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ARD und ZDF im Wettstreit TV-Sender buhlen um Helene Fischer und Andrea Berg

Von Stefan Alberti | 28.06.2014, 10:30 Uhr

Kommt der gute alte deutsche Schlager im Fernsehen zu kurz? Eine klare Antwort darauf wird es wohl nie geben. Der eine fühlt sich mit jeder Sendeminute aus diesem Genre belästigt. Der andere kann gar nicht genug davon bekommen. Fakt ist, dass der Markt derzeit von zwei deutschen Schlagerköniginnen aufgemischt wird. Helene Fischer und Andrea Berg müssen nirgendwo anklopfen und als Bittstellerinnen auftreten. Die Sender wollen sie am liebsten gleich im Doppelpack.

Beim Werben um die beiden Publikumslieblinge hat aktuell das ZDF offensichtlich die besseren Karten. Am Samstag, 26. Juli, 20.15 Uhr, heißt es bei den Mainzelmännchen zur besten Sendezeit „Andrea Berg – Heimspiel“ – ein 150-minütiger Zusammenschnitt zweier Open-Air-Konzerte am 18. und 19. Juli in Aspach, der Heimat der 48-Jährigen. Dabei war es doch die ARD, die im vergangenen Jahr noch „Andrea Berg – Die 20-Jahre-Show“ ausgestrahlt hatte. Und ja, auch die ARD hatte in den Jahren 2011 und 2012 das quotenreiche Vergnügen, jeweils am ersten Weihnachtstag die „Helene-Fischer-Show“ ausstrahlen zu dürfen. 2013 wechselte die fast 30-Jährige (am 5. August feiert sie ihren runden Geburtstag) mit ihrer Weihnachtsshow zum ZDF. Ende des Jahres feiert die schöne Helene wieder im Zweiten Weihnachten. Wenn es nach den Programmverantwortlichen auf dem Mainzer Lerchenberg geht, soll die Blondine demnächst noch viel mehr zu sehen sein. „Alles ist möglich“, sagt ZDF-Sprecher Stefan Unglaube, ohne sich konkreter in die Planungskarten schauen zu lassen.

Und was sagt der vermeintliche Verlierer? „Es freut mich, dass das Zweite Deutsche Fernsehen sich nach der zweimaligen erfolgreichen Ausstrahlung der Helene-Fischer-Show im Ersten und der einmaligen ebenfalls erfolgreichen Ausstrahlung einer Andrea-Berg-Show zum Ziel gesetzt hat, innovativ das ZDF-Programm musikalisch zu bereichern“, sagt Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung. Von wegen, Verlierer: „Gleichwohl ist Helene Fischer auch im Ersten präsent: Sie war in den Jahren 2013 und 2014 erfolgreich Gastgeberin des ,Echos‘ im Ersten, wir haben am 9. Mai 2013 eine Konzertaufzeichnung sowie eine 90-minütige Dokumentation über sie gesendet.“

Abseits der Diskussionen um Helene Fischer und Andrea Berg zeigen die Vertreter von ARD und ZDF Einigkeit bei der Beantwortung der Frage, ob die Fernsehzuschauer ansonsten ausreichend mit Schlagerformaten oder deutschsprachiger Musik versorgt würden. Beide sehen hier keine gravierenden Defizite. Für das Erste verweist Thomas Schreiber zum Beispiel auf die regelmäßigen Feste mit Florian Silbereisen, „die sich seit Jahren um die Förderung des deutschsprachigen musikalischen Nachwuchses im Bereich Schlager und Volksmusik verdient machen“. Darüber hinaus seien im Ersten auch Filme und Konzerte über Udo Lindenberg oder die Toten Hosen gezeigt worden. Ebenso gebe es den „Musikantenstadl“, „zeitgenössische deutsche Musik wird nicht nur durch den ,Echo‘, sondern auch durch ,New Pop Festival – Das Special‘ abgebildet“.

Stefan Unglaube zieht für das ZDF die Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ mit drei Ausgaben jährlich plus dazugehörige Sondersendungen heran, ferner den mittlerweile mehr als 20-mal immer am Sonntagvormittag gesendeten „ZDF-Fernsehgarten“ sowie die daran anlehnenden Herbst- und Wintersendungen.

Also kein Nachhol- oder gar Reformbedarf? Das sieht Professor Martin Lücke von der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (München) etwas anders. Nach Meinung des Experten in Sachen Entwicklung der Schlagermusik in Deutschland müssen sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender noch viel breiter aufstellen – teilweise seien abgesetzte Formate („Marianne und Michael“) nicht ersetzt worden. Mit den von den Sprechern angeführten Shows und Sendungen sei auch nur mit Einschränkungen ein etwas jüngeres Publikum ins Boot zu holen. Andererseits könne er gerade vor diesem Hintergrund sehr gut den Senderkampf um Andrea Berg und noch mehr um Helene Fischer als die derzeit erfolgreichen Köpfe der Branche nachvollziehen, erläutert Martin Lücke weiter. Eine Helene Fischer spreche mit ihren Allrounder-Qualitäten unterschiedliche Zielgruppen an, „das Risiko eines Flops ist sehr gering“. Der Fachmann sagt aber auch dies: „Helene Fischer ist omnipräsent. Die Verantwortlichen müssen aufpassen, dass dies nicht zur Ermüdung des Publikums führt.“

Schließlich liefert der Experte auch seine Schlager-Definition: „Ein deutscher Schlager ist ein kommerziell erfolgreiches Musikstück.“ Aha. Demzufolge gehören dann auch Songs von Herbert Grönemeyer, den Sportfreunden Stiller oder von Silbermond zur Branche. Wie eingangs schon erwähnt: Der Schlager wird auch noch in vielen Jahren Mittelpunkt etlicher Diskussionen sein.

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