VfL-Stürmer Hansi Alpert war dabei Ein neues Dach für die Osnabrücker Herz-Jesu-Kirchtürme



Osnabrück. Die römisch-katholische Herz-Jesu-Kirche am Herrenteichswall trug ab ihrer Fertigstellung 1902 hohe schlanke Turmhelme. Nach Kriegszerstörungen wurden sie 1954 durch flachere Pyramidenhelme ersetzt. Deren Eindeckung mit Kupferblechen ist zum großen Teil das Werk des damaligen VfL-Stürmer-Stars Hansi Alpert.

Hans-Joachim („Hansi“) Alpert ist einer von zwei noch lebenden Fußballspielern aus der großen Mannschaft des VfL, die 1952 um die Deutsche Meisterschaft spielte. Er wollte hoch hinaus – als Fußballer wie auch im Beruf. Anlässlich seines 85. Geburtstags in diesem Jahr öffnete Alpert die Fotoalben und erzählte aus seinem bewegten Leben. Dabei kam heraus, dass er kopffest nicht nur in Bezug auf stramme Kopfbälle vor dem gegnerischen Tor war, sondern auch als Dachklempner auf den höchsten Dächern Osnabrücks. Zu den Baustellen, an die er bis heute mit gehörigem Respekt zurückdenkt, gehören die Turmhelme der Herz-Jesu-Kirche. Seine Aufgabe war, die Flanken der Dachpyramiden mit Kupferblech zu beplanken.

Als Arbeitsbühne diente ein schmales Hängegerüst, das um den oberen Kranz der gemauerten Türme angebracht war. Von hier führte die Anlegeleiter entlang des Dachstuhls zur Turmspitze mit dem Wetterhahn. „Natürlich war es immer windig da oben, ich habe das Arbeiten als eine ziemlich kitzlige Sache in Erinnerung“, beschreibt Alpert seine Gefühle. Die damals gebräuchlichen Holzgerüste seien nicht so stabil und steif gewesen wie heutige Aluminiumgerüste.

Bischöfliche Aufgabe

Herz-Jesu-Priester Bernhard Robben (1911 – 1991) hatte die bischöfliche Aufgabe übertragen bekommen, das Bautagebuch zu führen und später auch die Festschrift zur Wiederweihe 1955 über Entstehung, Zerstörung und Wiederaufbau der Herz-Jesu-Kirche zu schreiben. Eines Tages zwängte auch er sich durch die Ausstiegsöffnung auf das wackelige Gerüst, um den gerade installierten Wetterhahn aus der Nähe zu sehen. „Zwei Stufen schaffte er es die Holzleiter hoch, dann verließ ihn sein Gottvertrauen“, erinnert sich Alpert. Er und seine Kollegen hielten die Leiter fest und ermunterten den Geistlichen, ganz bis zum Kreuz mit dem Wetterhahn hochzusteigen. „Wir sagten ihm: ‚Hochwürden, dann sind Sie dem Herrn noch etwas näher‘, und dann hat er es tatsächlich bis ganz oben geschafft. Als er wieder heruntergestiegen kam, war er kreidebleich“, erzählt Alpert.

Neue Turmhauben waren erforderlich geworden, weil die alten 1944 im Bombenkrieg zerstört worden waren. Die alte Herz-Jesu-Kirche, 1898 bis 1902 nach Plänen des Dombaumeisters Alexander Behnes (1843 – 1924) im neugotischen Stil zunächst als Schul- und Garnisonskirche erbaut, trug hohe achteckige Turmhelme. Bei Angriffen 1942 und 1944 wurde das Kirchenschiff weitgehend zerstört. Am Ende des Krieges fehlte ein Turmhelm komplett, der andere war ausgebrannt und sein Rückbau unumgänglich. Ein Wiederaufbau in alter Gestalt schied schon deshalb aus, weil die Hauptkirche des Bistums, der Dom St. Peter, auch nur vereinfachende „Notmützen“ anstelle der zerstörten Barockhelme erhalten hatte. Da musste sich Herz-Jesu als ehemalige Filialkirche des Doms mit ähnlich schlichten Hauben begnügen.

