Laura Elisa Nunziante Osnabrückerin trinkt sich durch Europa und schreibt Buch darüber

Von Sven Kienscherf

Wie ticken die jungen Europäer? Die ehemalige Osnabrückerin Laura Elisa Nunziante hat es herausgefunden, in dem sie sich durch 15 Länder in Europa getrunken hat. Darüber hat sie ein Buch geschrieben. Foto: Laura Elisa NunzianteWie ticken die jungen Europäer? Die ehemalige Osnabrückerin Laura Elisa Nunziante hat es herausgefunden, in dem sie sich durch 15 Länder in Europa getrunken hat. Darüber hat sie ein Buch geschrieben. Foto: Laura Elisa Nunziante

Osnabrück. Wie ticken die jungen Europäer? Die ehemalige Osnabrückerin Laura Elisa Nunziante hat es herausgefunden, in dem sie sich durch 15 Länder in Europa getrunken hat. Darüber hat sie ein Buch geschrieben.

Nunziante hat bis zu Ihrem 19. Lebensjahr in Osnabrück gelebt. Ihr Vater ist als Gastarbeiter aus Italien nach Niedersachsen, ihre Mutter ist Deutsche. Die 31-Jährige lebt mittlerweile als Autorin und Journalistin in Berlin.

Frau Nunziante, wo in Europa trinken die Leute am meisten?

Das lässt sich schlecht sagen. In Deutschland wird ganz, ganz viel getrunken. In Moldawien wird auch ordentlich gebechert. Im Osten ist Trinken noch ein Statussymbol, da wird schon morgens das harte Zeug getrunken.

Macht es der Alkohol leichter Kontakt zu Leuten zu bekommen?

In Osteuropa gar nicht. Die Menschen sind sehr verhalten und distanziert. Alleine zu trinken ist in Westeuropa eher verschrien, im Osten ist es weit verbreitet. Es ist schwer, sich einfach dazuzusetzen und zu reden. Man kriegt wenig aus den Leuten raus. Das Misstrauen gegenüber Fremden stammt vermutlich noch aus der Zeit des Kommunismus.

Wie sind Sie bei Ihrer Recherche vorgegangen? Wie haben Sie Leute zum Trinken gefunden?

Wenn ich Städten wie Krakau oder Amsterdam angekommen bin, habe ich mich Pubcalls angeschlossen, wo man in einer Gruppe verschiedene Kneipen besucht. Ansonsten bin ich alleine in Bars gegangen und habe gesagt, ,lass uns mal was trinken‘.

Haben Sie als Frau unangenehme Erfahrungen gemacht?

Wenn man als Frau alleine reist, ist man manchmal Freiwild. Man kommt mit einem Mann ins Gespräch, man trinkt was und später heißt es, ,was machen wir jetzt?‘. Offenbar werden da Erwartzungen geweckt. Zwei, dreimal sind Männer zudringlich geworden. In Polen ist einmal eine Situation gekippt, als ein Mann mich als Nazi beschimpft hat, nachdem wir getrunken haben. Das war ein einschneidender Moment.

Was verbindet die Europäer über das Trinken hinaus?

Ich war überrascht, das bei jungen Menschen Werte wie Sicherheit und Zuhause hoch im Kurs stehen. Sie sind auf der Suche nach Liebe und wollen das Leben ihrer Eltern leben: mit einem Haus, Ehe und Kindern. Auf der anderen Seite gibt es überall Hipster, egal ob in London oder Chișinău, der Hauptstadt von Moldawien. Und überall hören die Leute die gleiche Scheißmusik und trinken Gin Tonic.

Haben Sie auch nationalistische Tendenzen wahrgenommen oder eine Abneigung gegen Flüchtlinge?

Nein, aber ich habe mich auch in einem eher liberalen Umfeld bewegt. Da war natürlich auch viel von Merkel die Rede und dass es so ganz ohne Regeln ja nicht geht. Aber im Grunde haben die Europäer ein großes Herz und die Leute sagen, den Menschen muss man helfen. Das war selbst im Osten so.

Was verstehen Sie denn persönlich unter Europa?

Ich komme ja eher aus der linken Ecke. Meine Idee von Europa ist, dass es sehr aufgeklärt ist, einen wachen Geist hat und den Mut, sich zu öffnen. Aber gerade junge Leute, die diese Idee teilen, machen zu wenig, um Menschen mitzunehmen. Ich denke, wir müssten mehr schreien und uns gegen Ungerechtigkeiten wehren. Die Antifa versucht das ja, aber das versteht eben oft kein normaler Mensch.

Sie waren für die Recherche rund ein Jahr lang unterwegs. An wie viel Tagen waren sie betrunken?

(Lacht). Also bestimmt jedes Wochenende. Aber ich muss sagen, dass ich zuhause auch viel trinke. (lacht)

Was ist Ihr europäisches Lieblingsgetränk?

Das ist ein Wodka, den ich in Polen getrunken habe. Der ist mit Zimt, Apfelsaft und Apfelkuchen und heißt Tatanka.

Salute!: Wie ich mit ganz Europa Brüderschaft trank, Knaur, ISBN-13: 978-3426789346, 12,99 Euro