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Aktion der Amnesty-Gruppe Briefmarathon in Osnabrück für mehr Menschenrechte

Von Hendrik Steinkuhl | 11.12.2015, 17:38 Uhr

In jedem Dezember lässt Amnesty International weltweit hunderttausende Briefe schreiben, um Solidarität mit Menschen auszudrücken, deren Freiheitsrechte unzulässig eingeschränkt werden. Auch die Osnabrücker Gruppe hat sich beteiligt und warb vor dem Remarque-Friedenszentrum um Briefeschreiber.

Seit 2008 sitzt Teodora del Carmen Vásquez in El Salvador als zu 30 Jahren Haft verurteilte Mörderin im Gefängnis – laut Amnesty International, weil sie eine Fehlgeburt erlitten hat. „Hintergrund ist das in ihrem Land geltende Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich verbietet und Frauen, die Fehlgeburten erleiden, grundsätzlich unterstellen, sie hätten einen heimlichen Schwangerschaftsabbruch unternommen.“ So steht es in dem Brief, den Amnesty International vorformuliert hat und den nun auch Menschen aus Osnabrück unterschreiben und abschicken konnten.

Fünf Fälle für Osnabrück ausgewählt

„Wir haben aus dem weltweiten Briefmarathon fünf Fälle ausgewählt, die wir den Leuten hier vorstellen“, sagte Annika Schimmelpfennig, die Sprecherin der Osnabrücker Amnesty-Gruppe. Entschieden wurde gemeinsam mit der hiesigen Hochschulgruppe, die an einem Stand in der Mensa um Briefeschreiber warb.

Da die Hochschulgruppe sich auch gerne für das Schicksal eines Studenten einsetzen wollte, wählte man außerdem den Musterbrief für die Studentin Phyoe Phyoe Aung aus. Die junge Frau ist laut Amnesty seit März dieses Jahres inhaftiert, weil sie an einer friedlichen Demonstration gegen ein neues Bildungsgesetz teilgenommen hatte.

Die Amnesty-Briefe, die nun aus Osnabrück in die ganze Welt gehen, sind interessanterweise alle auf Deutsch verfasst. „Die Amnesty-Zentrale stellt die Briefe natürlich auch in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung“, sagt Annika Schimmelpfennig, „aber wir haben uns entschieden, die Briefe auf Deutsch zu verschicken. Dann muss der Brief erst übersetzt werden, es ist also noch eine weitere Person damit beschäftigt.“

Tausende Briefe sind schwer zu ignorieren

Das inoffizielle Motto des Amnesty-Briefmarathons lautet übrigens: „Ein einziger Brief, der die Einhaltung der Menschenrechte verlangt, wird vielleicht ungelesen weggelegt. Aber Tausende sind wesentlich schwieriger zu ignorieren.“

Die Osnabrücker Bürger wurden von den Amnesty-Mitarbeitern vor dem Remarque-Friedenszentrum am Markt angesprochen – und damit mitten auf dem Weihnachtsmarkt. Zwischen Grillschinken, Baguettes und Glühwein versuchten die freiwilligen Helfer die Menschen davon zu überzeugen, sich in dieser Form für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen.

Nächstes Jahr Wettbewerbs-Charakter

Die größte Herausforderung dabei: die Passanten dazu zu bewegen, nicht nur zu unterschreiben, sondern auch ihre Adresse einzutragen. „Amnesty hat aber zum Glück einen guten Leumund, die meisten Leute wissen, dass wir die Adressen nicht wie andere Organisationen weitergeben“, sagte Sabine Uptmoor.

Grob geschätzt rund 100 Amnesty-Briefe werden von Osnabrück aus in den nächsten Tagen in Länder wie El Salvador oder Myanmar geschickt. Für das kommende Jahr soll die ganze Aktion dann laut Sprecherin Annika Schimmelpfennig noch einen Wettbewerbs-Charakter bekommen. „Wir wollen in einem Derby mit der Münsteraner Gruppe ermitteln, wer mehr Briefe zusammenbekommt.“