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Ahorn vor H&M wird gefällt Bäume an der Osnabrücker Neumarkt-Baustelle in Gefahr

Von Sebastian Stricker | 05.04.2015, 10:02 Uhr

Jahrzehntelang prägte ein haushoher Ahorn vor H&M das Bild eingangs der Osnabrücker Fußgängerzone. Im Herbst wird er gefällt. Auch eine mächtige Platane an der Ecke Große Hamkenstraße ist in Gefahr. Beide Bäume dienen der örtlichen Werbegemeinschaft zur Weihnachtsbeleuchtung.

Schattenspender im Sommer, Lichtermeer im Winter: Im Bewusstsein vieler Osnabrücker sind die beiden stattlichen Laubhölzer am Neumarkt-Carrée fest verwurzelt. Doch schon im November, als die Bauarbeiten zum Tunnelabbruch nach längerer Pause fortgesetzt wurden, sah Frank Otte schwarz für den Solitär vor dem Schaufenster der schwedischen Modekette.

Zwar sei es „im Augenblick nicht geplant, den Baum zu fällen“, erklärte der Stadtbaurat damals. Er habe jedoch „große Bedenken, ihn erhalten zu können“. Denn wahrscheinlich werde es beim Rückbau der Neumarkt-Passage nötig, tragende Wurzeln zu kappen. Falls das die Standsicherheit gefährdet, müsse der Ahorn wohl oder übel weichen.

Betonkübel zu eng

Nun scheinen die Tage gezählt. Zwar ist es den Bauarbeitern bislang gelungen, den Baum zu verschonen. Wie Projektleiter Lutz Vorreyer unserer Redaktion auf Nachfrage sagte, mache aber die geplante Verlegung von Leitungen im Bereich von Baulos 2 ein Abholzen unumgänglich. „Der Baum hat ja nicht nur in seinem Betonkübel gewurzelt, sondern auch ringsum.“ Somit sehe er „keine Chance“, ihn zu retten. Die Säge werde allerdings erst im Herbst kreisen, kündigte Vorreyer an. Solange könnten sich die Menschen noch am Anblick des Ahorns erfreuen.

Ähnliches gilt für eine Platane vor der Bäckerei Coors am anderen Ende des Neumarkt-Carrées. Auch sie steht wegen der Platzumgestaltung auf dem Spiel. Denn laut Vorreyer muss an dieser Ecke eine Aufzugsanlage deinstalliert werden, was Arbeiten im Erdreich erfordere. Dabei könne der Baum mit der charakteristischen Camouflage-Rinde und den kugeligen Früchten so großen Schaden nehmen, dass er eines Tages umkippt. „Wir möchten den Baum unbedingt erhalten, denn wie die übrigen Bäume trägt er maßgeblich zum Aussehen des Neumarkts bei. Aber wir dürfen auch hier kein Risiko eingehen.“

Lichterketten raus

Offen ist zudem, was mit der Weihnachtsbeleuchtung geschieht, die sich seit Jahren dauerhaft sowohl in der Platane als auch im Ahorn befindet. Die dicksten Äste sind mit schier endlos langen Kabeln umwickelt, an denen Tausende von Glühbirnen hängen. Unterhalb der Kronen sind Trafos angebracht. Dergestalt präpariert, dienen beide Bäume der Werbegemeinschaft Große Straße immer in der Zeit von Totensonntag (Ende November) bis Neujahr als stimmungsvoll illuminiertes Tor zu ihrem Wirkungsbereich.

„Wir werden die Lichterketten rausnehmen, bevor es den Bäumen an den Kragen geht“, sagt Vorsitzender Holger Bulk vom Geschäft Leder Rabe. Die Technik habe einen Wert von einigen Tausend Euro und könne vom Verein (25 Mitglieder, darunter LT) an anderer Stelle wieder eingesetzt werden. Aber wo, wenn geeignete Bäume bis hinauf zum Nikolaiort immer weniger werden? „Vielleicht machen wir was zwischen den Häusern“, überlegt Bulk – und hofft zugleich, dass am Neumarkt ein passender Ersatz gepflanzt wird. „In die Innenstadt gehört Begrünung!“