konzerte –und erhalten den Osnabrücker Musikpreis.

Das Aris Quartett sitzt auf gepackten Koffern, um zehn Uhr machen sie sich auf den Weg zum nächsten Konzert. Bayreuth steht auf dem Tourplan, fünf bis sechs Stunden im roten Citroën, den Lukas Siebers Vater gestiftet hat. Tags darauf geht es nach Emmelshausen im Hunsrück, von da nach Dinkelsbühl in Mittelfranken, und dann ist es zum Glück nur ein kleiner Sprung ins Schwäbische nach Kirchberg an der Jagst, wo die vier am Sonntag spielen. Kirchberg liegt dann auch dicht an der A7, die das Quartett zurück nach Osnabrück führt. Hier erhält das Aris Quartett am Montag den Osnabrücker Musikpreis, und das geht natürlich einher mit einem gemeinsamen Auftritt mit dem Osnabrücker Symphonieorchester. Weiterlesen: Sébastian Jacot hat den Musikpreis 2016 erhalten 

Karriereschub

„110 Konzerte spielen wir in dieser Saison“, sagt Caspar Vincenz, der Bratscher des Streichquartetts, und schon im Gespräch mit den Vieren spürt man die Präsenz der jungen Musikerinnen und Musiker und den Willen, sich auf dem Klassikmarkt zu positionieren. Der Osnabrücker Musikpreis ist da ein willkommener Katalysator: Er ist einer von drei Sonderpreisen, die das Aris Quartett beim ARD-Musikwettbewerb im letzten September gewonnen hat – neben einem zweiten Preis und dem Publikumspreis beim Hauptwettbewerb. „Das ist schon ein Karriereschub“, sagt Noémi Zipperling, die zweite Geigerin. Denn bei Wettbewerben seien Agenten, Veranstalter, Kritiker da – die Institutionen, die Karrieren befördern.

Die vier harmonieren auch im Gespräch. Oft führt Sieber das Wort, der als Cellist ja auch musikalisch die Basis legt. Doch die anderen antworten genauso präzise und selbstbewusst; die vier ergänzen sich auch im Gespräch zu einem perfekten Team. Wie in einem guten Streichquartett. „In den Proben diskutieren wir auch mal heiß“, sagt die erste Geigerin Anna Katharina Wildermut. Bevor die Diskussion ausufert, wird aber abgestimmt: „Probenzeit ist kostbar“, sagt Wildermut; kein Wunder bei der Zeit, die das Aris Quartett auf der Autobahn verbringt. Umso wichtiger ist es, die Probenstunden effektiv zu nutzen. Wobei den Vieren zugutekommt, dass „wir uns neben dem Beruf gut verstehen“, sagt Bratscher Caspar Vinzens. Weiterlesen: Interview mit dem Quatuor Voltaire, das auf historischen Instrumenten spielt 

Die Chemie stimmt

Zum Ensemble sind die vier mehr oder weniger zufällig geworden. Geigenprofessor Hubert Buchberger – der schon das Kammermusikfestival Classic con brio geleitet hat –hatte das richtige Gespür und hat die vier Jungstudierenden an der Musikhochschule Frankfurt zusammengebracht. „Wir sind zusammen da reingewachsen“, sagt Sieber, und in gleichem Maß ist die Freundschaft gewachsen – sonst wären die vier nicht mehr zusammen, sagt Zipperling.

Bei aller stimmigen Chemie müssen allerdings auch alle die gleiche künstlerische Basis teilen. Die vier haben ihr Klangideal gefunden und haben ähnliche Vorlieben bei der Programmgestaltung. Mozart, Kurtág, Mendelssohn kombinieren sie, oder Bartók und Beethoven. Was auffällt: Immer gehört ein Komponist des 20. Jahrhunderts dazu. Gern spielt Aris auch Werke lebender Komponisten, Jörg Widmann etwa. „Es ist spannend mit Komponisten zu arbeiten“, sagt Sieber. Am Montag spielen sie jedoch saftiges 19. Jahrhundert: das Quartettkonzert a-Moll für Streichquartett mit Begleitung des Orchesters op.131 von Louis Spohr. Eine Wahl, die relativ leicht gefallen sein dürfte: Die Auswahl an Werken für Streichquartett und Orchester ist nicht uferlos groß. Weiterlesen: Das Aris Quartett musiziert mit Kindern vom Rosenplatz-Hort