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Angsträume in Osnabrück Ist die Unterführung Bruchstraße/ Hamburger Straße ein Brennpunkt?

Von Sven Kienscherf, Sven Kienscherf | 12.01.2017, 07:30 Uhr

Die Unterführung Bruchstraße/Hamburger Straße wird von Lesern oft genannt, wenn es um Angsträume geht. Aber ist die Gegend aus polizeilicher Sicht ein Brennpunkt? Die Unterführung hinter dem Hauptbahnhof führt unter anderem zum Club „Kleine Freiheit“ und wird oft von Nachtschwärmern genutzt.

Die Frage, ob die Gegend gefährlich ist, beantwortet die Polizei klar mit einem Nein. Aus polizeilicher Sicht ist der Bereich Hamburger Straße/Bruchstraße kein besonders auffälliger Bereich. (Wie gefährlich ist der Osnabrücker Hasepark?) 

Vom Januar 2014 bis Dezember 2016 hat die Polizei im Bereich Hamburger Straße und Bruchstraße zusammen 356 Straftaten registriert. Die Zahlen bewegten sich in den vergangenen Jahren leicht nach unten. 2014 waren es 128 angezeigte Straftaten, 2015 waren es 126 und bis 2016 waren es bis zum 19. Dezember 102 Delikte, die angezeigt wurden.

45 vorsätzliche Körperverletzungen

Der Großteil der Straftaten ereignete sich mit 283 Delikten in der Hamburger Straße, in der Bruchstraße waren es 73. Darunter fallen auch Delikte wie unbefugter Gebrauch von Kraftwagen und Fahrraddiebstahl. (Weiterlesen: Muss man sich im Dunkeln im Schlossgarten fürchten?) 

45 vorsätzliche Körperverletzungen in den gut drei Jahren zählt die Polizei in der Hamburger Straße, in der Bruchstraße waren es 8. Für den Zeitraum hat die Polizei in beiden Straßen jeweils eine sexuelle Nötigung verzeichnet.

„Viele Leute unterwegs“

Darüber, wo die Straftaten genau stattfanden, geben die Zahlen zwar keine Auskunft. Die körperlichen Auseinandersetzungen fänden aber größtenteils im Umfeld von Diskotheken statt, wie Polizeisprecher Frank Oevermann sagt. „Dort sind am Wochenende viele Leute unterwegs, es wird Alkohol getrunken.“ Ein Hotspot seien die Clubs an der Hamburger Straße nicht. Das Gleiche lasse sich auch im Umfeld von anderen Diskotheken in der Stadt beobachten, so Oevermann.

Spontan verübte Straftaten

Zwei sexuelle Nötigungen und fünf Anzeigen wegen Raubs hat die Polizei für den Bereich Hamburger Straße/Bruchstraße im Zeitraum von fast drei Jahren aufgenommen. Viele Nachtschwärmer gehen unter der Unterführung hindurch, die die Bruchstraße mit der Hamburger Straße verbindet. Foto: Jörn Martens

Bei den Raubdiebstählen handele es sich in der Regel um spontan verübte Straftaten. „Ein Täter sieht ein Opfer und wittert eine günstige Gelegenheit“, sagt Oevermann. „Bei Raubstraftaten handelt es sich ganz selten um geplante Aktionen. Da stellt sich keiner hin und wartet zwei Stunden auf ein potenzielles Opfer.“

Wie im Krimi

Woran liegt es dann, dass sich Menschen trotz unauffälliger Kriminalitätsstatistik dort unwohl fühlen? Am Licht in der Unterführung kann es nach Ansicht der Stadtwerke jedenfalls nicht liegen. Die Beleuchtung haben die Stadtwerke nach eigener Auskunft bereits Anfang 2013 verbessert. Sie sei nach Maßstäben der Stadtwerke ausreichend, sagt Sprecher Marco Hörmeyer. Er räumt aber ein: „Die öffentliche Straßenbeleuchtung wird von den Menschen sehr unterschiedlich und somit immer subjektiv wahrgenommen.“

Der Wissenschaftler Prof. Manfred Rolfes hat eine mögliche Erklärung. Er unterrichtet Regionalwissenschaften und Angewandte Humangeographie an der Universität Potsdam. Auch Film und Fernsehen beeinflussten die Wahrnehmung, sagt er. „Krimis fangen damit an, dass jemand durch eine Unterführung läuft und verfolgt wird.“ Daher empfänden viele Menschen Unterführungen in der Dunkelheit per se als unsicher.