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Auch Kritik bei der Eröffnung Großer Andrang beim Lückenschluss für den Haseuferweg

Von Stefan Buchholz, Stefan Buchholz | 18.06.2016, 21:06 Uhr

Der neue Teilabschnitt des Haseuferwegs zwischen der Schellenbergsbrücke und dem Seilerweg ist am Samstagmittag eröffnet worden. Gut 120 Radler aus Bissendorf und Osnabrück hatten zuvor die Strecke befahren. Auch kritische Stimmen wurden laut.

Eine bauliche Herausforderung des 2,5 Kilometer langen Radweges an der Hase waren zwei Abschnitte, die unter den Gleisbrücken der Bahn konstruiert werden mussten. Die lagen so dicht über dem Fluss, dass die Konstrukteure die neue Fahrradstrecke unterhalb des Wasserniveaus zu planen hatten.

Überschwemmung

Das führt bei größeren Überschwemmungen der Hase unweigerlich dazu, dass die Wege in den Trögen unter Wasser stehen werden. „Bei geringen Überflutungen schaffen die eingebauten Pumpen das Wasser weg“, erklärte Lutz Vorreyer bei einem Gang über die just eröffnete Route. Heißt es dagegen landunter, steht also das Wasser in den Trögen bis zum Rand oder höher, müsse „händisch abgepumpt“ werden, so Vorreyer. Nach den Schätzungen der Experten wird das bis zu zwei Mal im Jahr passieren.

Überwacht wird der Wasserstand auf dem überdachten Radweg durch Messgeräte und eine Videokamera. Deren Daten empfängt die Meldezentrale des Klärwerks, wie Vorreyer schilderte. Im Fall des Falles warnen dann rote Signallampen vor einem Befahren und Betreten der Tröge.

Weg zu schmal?

In die Freude über die Fertigstellung des neuen Abschnitts streuten Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) kritische Bemerkungen. Die Fahrbahn innerhalb der Tröge sei zu schmal geraten seien, hieß es, bei Gegenverkehr werde es eng. Vorreyer hielt technische Vorgaben entgegen. „Durch einen breiteren Radweg hätte das Flussbett schmaler werden müssen. Das ging nicht, weil der Abflusswert jederzeit gewährleisten muss, dass die Hase gleichmäßig fließt“, antwortete er. Für unwahrscheinlich hält Vorreyer auch, dass die wassergebundene Decke auf dem neuen Teilstück noch durch Asphalt ersetzt wird.

Für Berufspendler unattraktiv

Auch das stößt beim ADFC auf Bedenken. „Um zu vermeiden, dass durch die Benutzung wassergebundener Decken Spurrillen und Wasserpfützen entstehen, müssen sie gut gepflegt werden“, meinte Osnabrücks ADFC-Chef Uwe Schmidt. Und apropos gut gepflegt: Durch die jetzige Oberfläche des Radweges sei die Strecke für Berufspendler unattraktiv, sagte Schmidt, „da saut man sich doch total zu.“

Etwas ins Gelächter der anwesenden Ratspolitiker und mancher Bürger geriet bei der Eröffnungsfeier die Äußerung von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, mit dem Lückenschluss zwischen Bissendorf und der Osnabrücker City habe man jetzt schon einen Radschnellweg. Dafür sei aber noch eine Menge zu tun, hielt Guido Halfter in seinen Begrüßungsworten dagegen.

Der Bissendorfer Gemeinde-Chef, der mit einer Gruppe von 60 Radlern gekommen war, konnte sich auch einen kleinen Seitenhieb auf seinen Kollegen aus dem Oberzentrum nicht verkneifen: Griesert hatte sich im feinen Zwirn von seinem Fahrer zur Radwegeröffnung bringen lassen.

Grüne Infrastruktur

Ungeachtet der kritischen Stimmen betonte der Oberbürgermeister aber, dass mit dem neuen Abschnitt eine der letzten Lücken geschlossen sei. Das nun 17 Kilometer lange Band quer durch die Stadt diene den Bürgern per Pedes und Pedal als „grüne Infrastruktur“. Der finanzielle Aufwand von gut 900000 Euro sei gerechtfertigt, weil der Haseuferweg als „überregional ausstrahlendes Freizeitangebot einen Beitrag zur Stärkung des Kulturstandortes Osnabrück“ leiste.

Carsten Friderici vom Bürgerverein Schinkel von 1912 griff Grieserts Tourismus-Gedanken auf. Das neue Teilstück sei auch deshalb von „besonderer Bedeutung“, weil man von dort aus in östlicher Richtung über Bissendorf, die Bifurkation bei Gesmold und die Else-Werre- und Weserradwege bis nach Cuxhaven komme. „Wendet man sich nach Westen, gelangt man über die Innenstadt, den Hafen und Pye auf die Hase-Ems-Tour und weiter über den Emsradweg bis nach Emden.“