Gottesdienste in der Notkirche

In den ersten Nachkriegsjahren fanden Gottesdienste in dem zur Notkirche umgebauten Pastorat an der Herz-Jesu-Kirche statt. Am Ziel des Wiederaufbaus der Kirche hielt man indessen eisern fest. Die Herz-Jesu-Priester hielten dafür Kollektenpredigten im ganzen Bistum. Im Januar 1953 wurde der Kirchenbauverein gegründet, im Sommer begann die „Entschuttung“ des Kirchenschiffs. Architekt Josef Feldwisch-Drentrup zeichnete die Pläne für einen klar gegliederten, reduzierten Hallenbau, in den er die erhaltenen Reste integrierte. Richtfest war am 20. Oktober 1954 und am 18. Dezember 1955 nahm Weihbischof Johannes Albert von Rudloff die feierliche Wiederweihe vor. Erzbischof Wilhelm Berning, der große Förderer des Wiederaufbaus, erlebte die Weihe nicht mehr mit, er starb drei Wochen zuvor.

„Haben Sie heute schon etwas gegessen?“

Hansi Alperts damaliger Arbeitgeber war Klempnermeister August Börgel, der seine Werkstatt an der Bohmter Straße hatte. Börgel verfügte über gute Beziehungen zu den Brüdern Feldwisch-Drentrup und damit auch zum Bischöflichen Generalvikariat. Alpert bekam es daher häufiger mit kirchlichen oder kirchennahen Baustellen zu tun. So kroch er auf dem Dach des Franziskus-Hospitals herum, um dort Bleche anzubringen. Oder auf der Bischöflichen Kanzlei. Oder bei den Franziskanerinnen in Thuine. Im Kindergärtnerinnen-Seminar des Wilhelmstifts – heute entsteht dort das L+T-Sporthaus - gab es regelmäßig etwas zu installieren. Und er wurde dort liebevoll umsorgt: „Schwester Serafina fragte mich immer als erstes: ‚Herr Alpert, haben Sie heute schon etwas gegessen?‘ Wenn ich verneinte, bekam ich sofort eine Stulle“, erinnert sich Alpert. Einmal war auch sein Einsatz im Weinkeller am Dom gefragt. Die geistlichen Herren beklagten sich, dass nach jedem Regenguss der Fasskeller mit den Messweinen unter Wasser stand. „Alle meinten, das liegt am Grundwasser. Aber dann hab ich den Fehler gefunden, ein Fallrohr war defekt“, so Alpert.

Hansi Alpert stammt gebürtig aus Stendal in der Altmark. Dort ging er bei seinem Vater in die Klempner-Lehre. Früh erkannte man sein fußballerisches Talent. Er zählte bald zur „Sport-Elite“ der jungen DDR. Als fertiger Geselle musste er in der Kupferschmiede des Reichsbahnausbesserungswerks nur 24 statt 48 Wochenstunden arbeiten, in der restlichen Zeit war bezahltes Training. Mit „Lokomotive Stendal“ spielte er schon mit 17 Jahren in der Oberliga Ost unter anderem gegen den Dresdner SC mit Helmut Schön. 1950 drohte die Einziehung zum Wehrdienst in der NVA. Alpert setzte sich über die grüne Grenze in die Bundesrepublik ab. Sein Freund Hansi Kovermann lotste ihn nach Osnabrück und brachte ihn mit VfL-Geschäftsführer Heini Hüggelmeyer zusammen.

Beeindruckendes VfL-Debüt

Im Trikot des VfL legte Alpert ein Debüt hin, das wohl nie übertroffen werden wird: Innerhalb von einer Minute erzielte der Stürmer am 20. November 1950 gegen Bremerhaven 93 zwei Tore. Es folgten in weiteren 202 Oberligaspielen 29 Tore. 1959 beendeten Verletzungen seine Karriere als Vertragsspieler. Beruflich aber ging es weiter aufwärts: 1962 legte er die Meisterprüfung ab und machte sich als Gas- und Wasserinstallateur in der Meller Straße 51 selbstständig. Erst zum 70. Geburtstag 2002 schloss er die Werkstatt endgültig ab.


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