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Arrestzellen sind kein Hotel Adventstürchen-Aktion bei der Polizei Osnabrück

08.12.2015, 19:40 Uhr

Das war spannend: In der Polizeiwache am Kollegienwall haben sich am Dienstag lauter Türen für die Mädchen und Jungen der NOZ-Adventskalender-Aktion geöffnet, die sich sonst nur für solche „Besucher“ auftun, die nicht freiwillig zur Polizei kommen. Die 15 Kinder, die bei der Führung durch die Polizeiwache dabei waren, durften sich von den Arrestzellen, in denen Straftäter vorübergehend eingesperrt werden, bis zu den Räumen des Erkennungsdiensts, in denen Fotos von Tätern gemacht und ihre Fingerabdrücke erfasst werden, alles ansehen.

Anke Hamker, Pressesprecherin der Osnabrücker Polizei, führte die Kinder durch die Wache. Sie hatte einige Überraschungen für die Drittklässler auf Lager, die sich bei der Adventstürchen-Aktion unserer Zeitung für die Polizeiführung angemeldet hatten: Beim Erkennungsdienst wurde für jedes Kind ein Nachwuchs-Polizeiausweis mit einem echten Fingerabdruck angefertigt. Und weil ja bald Weihnachten ist, wurden zum Schluss noch alle mit einem Rätselheft, einem Lesezeichen und einem Stundenplan mit schönen Polizeimotiven beschenkt.

Ausweis mit „echtem“ Fingerabdruck

Für die Mädchen und Jungen war der Besuch bei der Polizei ein echtes Erlebnis. Bis auf einen Jungen hatte noch keiner der Drittklässler je zuvor eine Wache besucht. Als sich bei Beginn der Führung die Mütter und Väter verabschiedeten, die die Kinder zur Polizei gebracht hatten, war ein Mädchen erst etwas unsicher. „Alles gut, Du musst Dir keine Sorgen machen – hier kommst Du nicht weg“, meinte daraufhin die neunjährige Charlotte zu dem Mädchen. Hamker erklärte den Kindern zunächst die Aufgaben der Polizei und ging auf das Thema Notruf ein. Sie machte deutlich, dass auch Kinder die Polizei anrufen dürfen, wenn sie Hilfe brauchen oder einen Unfall oder ein Verbrechen melden wollen. „Aber man darf nicht den Hörer danebenleben oder anderen Quatsch machen“, meinte der achtjährige Oskar. „Das stimmt. Vor allem darf man nicht etwas melden, das gar nicht stimmt. So etwas ist kein Spaß“, machte Hamker deutlich.

110 niemals zum Spaß anrufen

Die Polizistin wies die Kinder weiter darauf hin, dass nicht alle Beamten Uniformen tragen, sondern dass manche so wie sie in „zivil“, also in Straßenkleidung, unterwegs sind, damit Verbrecher die Ordnungshüter nicht schon von weitem sehen. Damit sich nicht einfach jeder als Polizist ausgeben kann, haben echte Beamte einen Dienstausweis mit Foto und eine Polizeimarke dabei, die sie bei einem Einsatz vorzeigen. Als es darum ging, warum es schwierig ist, Verbrecher zu überführen, meinte ein Mädchen, dass sie sich vor der Polizei verstecken oder weglaufen oder einfach so tun als wenn sie gar nichts gemacht hätten. Hamker stimmte zu und wies darauf hin, dass es deswegen bei der Polizeiarbeit besonders darauf ankommt, Spuren wie Finger- oder Fußabdrücke zu sichern und damit die Täter zu führen.

Zellen sehen gar nicht schön aus

Anschließend besichtigten die Mädchen und Jungen den Wachraum, in dem auf mehreren Monitoren die Bilder von Überwachsungskameras zu sehen sind, die am Bahnhof, am Neumarkt sowie an anderen Stellen in der Stadt hängen. Anschließend ging es in den Keller zu den zwölf Arrestzellen. „Das sieht aber mies aus“, entfuhr es Oskar als sich die Tür zum Zellentrakt geöffnet hatte. „Das ist ja auch kein Hotel hier“, machte Hamker deutlich. Die zwölf Zellen sind nur mit einem Podest und einer Matratze eingerichtet. Wenn Straftäter darin eingesperrt werden, müssen sie vorher die Schuhe ausziehen und andere Gegenstände wie Feuerzeuge oder Schlüssel abgeben. Warum das so sei, fragte ein Mädchen. „Damit sie sich damit nicht verletzen“, erklärte Hamker.

Ganz anders als im Fernsehen

Anschließend durften sich die Kinder noch einen Streifenwagen ansehen. Die Jungen hätten gerne eine Spritztour darin gemacht – aber da Polizeiautos ja nun einmal nicht zum Spaß da sind, blieb dieser Wunsch unerfüllt. Letzte Station des Rundgangs war der Erkennungsdienst, wo Hamker u.a. erklärte, dass Fingerabdrücke ein besonders guter Beweis zum Überführen eines Verbrechers sind, da sie bei jedem Menschen einzigartig sind. Als sie deutlich machte, dass die Polizei viel akribische Kleinarbeit erledigen muss, bis ein Verbrecher überführt ist, meinte ein Junge, dass das im Fernsehen ganz anders aussehe. „In Wirklichkeit ist Polizeiarbeit ganz anders als im Fernsehen, sagte Hamker. „Wir machen nicht ständig Verfolgungsjagden und es explodiert auch nicht laufend etwas“, sagte sie.