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Auch Schal geraubt? Prozess vor dem Amtsgericht Osnabrück: Faustschlag gegen Werder-Fan „aus einer Laune heraus“

Von Thomas Wübker | 18.07.2012, 06:58 Uhr

Zwei Schalker Fans standen jetzt vor dem Osnabrücker Amtsgericht, weil sie Anhänger von Hannover 96 und von Werder Bremen im Zug zwischen Bohmte und Osnabrück bedroht und ihnen die Fan-Schals weggenommen haben sollen. Einer der Schalker hat vor Gericht zugegeben, den Werderaner geschlagen zu haben. Dessen Schal ist jedoch unauffindbar. Das Urteil wird am 31. Juli gesprochen.

Am 16. April spielte Schalke 04 bei Werder (1:1) und 96 beim HSV (0:0). Einige Fans der Schalker, Bremer und Hannoveraner saßen gemeinsam im Regionalzug von Bremen nach Osnabrück. Zu den Königsblauen gehörten auch ein 27-Jähriger aus Hagen und ein 24-Jähriger aus Hamm. Sie hätten den ganzen Tag über „einige Liter Bier und Wodka“ getrunken, wie einer der beiden Angeklagten vor Gericht erzählte. Auf der Rückfahrt seien die beiden Männer durch ein Abteil des Regionalzugs gegangen und dabei auf einen 26-jährigen Fan von Hannover 96 gestoßen – mit einem Schal um das Handgelenk und einen anderen um seinen Hals gebunden. Die Schalker hätten an beiden Schals gerissen. „Ich hatte Probleme, Luft zu bekommen“, sagte der 96-Fan vor Gericht. Durch das Eingreifen von Mitreisenden sei Schlimmeres verhindert worden. Anschließend habe er einen Tag lang Verspannungen am Hals gehabt.

Die beiden Männer aus Hamm und Hagen hätten ihre Suche im Zug fortgesetzt und einen 28-jährigen Werder-Fan aus Herford gefunden, der allein in einer Sitzreihe gesessen und Musik gehört habe. Von den beiden Männern, die er vor Gericht „hundertprozentig“ wiedererkannte, sei er gefragt worden, ob er seinen Schal oder sein Trikot abgeben wolle. Als er beides verneint habe, hätten die Männer an seinem Schal gezerrt und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Eine Verletzung hat er nach eigener Aussage nicht davongetragen. Der Werder-Schal sei ihm aber weggenommen worden, sagte der 28-Jährige.

Als der Zug in Osnabrück im Hauptbahnhof gehalten habe, hätten sich die beiden Opfer an zwei Polizisten gewandt und berichtet, was vorgefallen sei. Sie wollten Anzeige erstatten. Kurz nach ihnen seien die Schalker ausgestiegen. Die Polizisten hätten die Personalien der beiden vermeintlichen Täter aufgenommen und sie dann weiterziehen lassen. Nach dem Schal hätten sie nicht gefragt. Auf die Frage des Richters an einen der beiden Polizeibeamten, warum dies nicht geschehen sei, antwortete der: „Der Schal war für mich in dem Moment nebensächlich.“ Es sei für ihn wichtiger gewesen, die Situation zu beruhigen.

Während einer der beiden Angeklagten sagte, er könne sich aufgrund seines Alkoholkonsums an nichts erinnern, gab der andere zu, den Werder-Fan ins Gesicht geschlagen zu haben. „Das war eine dumme Aktion aus einer Laune heraus“, sagte der 24-jährige Schalke-Fan. Den Schal des Werderaners hätten sie nicht als Trophäe haben wollen. „So was interessiert uns nicht.“ Dass sie auch den Fan von Hannover 96 attackiert hätten, daran konnten sie sich nicht erinnern.

Der Prozess wird am 31. Juli um 13.30 Uhr in Saal 206 fortgesetzt. Dann sprechen Verteidiger und Staatsanwältin ihre Plädoyers und der Richter sein Urteil.