Nach Überfall im Jahr 2015 Osnabrücker Juwelier gewinnt Rechtsstreit mit Versicherung

Von Sebastian Philipp

Juweliergeschäft Thünemann am Marktplatz in Osnabrück (Niedersachsen) am 01.09.2015 nach einem Raubüberfall. Foto: David EbenerJuweliergeschäft Thünemann am Marktplatz in Osnabrück (Niedersachsen) am 01.09.2015 nach einem Raubüberfall. Foto: David Ebener

Osnabrück. Ein monatelanger Rechtsstreit zwischen einem Osnabrücker Juwelier und seinem Versicherer am hat Osnabrücker Landgericht sein vorläufiges Ende genommen. Nach einem Überfall im Jahr 2015 weigerte sich die Assekuranz, den Schaden zu regulieren. Recht bekam jetzt der Juwelier.

Konkret ging es in dem Verfahren um den Raubüberfall auf das Juweliergeschäft Thünemann am Markt. Am Vormittag des 1. September 2015 betraten zwei mit Mützen und Tüchern maskierte Männer das Ladenlokal, fesselten die beiden weiblichen Angestellten in einem der hinteren Räume und zerstörten schließlich die Vitrinen, um Schmuck und Uhren an sich zu nehmen. Die Täter wurden nie gefasst.

Hohe Schadenssumme

Für solche Fälle hatte sich Inhaber Frank Thünemann bei einem Versicherungskonzern abgesichert. Doch bis zum jetzigen Zeitpunkt – also mehr als zwei Jahre nach dem Überfall – hat der Osnabrücker Geschäftsmann noch nicht einen Cent von seiner Versicherung gesehen. Dabei handelt es sich bei der Schadenssumme um einen veritablen sechsstelligen Betrag.

Der Juwelier reichte daher schon im März vergangenen Jahres durch seinen Anwalt Klaus Kohake Klage ein, über die jetzt entschieden wurde. Im Ergebnis gab das Gericht dem Kläger im Wesentlichen recht: Die Versicherung muss den entstandenen Schaden regulieren und die bei dem Überfall entstandene Schadenssumme auszahlen. Geklagt hatte der Juwelier auf die Auszahlung der Ansprüche auf sogenanntes „Erstes Risiko“, bei der eine Versicherung im Schadensfall eine vorab vereinbarte Summe auszahlen muss.

Prozess zog sich hin

Mit dem Urteil geht ein Rechtsstreit – vorläufig – zu Ende, dessen Verlauf das Gericht über Monate beschäftigt und der sich immer wieder in die Länge gezogen hatte. Die Versicherung hatte eine Kölner Fachkanzlei mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt. Immer wieder hatten deren Anwälte im Laufe des Prozesses die Vorlage neuer Dokumente gefordert. Zwischenzeitlich äußerte die Beklagtenseite Zweifel am Schadensumfang und dem eigentlichen Versicherungsfall, untermauerte diese Behauptungen jedoch nicht. Mehrmals wurden Termine auf Antrag der Beklagten verlegt, sodass zwischen der Ursache des Rechtsstreits und dem jetzt gesprochenen Urteil mehr als zwei Jahre liegen.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Eine Auszahlung der Schadenssumme steht trotz des Urteils nach wie vor in den Sternen. Der Grund: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Versicherung kann dagegen Rechtsmittel einlegen. Im Laufe des Prozesses wurde deutlich, dass beide Seiten bei einer eigenen Niederlage in die nächste Instanz gehen wollen.