Knusper, knusper, knäuschen Café Läer baut Hexenhäuschen für Kunden aus ganz Deutschland

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Osnabrück. Sie kamen an ein Häuschen, von Pfefferkuchen fein – wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein? In diesem Fall ist es eine Herrin, nämlich Britta Reinholz. Und die Hexenhäuschen stehen nicht im Wald, sondern im ersten Stock des Café Läer in der Osnabrücker Krahnstraße.

Seit rund 20 Jahren arbeitet die Konditormeisterin im Café Läer und ungefähr genau so lange fertigt die 42-Jährige auch Knusperhäuschen an – für Kunden aus Osnabrück, aber auch solche, die bereits seit Jahren ganz woanders wohnen. Für einen bekannten deutschen Unternehmer und dessen Familie verschickt sie seit vielen Jahren Hexenhäuschen-Bausätze auch nach New York oder London, je nachdem, wohin die Ausbildung oder das Business einen treiben.

Zimtsterne schnell ausverkauft

Seit dem frühen Morgen steht Britta Reinholz in der Backstube. „Es ist die reinste Sisyphos-Arbeit“, sagt sie. Jeden Tag backe sie Zimtsterne und Printen, und am nächsten Tag sei alles schon wieder ausverkauft. Und jetzt in der Weihnachtszeit, wenn die ganzen Holländer im Bus nach Osnabrück kämen, und die Leute ja auch im Dezember Hochzeiten und Taufen feiern wollen und es zig Spezial-Bestellungen gebe – da müsse man manchmal auch „Nein“ sagen.

Ganze Säcke voll feinster französischer Schokoladenplättchen liegen auf dem Arbeitstisch, daneben Zehn-Kilo-Säcke voll Zucker und dunkle Schokolade in Form und Größe schwerer Betonplatten. Wer Kalorien zählt, ist hier falsch.

Produktion startet im Sommer

Wie lange Britta Reinholz für ein Hexenhäuschen braucht, ist nicht leicht zu sagen. Im Grunde genommen beginnt die Arbeit schon im Sommer, wenn der Lebkuchen angesetzt wird. „Dann sind der Honig und der Sirup richtig durchgezogen, und der Lebkuchen hat mehr Geschmack“, sagt die Konditormeisterin, während sie Schokolade temperiert. Auf keinen Fall dürfe die zu heiß werden, sonst „wird sie kokelig“. Rund eine Stunde dauere es dann, ein Häuschen zusammenzusetzen und mit Süßkram und Eiszapfen aus Zuckerguss zu gestalten.

Alle Häuschen individuell gestaltet

Die Dekoration der Lebkuchenhäuschen variieren. Viele Kinder mögen es, wenn viel Buntes an das Häuschen geklebt wird, andere Kunden wünschen sich, dass nur Printen und Zimtsterne, die in der Konditorei hergestellt wurden, ans Haus kommen. „Unsere Häuschen kommen nicht aus dem Katalog, wir machen hier alles von Hand und viel mit Bio“, sagt sie. Ein Hexenhäuschen habe daher auch seinen Preis und koste um die 35 Euro. Ihr Albtraum: Am Fließband zu stehen und nach starren Vorgaben zu arbeiten. „Die Kunst, das ist mein Ding“, sagt Britta Reinholz. Kunst und essen. „Sicher esse ich gerne“, sagt die Konditorin und lacht. Nur Printen mag sie privat nicht mehr so gerne, das schmecke und rieche zu sehr nach Arbeit. „Ich nasche am liebsten Kinderriegel“, sagt sie und kichert.

Häuschen immer beliebter geworden

Die meisten Hexenhäuschen aus dem Café Läer sind übrigens eher Schokoladenhäuschen als Lebkuchenhäuser: Nur die Stellfläche besteht aus Printen, die Wände und das Dach hingegen aus Vollmilchschokolade, die Kinder nun mal am liebsten essen. Auf Wunsch fertige man aber auch komplette Lebkuchenhäuser an.

Mit den Jahren sei es immer mehr geworden mit den Häuschen. „Das hat einfach die Runde gemacht. An einem Jahr habe ich 30 Häuser gemacht, das waren dann zu wenig.“ Nun sind es zwischen 30 und 50, die entweder auf Bestellung gebastelt oder für die Laufkundschaft zum Verkauf ins Schaufenster gestellt werden.

Für die Herstellung der Häuschen wird nur feinste französische Schokolade verwendet. Foto: Gert Westdörp

Aber schließlich – sind die Häuschen nicht viel zu schön, um gegessen zu werden? Besteht nicht die Gefahr, dass die Häuschen am Ende bis in den Sommer stehen bleiben und dann traurig vor sich hin schmelzen? Britta Reinholz schüttelt den Kopf. Ihre Häuschen werden gegessen, ist sie sich sicher. „Einige nutzen ihn auch als eine Art Adventskalender und knuspern jeden Tag etwas davon ab“, sagt sie. Und für die Printen könne man sich ruhig Zeit lassen: „Lebkuchen enthält kein Fett, daher hält er sich lange.“


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