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„Adventure Hasefriedhof“ Osnabrücker Friedhof als dreidimensionales Geschichtsbuch

Von Marie-Luise Braun, Marie-Luise Braun | 25.06.2016, 11:08 Uhr

Auf dem Hasefriedhof in Osnabrück können Jugendliche und junge Erwachsene künftig mithilfe einer App und eines Heftes Stadtgeschichte auf spielerische Art entdecken – wie in einem dreidimensionalen Geschichtsbuch. Entwickelt wurde das „Adventure Hasefriedhof“ von dem Künstler und Pädagogen Jakob Bartnik.

„Wahret die Würde des Friedhofs“ steht auf einem Schild gleich am Eingang des Hasefriedhofs an der Bramscher Straße. Genau das hat auch Jakob Bartnik bewegt, als der Künstler und Pädagoge begann, sich Anfang dieses Jahres näher mit diesem Ort zu befassen, auf dem auch einige berühmte Osnabrücker Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden haben. Mit ganz anderen Augen als zuvor habe er den Friedhof besucht, nachdem Eva Güse mit der Bitte auf ihn zugekommen sei, „hier Kunst zu machen“, erzählt Bartnik vom Auftrag der Leiterin der Abteilung Friedhöfe und Bestattungswesen der Stadt.

Den Ort habe er aus Respekt vor den Toten aber nicht verändern wollen und so sei die Idee entstanden, Jugendlichen durch ein Spiel einen kreativ-künstlerischen Zugang zu verschaffen, den sie sich über eine Kombination aus Suchen, Fragen beantworten, Zahlenrätseln und Spielen erschließen können.

Symbole und prominente Verstorbene

Bei dem „Adventure“ (englisch: Abenteuer) auf dem Hasefriedhof erfahren die Teilnehmer, was manche Zeichen auf den Grabsteinen bedeuten, wie zum Beispiel nach unten gerichtete Fackeln. Die Besucher setzen sich mit dem Leben wichtiger Osnabrücker Familien auseinander, wie der Familie Gosling, die einmal am Neuen Graben eine große Schnapsbrennerei betrieben hat. Manche Fragen drehen sich um Mythologie, andere eröffnen die Möglichkeit, sich auf entspannte Weise mit dem Thema Tod zu befassen.

Erstaunt sei er wegen des Ortes gewesen, erzählt Johannes Dälken, der Vorstandsvorsitzende der Felicitas-und-Werner-Egerland-Stiftung, als die Friedhofsverwaltung mit der Bitte auf ihn zugekommen sei, dieses Projekt zu fördern. Die Stiftung unterstützt junge Menschen in den Bereichen Kunst, Kultur und Wissenschaften. „Friedhöfe haben etwas Besonderes“, sagt Dälken. Das Angebot von Jakob Bartnik sei eine gute Möglichkeit, einen Zugang zu dem Ort zu finden. Er selbst will sich in den Sommerferien mit seiner 15-jährigen Tochter auf dem Hasefriedhof auf Spurensuche begeben. Auch die Treuhandstiftung „Historisches Bewahren“ unterstützt das Angebot als Teil des Programms zum Jubiläumsjahr „150 Jahre Kapelle Hasefriedhof“.

Von Angehörigen der Zielgruppe getestet

Wie das Angebot bei jungen Leuten ankommt, wurde vor der Veröffentlichung getestet, beispielsweise mit Hilfe von Georg Abendlich. Der 16-jährige Jugendliche hat „Adventure Hasefriedhof“ samt App und Broschüre schon einmal unter die Lupe genommen. Und Eva Güse ist sich sicher, dass es sich auch für Menschen zwischen 12 und 15 Jahren eignet, sofern sie sich gern im Gelände aufhalten und knifflige Fragen beantworten.

Die Teilnahmehefte gibt es in der Tourist-Info in der Bierstraße, beim Osnabrücker Servicebetrieb in der Hafenstraße 12 und bei Blumen Kersten in der Bramscher Straße (direkt gegenüber vom Hasefriedhof). Bei diesen Adressen können die ausgefüllten Hefte auch wieder abgegeben werden – denn wer bis zum Ende dieses Jahres teilnimmt, kann Kinokarten gewinnen.