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Antworten auf „letzte Fragen“ Tag des Friedhofs informierte in Osnabrück rund um das Thema Abschied nehmen

Von Matthias Liedtke | 12.09.2011, 14:05 Uhr

Antworten auf „letzte Fragen“ rund um die Themen Abschiednehmen, Trauer und Erinnerungspflege geben war eines der Anliegen des von der Friedhofsverwaltung des Osnabrücker Servicebetriebs rund um den Dom als historische Begräbnisstätte veranstalteten Tags des Friedhofs.

„Die Erfahrung hat gezeigt, dass es beruhigend und entlastend ist, sich bereits vor dem Eintreten eines Todesfalls mit dem Thema auseinanderzusetzen“, unterstreicht Friedhofsverwalterin Eva Güse Motiv und Dringlichkeit einer entsprechenden Aufklärung. „Der Einfluss kirchlicher Traditionen auf den Umgang mit Tod und Trauer“ werde zunehmend geringer, bemerkt Domdechant Heinrich Plock in seinem Grußwort. Dabei sei die Kirche nachweislich in der Lage, nicht nur „ihren Beitrag zur Bestattungskultur anzubieten“, sondern auch eine gegen „Erinnerungsverbote“ gerichtete „Erinnerungskultur zu pflegen“. Da der Friedhof ein „Ort der Erinnerung“ sei, bedeute Grabpflege eben auch bewusste Erinnerungspflege nach dem Abschiednehmen.

„Ebenso wie das Gefühl der Trauer gehört auch Abschiednehmen, das bereits bei der Geburt mit dem Abschied aus dem Schutz des mütterlichen Bauches beginnt, zum Leben dazu“, sagt Annette Finke, Psychologin an der Beratungsstelle der Osnabrücker Krebsstiftung. In ihrem Vortrag „Wie trauern Kinder?“ erörterte sie, dass Kinder ein Verständnis für die „Endgültigkeit“ des Todes erst im Vorschulalter entwickeln. „Schuld-Fantasien“ würden dann im Angesicht des Todes nahestehender Menschen aber häufig durch „Allmachts-Fantasien“ kompensiert, die eine Vermeidbarkeit des Sterbens suggerieren. Nicht selten seien Kinder und Jugendliche zwar überfordert und zögen sich auch zurück, stellten andererseits aber auch genau die existenziellen Fragen, die Erwachsene nicht auszusprechen wagten.

Deshalb sollten Kinder in ihrer Trauer wahr- und ernst genommen und ihnen ein aktives Abschiednehmen bis hin zu ihrer Einbeziehung in Planung und Gestaltung des Begräbnisses ermöglicht werden, empfiehlt Finke. Selbst der Anblick des Verstorbenen sei nicht nur zumutbar, sondern mitunter auch Trost. Denn damit werde sichtbar, dass nur noch die Hülle da sei und die Seele entschwunden. Das fördere die Zuversicht.

Sterben gehört nicht nur zum Leben, sondern ist sogar das Einzige, was im Leben sicher ist. Diese für die meisten von uns unvorstellbare Tatsache hat der Tag des Friedhofs ein Stück weit mehr fassbar gemacht.

Steinmetzbetriebe und Friedhofsgärtnereien demonstrierten ihr Handwerk und die Vielfalt der Grabsteingestaltung und Grabbepflanzung. Das Osnabrücker Hospiz, Vertreter der Kirchen und der Friedhofsverwaltung stellten die unterschiedlichen Möglichkeiten der Sterbebegleitung, Trauerarbeit und Bestattung vor. Ein Büchertisch, Spielaktionen für Kinder, ein lyrisches und musikalisches „Stück Himmel zum Mitnehmen“, Führungen durch den Dom als Begräbnisort, zu den Bischofsgräbern auf dem Domherrenfriedhof und über den Hasefriedhof rundeten das Programm ab.