In dieser Moschee darf jeder beten Muslimin spricht vor Osnabrücker Freimaurerloge

Anna Beckmann

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Die Berliner Anwältin Seyran Ates sprach im Lortzinghaus über die Gründung der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin und über Reformen im Islam. Foto: Jörn MartensDie Berliner Anwältin Seyran Ates sprach im Lortzinghaus über die Gründung der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin und über Reformen im Islam. Foto: Jörn Martens

bena Osnabrück. „Kann es im Islam Reformen hin zu einer modernen Religion geben?“ Diese Frage beantwortete Seyran Ates, die kürzlich in Berlin eine liberale Moschee gegründet hat, in ihrem Vortrag bei der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“. Im Rahmen des Programms zu ihrem 300. Geburtstag hatte die Loge Ates eingeladen.

„Tötet sie, wo ihr sie nur findet.“ Diese und viele weitere Morddrohungen erhielt Seyran Ates in den letzten Wochen. Grund dafür war die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die die Berliner Anwältin im Sommer dieses Jahres mit einigen Mitstreitern gegründet hat. In dem 100 Quadratmeter großen Raum der Moschee dürfen Männer und Frauen zusammen beten. Es ist jeder willkommen, der einen Ort der Spiritualität sucht. Die Gründung der Moschee ist für Ates ein erster Schritt hin zu einem moderneren Islam.

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„Koran zeitgemäß lesen“

„Wenn mich jemand fragt, ob es im Islam Reformen geben kann, dann antworte ich mit der Gegenfrage, warum es sie nicht geben sollte“, erklärte Ates ihren Zuhörern. Spricht sie über Reformen, ist ihr eines besonders wichtig: Es geht nicht darum, den Islam zu einer anderen Religion zu machen, sondern den Koran zeitgemäß und historisch-kritisch zu lesen. „Wenn ich einen Paragrafen lese, dann frage ich mich, was ist der Sinn und Zweck dieser Regelung. Und das Gleiche frage ich mich auch, wenn ich einen Teil aus dem Koran lese“, sagte die Anwältin. So sei es wichtig, die Aussagen des Korans, die im 7. Jahrhundert geschrieben wurden, nicht unreflektiert auf heute zu übertragen.

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Für ihre liberale Sichtweise wird Ates oft angefeindet. Deshalb sorgten im Lortzinghaus der Freimaurerloge Security-Mitarbeiter für die Sicherheit der Frauenrechtlerin. „Mir wird oft vorgeworfen, dass ich keine Ahnung vom Koran habe, dabei studiere ich ihn intensiver als die meisten anderen Muslime“, erklärte Ates. Für sie und ihre Moschee sei aber nun einmal nicht der Koran das oberste Gesetz, sondern die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. So gelten in der Moschee die Grundsätze, dass jeder gleichberechtigt ist und lieben kann, wen er möchte. Außerdem soll jeder an die Religion glauben, an die er glauben will oder gar nichts glauben dürfen.

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