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Auch Rufnamen und Ortsnamen können zugrunde liegen Kam der erste „Schwabe“ aus dem Schwabenland?

Von Winfried Breidbach, Winfried Breidbach | 17.06.2018, 15:25 Uhr

Neue-OZ-Leser Georg Schwabe aus Lohne nimmt an, dass sein Vorfahr aus dem Schwabenland kam. Mit knapp 12000 Personen ist Schwabe ein sehr häufiger Nachname, der zwar in allen Regionen, überwiegend aber in der nördlichen Hälfte Deutschlands anzutreffen ist.

Neue-OZ-Leser Georg Schwabe aus Lohne nimmt an, dass sein Vorfahr aus dem Schwabenland kam. Mit knapp 12000 Personen ist Schwabe ein sehr häufiger Nachname, der zwar in allen Regionen, überwiegend aber in der nördlichen Hälfte Deutschlands anzutreffen ist. Die drei stärksten Nester zeigen sich in den Städten Berlin und Hamburg sowie im sächsischen Vogtlandkreis. Der Familienname Schwabe findet sich auch in allen Nachbarländern, ist dort aber recht selten. Die Schreibvariante Schwaabe weist rund 100 Namensträger auf. Deutlich häufiger ist die einsilbige Namensform Schwab, die aus Schwabe verkürzt ist: 29000 Personen in Deutschland, 5200 in Österreich, 6700 in der Schweiz.

Auch wenn man bei Schwabe sofort an den Volksnamen der Schwaben denkt, konnte der Familienname doch auf verschiedenen Wegen entstehen. Zunächst ist in der Tat daran zu denken, dass sich der Name auf den Volksnamen bezieht. Dann kann ein echter Herkunftsname vorliegen, bezogen auf denjenigen, der aus dem Schwabenland kam. Alternativ ist damit zu rechnen, dass jemand den Beinamen erhielt, weil er bestimmte Beziehungen zu Schwaben hatte, etwa als Kaufmann, der Handelsbeziehungen in den Südwesten unterhielt.

Der Volksname wurde auch als Namenwort in altdeutschen Rufnamen verwendet. Dies waren Namen wie Swabbreht, Swabger, Swabheri, Swabolt, Swabwin, Swabulf, die sämtlich seit Jahrhunderten ausgestorben sind. Der gemeinsame Kurzname dieser Rufnamen lautete Swabo, der seit dem 8. Jahrhundert bezeugt ist und der seit dem 9. Jahrhundert auch in verkürzten Formen wie Swab, Swap erscheint. Die Familiennamen Schwabe/Schwab können direkt mit den Rufnamen Swabo/Swab zusammenhängen. Für das niederdeutsche Gebiet kommt diese Möglichkeit wahrscheinlich nicht in Frage, da es hier nur einen einzigen Beleg eines Vollnamens mit diesem Namenwort gibt (1096 in Osnabrück „Svafhere“ = hochdeutsch Swabheri) und weil der Kurzname „Swaf“ lautete.

Der Name Schwabe konnte sich auch als Herkunftsname auf die Orte Schwabe (Schleswig-Holstein) und Schwaben (dreimal in Bayern, einmal in Sachsen) beziehen.

Weniger wahrscheinlich ist ein Zusammenhang mit der Bezeichnung „Schwabe“ für die Küchenschabe, da diese erst seit dem 16. Jahrhundert bezeugt ist. Bei dieser in mehreren Regionen verwendeten Benennung des lästigen Insekts handelt es sich um eine bewusste Entstellung des Wortes „Schabe“, wobei man an den Volksnamen dachte - so, wie die Schaben auch in einigen Gegenden „Russen“ oder „Preußen“ genannt werden.

Ältester Beleg: 1272 „Burkart der Schwabe“ (Freiburg).