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ADFC ist optimistisch Wird Abbiegeassistent für Lkw zur Pflicht?

Von Michael Schwager | 08.05.2012, 16:08 Uhr

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ist optimistisch, dass der Abbiegeassistent für Lastwagen gesetzlich vorgeschrieben wird. Die fahrerunterstützende Technik soll die Zahl der Abbiegeunfälle mit Radfahrern deutlich verringern. Bei einem solchen Unfall war Ende März ein Osnabrücker Radler schwer verletzt worden.

Allerdings könne das Verfahren noch bis 2015 dauern, so Roland Huhn, Leiter Verkehr, Tourismus, Technik beim ADFC, nach einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium (BMVBS) in Berlin. Dort hatten sich jetzt Vertreter der Kraftfahrzeugindustrie, der technischen Prüfunternehmen, der Versicherungen und der Verkehrsverbände zu einem Runden Tisch Abbiegeassistent getroffen.

40 Prozent der Abbiegeunfälle zwischen Radlern und Lkw könnten nach wissenschaftlichen Studien mit dieser Technik vermieden werden. Der Abbiegeunfall im März an der Ecke Miquel-/Iburger Straße in Osnabrück ist die vorerst letzte einer Reihe gleichartiger Kollisionen in Osnabrück. Das Muster ist dabei immer dasselbe: Der Fahrer eines rechts abbiegenden Lastwagens übersieht den rechts neben ihm im toten Winkel geradeaus fahrenden Radler. In den vergangenen zehn Jahren starben in Osnabrück fünf Radfahrer bei derartigen Unfällen. Dazu kamen einige weitere Unfälle mit Schwerverletzten oder Radfahrern, die sich in letzter Sekunde retten konnten.

Huhn: „Bis zum Zustandekommen des Gesprächs musste der ADFC für sein Ziel ,Technische Sicherheitsmaßnahmen‘ heftig drängen.“ Nach ADFC-Briefen an Bundesverkehrsminister und Bundeskanzlerin habe das BMVBS den Abbiegeassistenten für Lkw nun zu seinem eigenen Anliegen erklärt. Keiner der anwesenden Vertreter von Verbänden und Firmen widersprach dem erklärten Ziel, den Abbiegeassistenten als gesetzliche Verpflichtung einzuführen, berichtete der ADFC-Mann.

Es habe sich jedoch auch bestätigt, dass es noch kein „fahrzeugreifes“ System gebe. Entwickelt werden soll eine zuverlässige Technik, die wirksam warnt und möglichst wenig Fehlalarme auslöst. Die Bundesanstalt für Straßenwesen unterstützt ein Forschungsvorhaben der TU Berlin und plant ein Testverfahren mit Anforderungen an das Leistungsvermögen des Abbiegeassistenten. Das soll 2015 abgeschlossen sein.

Die verpflichtende Einführung eines Abbiegeassistenten durch den EU-Gesetzgeber sei erst zu erwarten, wenn sich anwendungsreife Systeme abzeichnen und passende Prüfverfahren entwickelt sind. Die Teilnehmer erwarten eine phasenweise Einführung: erst den Abbiegeassistenten als Grundlage, als zweiten Schritt mit dem Bremsassistenten. Das war auch der Plan von Daimler beim Besuch des ADFC.

Das Ministerium favorisiert nach Einschätzung des ADFC dies und nicht die Weiterentwicklung der herkömmlichen Lösungsvorschläge wie Spiegel und die Schulung von Lkw- und Radfahrern. Martin Friewald, Unterabteilungsleiter Straßenverkehr im Verkehrsministerium, habe nach dem Runden Tisch festgehalten, dass alle Teilnehmer eine „möglichst schnelle Einführung“ unterstützten und mitwirkten, „ohne schuldhaftes Zögern“ ein verlässliches System anzubieten. „Die Frist für die Industrie läuft.“ Der Runde Tisch solle jährlich wiederholt werden, um die Industrie zu Fortschritten zu bewegen.

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