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Als städtische Mitarbeiter ausgegeben Amtsgericht Osnabrück spricht mutmaßliche Trickdiebe frei

Von Ulrich Eckseler, Ulrich Eckseler | 13.02.2017, 13:29 Uhr

Aus Mangel an Beweisen hat das Amtsgericht Osnabrück vier Männer aus Bremen und Leer freigesprochen. Sie waren als Trickdiebe angeklagt worden, weil sie sich als städtische Mitarbeiter ausgegeben haben sollen, um ältere Damen zu bestehlen.

Konkret ging es um zwei Vorfälle, die sich am 3. März 2015 ereignet haben. Gegen 12.55 Uhr traf ein Mann vor der Wohnung einer 76-jährigen Osnabrückerin auf die Seniorin. Er erzählte ihr, Mitarbeiter des Bauamtes zu sein. Es habe einen Rohrbruch gegeben, und er müsse nun die Leitungen in der Wohnung überprüfen. „Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee kommen konnte, darauf einzugehen“, resümierte die 76-Jährige nun als Zeugin. Doch sie habe den Unbekannten in ihre Wohnung gelassen.

Im Bad drehte der Mann das Wasser auf. Es sei Lebensmittelfarbe in den Kreislauf gefüllt worden, behauptete er, und wenn sich das Wasser rot und blau färbe, sei mit den Leitungen wieder alles in Ordnung. „Der Mann musste zwischendurch immer wieder weg“, erinnerte sich die 76-Jährige nun vor Gericht. Er habe dann vorgegeben, zu seinem Kollegen in den Keller zu gehen. Sie solle derweil aufpassen, ob sich das Wasser wie angekündigt einfärbe. Rund eine Viertelstunde verbrachte die Frau damit, den Wasserstrahl zu beobachten. In der Zwischenzeit durchsuchte der Unbekannte die Wohnung. Als die Seniorin schließlich misstrauisch wurde, fand sie Schlafzimmer und Küche, wie sie sagte, „überall durcheinander“ vor. Ihr seien 50 Euro, drei Broschen, zehn Ringe und Lederarmbänder abhandengekommen.

Zu einem zweiten, ähnlichen Vorfall kam es am selben Tag gegen 14 Uhr in der Rosemannstraße, einer Seitenstraße der Meller Straße. Hier war es ein vermeintlicher Mitarbeiter der Stadtwerke, der einer 81-Jährigen auftrug, das Wasser im Bad im Auge zu behalten. „Der hat immer telefoniert“, gab die Seniorin als Zeugin vor Gericht an. Zunächst habe sie die Brause in die Hand genommen, sich dann jedoch dafür entschieden, dem Mann hinterherzugehen. Dadurch sei der Diebstahl laut Anklage letztlich gescheitert. Ein Anwohner beobachtete zur Tatzeit zwei Personen in der Nähe des Hauses, die ihm „suspekt“ vorkamen. Als der Zeuge dann in das Haus ging, stieß er am unteren Treppenende auf einen weiteren Mann, der angab, Zeitungen zu verkaufen. Später kam ihm von oben noch ein weiterer Unbekannter entgegen, woraufhin der Mann endgültig misstrauisch wurde und die Polizei rief.

Einen Tag später wurden die vier Angeklagten wegen eines ähnlichen Verdachtes in Mettmann festgenommen. In ihrem Mietwagen wurde auch eine Brosche gefunden, die möglicherweise der 76-Jährigen aus Osnabrück gehört. Die Verteidigung bemängelte aber, dass das Stück nicht näher beschrieben worden sei, und es sich um ein „Allerweltsschmuckstück“ handle. Eine Tat werde nicht durch den Fund einer Brosche in einem Mietwagen nachgewiesen, argumentierten sie. „Wir wissen ja noch nicht einmal, wer sie gehabt haben soll.“ Die Angeklagten selbst nutzten ihr Recht, keine Angaben zur Sache zu machen.

Ihnen kam letztlich zugute, dass keiner der Zeugen sie zweifelsfrei mit den Vorfällen in Verbindung bringen konnte. Auch habe ein „anderes Team“, so der Richter, am Tattag den Mietwagen fahren können. Die vier Männer waren also – nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ – freizusprechen.

In Osnabrück kommt es immer wieder zu ähnlichen Trickbetrügereien. Im letzten Jahr zum Beispiel am Kalkhügel oder an der Kommenderiestraße . Hinweise zu solchen Fällen nimmt die Polizei unter den Telefonnummern 0541/327-2115 oder 0541/327-3203 entgegen.