Vorsitzender Uwe Engelmann Was ist das Schwarze Kreuz Osnabrück?


Osnabrück. Uwe Engelmann ist Vorsitzender des Arbeitskreises Schwarzen Kreuz Osnabrück. Mit uns hat er über seine Arbeit gesprochen.

Uwe Engelmann ist Sonderpädagoge. Der 57-jährige Bramscher arbeitet an einer Förder- und an einer Hauptschule. Seit 1990 engagiert er sich beim Schwarzen Kreuz.

Herr Engelmann, was ist das Schwarze Kreuz?

Das Schwarze Kreuz ist eine christliche Straffälligenhilfe, die Häftlinge und ihre Angehörigen unterstützt und begleitet.

Schwarzes Kreuz klingt ganz schön düster.

Das Schwarze Kreuz wurde 1925 gegründet und sollte im Namen einen christlichen Stempel tragen. Alle anderen Farben waren schon weg (lacht). Aber es ist ein schwarzes offenes Kreuz und der Name „Schwarzes“ ist in grüner Farbe gedruckt. Das Grün symbolisiert die Hoffnung. Ein Häftling hat mir mal gesagt, dass er den Namen passend findet. Haft bedeute, dass man in der Dunkelheit sitzt. Man sei abgeschnitten von der Außenwelt und in diese Dunkelheit treffe das Kreuz. Das Schwarze Kreuz würde Hoffnung in diese Dunkelheit bringen.

Wie entscheidend ist der christliche Aspekt bei Ihrer Arbeit?

Wir sind motiviert durch den christlichen Glauben. Auch Jesus ist zu den Außenseitern gegangen, zu Menschen, die gescheitert sind. Diesen Aspekt hat die offizielle Kirche für meinen Geschmack ein wenig aus den Augen verloren. Gott gibt keinen Menschen auf. Wenn Gottes Liebe einen Menschen berührt, kann er verändert werden, Vergebung und Versöhnung können stattfinden. Auch im Knast.

Das Logo des Schwarzen Kreuz.

Missionieren Sie?

Wir reden offen über den Glauben. Wir sprechen über die Themen, die die Häftlinge interessieren. Da geht es zwangsläufig um Themen wie Schuld und Vergebung. Das sind urmenschliche Themen. Es ist aber auch überhaupt nicht ungewöhnlich, dass wir Muslime oder Atheisten betreuen, die mal über andere Themen sprechen wollen. Dass es umsonst bei uns Kaffee und Kuchen gibt, könnte dabei aber auch eine Rolle spielen (lacht).

Sie lernen viele Straftäter kennen. Entwickeln Sie Verständnis für die Taten?

Nein, die Täter sind zu Recht verurteilt. Ich verurteile die Tat, aber nicht den Täter. Für uns sind das keine Kriminellen, sondern in erster Linie Menschen. So wollen wir ihnen auch begegnen. Das Gefängnis macht keine besseren Menschen aus ihnen. Deshalb ist die Rückfallquote in Deutschland sehr hoch. Dem arbeiten wir entgegen. Denn in acht, zehn oder 15 Jahren können diese Menschen meine Nachbarn sein, die neben mir wohnen.

Betreuen Sie ausnahmslos alle Straftäter oder gibt es Fälle, wo Sie sagen, mit denen geht es nicht?

Nein, wir betreuen alle. Das Delikt spielt keine Rolle. Eine Mitarbeiterin von uns hatte einen Fall, in dem ein Mann wegen Missbrauchs verurteilt worden war. Sie hatte große Mühe damit umzugehen. Im Einzelfall müssen die Mitarbeiter entscheiden, ob sie sich das zutrauen oder nicht. Deshalb ist der Austausch in unserem Arbeitskreis auch wichtig.

Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Dass der Mensch auf eigenen Beinen stehen kann und nicht wieder straffällig wird. Und dass der Inhaftierte ein Stück weit mit der Liebe Gottes in Berührung kommt. Liebe ist wohltuend und verändert den Menschen. Wir begegnen auch Menschen, die wieder rückfällig geworden sind. Und auf meine Frage, was die Straftat hätte verhindern können, kam oft die Antwort: Ich hatte keinen, mit dem ich reden, dem ich vertrauen konnte. Dazu wollen wir da sein.


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