Nach Insolvenz-Antrag Paracelsus-Mitarbeiter begrüßen Sanierungsplan

Luftaufnahme der Paracelsus-Klinik in Osnabrück, aufgenommen am 10. Mai 2016. Foto: David EbenerLuftaufnahme der Paracelsus-Klinik in Osnabrück, aufgenommen am 10. Mai 2016. Foto: David Ebener

Osnabrück. Optimismus mitten in der Krise: In den Paracelsus-Kliniken hat sich am Tag nach dem Insolvenzantrag „Aufbruchstimmung“ breitgemacht. So beschreibt es die Konzernsprecherin. Die Arbeit in den Krankenhäusern geht ohne Einschränkung weiter.

An allen 40 Paracelsus-Standorten waren die Mitarbeiter am Donnerstag über den Insolvenzantrag in Eigenverantwortung zeitgleich in Belegschaftsversammlungen informiert worden. „In einigen Standorten gab es sogar Applaus bei der Darstellung des Sanierungskonzeptes“, sagte am Freitag Konzern-Sprecherin Simone Hoffmann. „Es herrscht bei uns Aufbruchstimmung, wir erkennen die Chance und packen die Probleme an.“

Auch in der Mitarbeiterversammlung am Stammsitz in Osnabrück gab es Applaus, wie Teilnehmer berichten. Und zwar an einer Stelle: Als Verwaltungsdirektorin Christiane Kuhne auf Nachfrage eines Mitarbeiters mitteilte, dass sich der Alleingesellschafter Dr. Manfred Krukemeier vollständig aus dem operativen Geschäft zurückziehe und die Sanierung den externen Experten überlasse. Mit dem Rückzug meint es der Inhaber des Klinik-Konzerns offenbar ernst, denn zur aktuellen Entwicklung will er öffentlich keine Stellungnahme abgegeben.

Die Stimmung sei anfangs „sehr bedrückt“ gewesen, sagte eine Paracelsus-Mitarbeiterin. Aber der Dienst am Patienten habe die meisten Beschäftigten sehr schnell wieder in den Alltag zurückgeholt. Tenor in de Gesprächen untereinander sei gewesen: „Wir leisten gute Arbeit, tun alles für die Patienten, und oben werden falsche Entscheidungen getroffen.“ So sieht das auch die Gewerkschaft. Verdi-Funktionär Sven Bergelin sprach am Donnerstag von Managementfehlern und Ignoranz auf der Führungsebene.

Nur noch ein Geschäftsführer

Das Amtsgericht Osnabrück hat den Rechtsanwalt Rainer Eckert aus Hannover zum vorläufigen Sachwalter im Insolvenzantragsverfahren bestimmt. Die Paracelsus-Kliniken sind laut Amtsgericht berechtigt, „unter Aufsicht des vorläufigen Sachwalters ihr Vermögen weiter zu verwalten und darüber zu verfügen“. Bemerkenswert: In den Insolvenzbekanntmachungen wird als Geschäftsführer nur noch Michael Schlickum genannt. Gero Skowronek, der bislang zusammen mit Schlickum den Konzern führte, ist auch von der Homepage des Konzerns verschwunden.

Die Rechtsanwälte und Sanierungsexperten Andreas Ziegenhagen und Daniel F. Fritz von der Wirtschaftskanzlei Dentons sind als Generalbevollmächtigte eingesetzt und haben den Auftrag, zusammen mit der Geschäftsführung binnen drei Monaten einen Sanierungsplan vorzulegen. Sie wollen keine Zeit verlieren und sich über den Jahreswechsel in die Materie einarbeiten.

Betrieb läuft ganz normal weiter

Das Sozialministerium in Hannover plant keine finanziellen Hilfen für die betroffenen Einrichtungen in Niedersachsen. Man bedauere die Insolvenz, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Hannover. „Da es sich aber um eine Insolvenz in Eigenregie handelt, bieten sich Spielräume für die notwendigen Umstrukturierungsprozesse im Konzern.“ Es sei kein spezielles Hilfsprogramm geplant, aber es werde Gespräche mit dem Betreiber geben. In Niedersachsen unterhält die Paracelsus-Gruppe das Akut-Krankenhaus in Osnabrück und die Reha-Kliniken in Langenhagen und Bad Gandersheim. Zudem gibt es drei Rehabilitationseinrichtungen und eine Adaptionseinrichtung in Bad Essen. Insgesamt gehören 17 Akut-Krankenhäuser, 13 Reha-Kliniken und 9 ambulante Einrichtungen in Deutschland und der Schweiz zum Paracelsus-Konzern.

Der Betrieb in allen Häusern geht uneingeschränkt weiter: „Patienten und Patientinnen, die bereits feste Untersuchungs- oder Arzttermine in den Kliniken haben, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Alle Termine finden statt“, versicherte die Unternehmenssprecherin. Gleiches gelte für geplante stationäre Aufenthalte in den Kliniken. „Die medizinische, therapeutische und pflegerische Versorgung ist uneingeschränkt gesichert.


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