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Ärger an der Hochschule in Haste Parkchaos und Pöbeleien: Campus-Anwohner in Osnabrück in Rage

Von Sebastian Philipp, Sebastian Philipp | 02.06.2016, 17:09 Uhr

Es rumort im Osnabrücker Stadtteil Haste: Anwohner des Hochschulcampus beklagen sich über den immer weiter zunehmenden Parkdruck rund um die Hörsaalgebäude. Doch damit nicht genug: Wegen nächtlicher Sachbeschädigungen und Bedrohungen durch Partybesucher geht die Nachbarschaft jetzt auf die Barrikaden.

„Für uns ist die Grenze der Belastbarkeit überschritten“, sagt Nicole Dahlitz im Gespräch mit unserer Redaktion. Dahlitz wohnt gemeinsam mit ihrer Familie nur einen Steinwurf vom Hochschulcampus entfernt und hat sich an die Spitze der lose zusammengeschlossenen Nachbarschaft gestellt. Zwischen ihrem Haus und den Hörsaalgebäuden liegt nur die Straße Am Krümpel. Und genau das ist Teil des Problems: „In unserem Viertel herrscht ein regelrechtes Parkchaos“, sagt Dahlitz. Denn offenbar gibt es mittlerweile zwischen Bramstraße und Krümpel zu wenig Stellplätze für Anwohner und Studenten gleichermaßen.

Benehmen bleibt auf der Strecke

In ihrer Beobachtung hat sich das Problem der knappen Parkmöglichkeiten und zu vielen Autos in den vergangenen Monaten immer weiter zugespitzt. Dahlitz geht davon aus, dass steigende Studentenzahlen am Haster Hochschulstandort Kern des Problems sind – und dass sich viele der von auswärts kommenden Akademiker einen campusnahen Parkplatz in ihrem Wohngebiet suchen. Oft bleibe dabei das gute Benehmen auf der Strecke. „Hier werden Einfahrten und Behindertenparkplätze zugeparkt – und das ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn wir auf die Falschparker zugehen, werden wir angepöbelt und bedroht.“ Wenig Unterstützung haben die Anwohner bisher von Stadt und Polizei bekommen, sagt Dahlitz. (Weiterlesen: Masterplan für die Hochschule vorgestellt)

Häuser werden an Wohngemeinschaften vermietet

Der Parkdruck wird offenbar zusätzlich dadurch erhöht, dass nicht wenige der Einfamilienhäuser in den Straßen Am Krümpel, Im Hofort und in der Clemensstraße mittlerweile an Studenten-WGs vermietet werden. Das führt dazu, dass vor diesen Häusern nicht nur ein Fahrzeug steht, sondern teilweise vier und mehr. Die Geduld ist bei Dahlitz und ihren Mitstreitern aus der Nachbarschaft daher mittlerweile erschöpft. An mehreren Häusern haben die Anwohner Plakate aufgehängt, auf denen ein Ende des Parkchaos gefordert wird. (Weiterlesen: Spekulationen um das Coca-Cola-Gelände)

Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt

Mit einer Liste von mehr als 50 Unterschriften im Gepäck will die Osnabrückerin in der kommenden Woche wieder einmal das Gespräch mit Hochschulvertretern suchen. „Wir hoffen, dass dieses Mal etwas dabei rauskommt“, sagt Dahlitz. In der Vergangenheit hatten die Anwohner des Campus schon mehrfach den Kontakt gesucht. Herausgekommen sei dabei aber nichts. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilt die Hochschule mit, dass bei besagtem Termin gemeinsam nach Lösungen gesucht werden soll. Steigende Studierendenzahlen seien überdies nicht der Grund für den zunehmenden Parkdruck. Vielmehr seien die Studenten heute mobiler, heißt es vonseiten eines Hochschulsprechers. Zudem habe die Hochschule schon vor einiger Zeit 100 Stellplätze nördlich des benachbarten Gartencenters zur Verfügung gestellt. Auch Schüler der Berufsbildenden Schule Haste würden überdies das Wohngebiet zum Parken nutzen.

Pöbeleien durch Partybesucher

Zur Sprache wird bei dem anstehenden Gespräch auch noch ein anderer Aspekt kommen, der Dahlitz und Co. bewegt. Denn die erwähnten Pöbeleien ihr gegenüber beschränken sich nicht mehr nur auf den Tag. „Auf dem Campus finden abends und nachts regelmäßig Partys statt. Was sich da abspielt, ist für uns kaum noch zu ertragen“, spielt Dahlitz auf die Beleidigungen und Bedrohungen an, die sie und ihre Nachbarn immer öfter erdulden müssen. Ein vorläufiger negativer Höhepunkt, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte, ereignete sich in der vergangenen Woche. „Eine Gruppe junger Menschen, die offenbar auf dem Weg zu einer Feier auf dem Campus war, lief grölend durch unsere Straße. Ein junger Mann ist schließlich über unseren Zaun geklettert, um das Parkchaos-Plakat abzureißen“, erzählt Dahlitz. Als ihr Mann sich einmischte, kam es zu einer Rangelei und die Polizei rückte an. (Weiterlesen: Wo ist was? Hier geht es zum Lageplan von Uni und Hochschule)

Kurzfristige Lösungen

Dieser Vorfall reiht sich laut Dahlitz ein in eine Reihe von Sachbeschädigungen, Pöbeleien und Bedrohungen, die sich immer dann ereignen, wenn auf dem Campus gefeiert wird. „Das Viertel ist ein richtiger Hotspot geworden“, sagt Dahlitz. „Wir wollen niemandem verbieten zu feiern, aber es muss sich etwas Grundlegendes ändern“, so die Anwohnerin. Auch dieser Aspekt soll nach Angaben der Hochschule in der kommenden Woche zur Klärung gebracht werden. Auf Nachfrage heißt es, dass hier eine kurzfristige Lösung gefunden werden soll, die die Anwohner entlastet. (Weiterlesen: Mehr studentische Themen aus der Osnabrücker Hochschullandschaft lesen Sie im NOZ-Themenportal.)

Ideen gesammelt

Dahlitz und der Nachbarschaft geht es nicht darum, Studenten aus dem Viertel vertreiben zu wollen, sagt sie. „Aber es muss bald etwas passieren, das ein Miteinander im Viertel möglich macht. Denn so wie jetzt kann es nicht weitergehen.“ Ideen haben Dahlitz und Co. schon gesammelt – jetzt hoffen sie auf offene Ohren bei der Hochschule.