Mit Wärme musiziert Neue cpo-Platte entstand in Osnabrück

Von Jan Kampmeier

Julia Habiger-Prause hat an der neuen Platte mitgewirkt. Foto: Claudia SarrazinJulia Habiger-Prause hat an der neuen Platte mitgewirkt. Foto: Claudia Sarrazin

Osnabrück. Vokalmusik von Arnold Krug und Heinrich von Herzogenberg wird auf einer neuen, von Osnabrücker Musikern aufgenommenen cpo-Platte neu entdeckt.

„Du bist mein! Ich bin dein! Des sollst du gewiss sein.“ Etwas naiv klingen viele der Verse, die Heinrich von Herzogenberg in seinem „Deutschen Liederspiel“ vertont hat. Könnte man diesen Komponisten als Ehemann der von Johannes Brahms sehr geschätzten Elisabeth von Herzogenberg noch kennen, so ist sein Komponistenkollege Arnold Krug wirklich gründlich vergessen. Beide finden sich auf einer neuen cpo-Platte, die im Osnabrücker Schloss aufgenommen und bis hin zum sehr informativen Begleittext von Christoph Guddorf im wesentlichen durch Osnabrücker Kräfte realisiert wurde. Das Niedersächsische Vokalensemble offenbart den Bezug zur Hasestadt zwar nicht durch seinen Namen, dennoch rekrutiert sich der Chor fast ausschließlich aus ehemaligen Mitgliedern des Kammerchors der Uni und erarbeitet seine Programme in Osnabrück, geleitet von seinem Gründer Joachim Siegel, Chordirektor der Uni. Auch Sopranistin Sigrid Heidemann sowie die Pianisten Julia Habiger-Prause und Christopher Wasmuth gehören zum heimatlichen musikalischen Inventar, und so ist als „Gast“ lediglich der Tenor Mirko Roschkowski dabei. Der ein oder andere Filter dürfte wohl über die Aufnahme gelaufen sein: Klanglich wirkt die Produktion nicht allzu frisch, am besten kommen die Solisten zur Geltung. Dennoch ist die Platte eindeutig empfehlenswert, nicht nur weil von beiden Werken keine andere Aufnahme greifbar zu sein scheint, sondern vor allem, weil sie offenbar mit innerer Anteilnahme und mit Wärme musiziert ist. Herzogenbergs Liederspiel beschäftigt alle Beteiligten und erzählt eine kleine Liebesgeschichte inklusive zeitweiliger Trennung und glücklichem Wiedersehen, wobei maßgeblich die Solisten im Mittelpunkt stehen. Sigrid Heidemann singt die schlichten Melodien sanft und einfühlsam, ihr gehört, gemeinsam mit dem Frauenchor, die besonders hübsche Nummer „O ihr Wolken, gebet Wasser“. Ihr Kollege Mirko Roschkowski hat einen hellen, strahlenden Tenor. Auch seine Gestaltung bleibt überwiegend schlicht, gelegentlich aber singt er mit etwas zu viel Druck. Der Chor steht, unterstützt durch Christopher Wasmuth am Flügel, im Zentrum von Arnold Krugs 1887 erschienenem Zyklus „Aus verwehten Blättern“. Der ist melodisch eingängiger als Herzogenberg, aber auch sehr viel melancholischer und erfährt bei sehr gut balanciertem Chorklang eine nahezu makellos runde Interpretation.


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